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Klaus Allofs im Gespräch : „Es war richtig, De Bruyne abzugeben“

Klaus Allofs: „Aber selbst das WM-Finale habe ich auch unter dem Aspekt geschaut: Wer könnte vielleicht einmal bei uns spielen?“ Bild: AFP

Wann wird Wolfsburg endlich zum Bayern-Jäger? Vielleicht gar nicht, sagt Manager Klaus Allofs. Im FAZ.NET-Interview spricht er auch über teure Deals, die Champions League und die große Büchse.

          Was war für Sie das letzte Fußball-Erlebnis, jenseits der Spiele von Wolfsburg, das Sie selbst völlig eingenommen hat?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Frage ist falsch gestellt.

          Warum?

          Für mich hängt alles mit Wolfsburg zusammen. Natürlich habe ich mich sehr gefreut, dass wir Weltmeister geworden sind. Aber selbst das WM-Finale habe ich auch unter dem Aspekt geschaut: Wer könnte vielleicht einmal bei uns spielen? Ich kann Fußball einfach nicht mehr zweckfrei schauen. Als Kind konnte ich das natürlich wie alle anderen. Aber schon als junger Spieler bei Fortuna Düsseldorf war das nicht mehr ganz so. Verschwunden ist es ganz sicher nach meiner Profizeit, als ich vor fünfzehn Jahren Manager geworden bin. Ich kann das Spiel nicht mehr unbefangen als Zuschauer wahrnehmen, vollkommen unbelastet.

          Und für einen Fußballmanager sind die hohen Summen nur Zahlen? Es schien jedenfalls, als hätten Sie den teuersten Deal des deutschen Fußballs ganz cool über die Bühne gebracht.

          Nein, es muss einem bewusst sein, dass man da über sehr, sehr viel Geld redet. Das sind nicht nur Zahlen, aber gleichwohl darf man nicht in den Bann der großen Zahl geraten. Für den Verein war es mehr als nur die Frage: Ist die Ablöse hoch genug, pokern wir bis zum Schluss? Man kann in so einem Fall nicht einfach eine Schablone über den Deal legen und dann nur danach entscheiden: Ist das nun genug Geld oder zu wenig?

          Wirklich nicht?

          Man muss die Situation des Spielers, des Klubs und auch die Stimmungslage unter den Fans betrachten. Wäre es nur eine gute Sache für den Spieler gewesen, nicht aber für den Verein, weil alle unsere Ziele in Frage gestellt worden wären, hätten wir es nicht gemacht. Wenn es zum Wohl des Vereins und des Spielers ist, kann man eine Lösung suchen. Da sollte man auch nicht cool sein, sondern die Interessen nüchtern beurteilen.

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          Und die Fans fragen sich jetzt natürlich: Schafft es der VfL Wolfsburg, jetzt noch Bayern-Jäger zu bleiben?

          Wir waren noch nie Bayern-Jäger und werden es jetzt auch nicht sein. Es ist ganz wichtig, den Blick für die Realität nicht zu verlieren.

          Wenn wir uns richtig erinnern, haben Sie nach dem Pokalsieg angekündigt, als Tabellenzweiter in der neuen Saison dem FC Bayern noch näher zu kommen.

          Das ist richtig. Aber als Jäger muss man schon dicht dran sein, um auch wirklich Beute machen zu können.

          Oder man hat eine große Büchse.

          Stimmt, es kommt auf die Bewaffnung an (lacht). Und da sind wir nicht entsprechend ausgerüstet. Und das waren wir auch vorher nicht. Genau darüber haben wir ja nachgedacht: Was hat der Verkauf von Kevin für eine Wirkung auf die Fans? Es ist ein großer Verlust, natürlich. Aber auf der anderen Seite auch ein Zeichen, dass wir realistisch bleiben und wirtschaftlich denken. Das haben wir zuvor immer betont – und dann muss man das auch durch Handlungen bestätigen. Auch wenn wir dank unserer finanziellen Gesamtlage Kevin nicht hätten verkaufen müssen. Gleichwohl haben wir aber auch nicht die Mittel wie der FC Bayern. Das ist mit dem Verkauf auch klar untermauert worden.

          Kalkulieren Sie sportliche Rückschläge mit ein, wenn Sie finanziell nicht immer mithalten können oder wollen?

          Ich kann Rückschläge nicht ausschließen. Aber das wäre auch mit Kevin De Bruyne und Ivan Perišić nicht anders gewesen. Die Wahrscheinlichkeit wäre sicher etwas höher gewesen, dass wir auf diesem Weg weitergehen. Aber die Ungewissheit ist trotzdem immer da. Tatsache ist aber auch: Wir waren gut gerüstet – und wir sind noch immer gut gerüstet. Aber jetzt müssen sich Spieler wie Dante und Julian Draxler bei uns zurechtfinden. Aber auch ein André Schürrle, den ich immer noch als Neuzugang betrachte. Er muss sich steigern und nach dem Weggang von Kevin wie andere eine neue Rolle finden. Wir haben mit Draxler, Dante, Schürrle oder Caligiuri einige Spieler, die dort hineinwachsen können.

          Das klingt nicht sehr offensiv.

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