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Wolfsburg muss nach Madrid : Der Mythos Bernabéu

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Beeindruckend: Wenn am Dienstagabend vor Anpfiff die Champions-League-Hymne ertönt, könnte es bei einigen Wolfsburgern Gänsehaut geben. Bild: Picture-Alliance

Kann der VfL Wolfsburg im Champions-League-Viertelfinale seinen Vorsprung verteidigen? Das haben im Estadio Santiago Bernabéu schon viele versucht – und sind krachend gescheitert. Doch es gibt Hoffnung.

          Das Estadio Santiago Bernabéu ist ein Mythos. Die 81.044 Zuschauer fassende und 1947 eröffnete Arena war schon oft Schauplatz denkwürdiger Fußball-Spiele. „Es werden Dinge passieren, an die man jetzt noch gar nicht glaubt“, sagt auch Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs aus eigener Erfahrung vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag bei Real Madrid (20.45 Uhr / Live auf Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET). In der langen Geschichte des Bernabéu gibt es eine gut gefüllte Liste besonderer Ereignisse. Doch nicht alle sprechen auch gegen ein Weiterkommen der Wolfsburger:

          Die inzwischen gestorbene Real-Legende Juanito prägte den berühmten Satz: „90 Minuten im Bernabéu sind sehr lang!“ Dies soll er einst den Spielern von Inter Mailand nach einer Hinspiel-Pleite Reals im Europapokal zugeraunt haben. Das Rückspiel gewann Real tatsächlich, die Königlichen kamen weiter. Insgesamt 22-mal gelang es den Madrilenen in der Europacup-Historie, einen Rückstand im Rückspiel daheim noch zu drehen. Diese Aufholjagden („remontadas“) zumeist aus der aktiven Zeit des Offensivspielers werden gerne mit dem Begriff „Der Geist von Juanito“ verklärt.

          Mit Tomaten und Eiern beworfen

          Die „Mutter“ aller deutschen Niederlagen im Bernabèu “gelang“ indes im November 1985 Borussia Mönchengladbach. Euphorisiert vom furiosen 5:1-Hinspielsieg in Düsseldorf reisten die Gladbacher zum Uefa-Pokal-Rückspiel nach Madrid. Real gewinnt daheim in besonders hitziger Atmosphäre 4:0 und kommt weiter. „Das Spiel haben wir schon vor dem Anpfiff verloren“, meinte der damalige Borusse-Profi Christian Hochstätter fast 30 Jahre später im Interview mit der Zeitschrift 11 Freunde“: „Das fing schon auf dem Weg ins Stadion an. Unser Bus ist beworfen worden, mit Tomaten, Eiern, was weiß ich.“

          Eine handfeste Sensation wäre im vergangenen Jahr fast sogar dem FC Schalke 04 gelungen. Mit 4:3 gewinnen die Schalker das Rückspiel im Achtelfinale in Bernabèu. Vier Tore im Stadion der ruhmreichen Madrilenen, und doch reicht es nicht zum Weiterkommen. Das Hinspiel hatten die Königsblauen gegen die Königlichen zu Hause 0:2 verloren. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Real Madrid gegen Schalke ausscheiden würde, war vor dem Spiel ungefähr so groß wie die Gefahr, von einem herabstürzenden Klavier erschlagen zu werden. Und doch wäre es beinahe passiert“, schreibt am Tag danach die Sportzeitung „As“.

          Imposanter Klotz im Zentrum der Haupstadt: Das Bernabèu liegt inmitten von Madrid. Bilderstrecke

          Ebenfalls kurios: Am 1. April 1998 tritt Borussia Dortmund erstmals in Madrid an. Das Champions-League-Spiel, das Real am Ende 2:0 gewinnt, wird erst mit 76 Minuten Verspätung angepfiffen. Spanische Fans hatten beim Erklimmen eines Zaunes am daran befestigten Tor gezogen – und es zum Umfallen gebracht. Ersatz war auf die Schnelle nicht verfügbar.  Neun Jahre später lässt sich Mark van Bommel beim 2:3 des FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel 2007 zu einer provokanten Geste in Richtung Real-Anhang hinreißen. Als früherer Profi des FC Barcelona hatte der Niederländer eine besondere Antipathie gegenüber Madrid. Dies brachte van Bommel eine Sperre für ein Spiel auf Bewährung ein.

          Den Wolfsburgern bringen all diese historischen Ereignisse auf dem heiligen Bernabèu-Rasen natürlich wenig. Deswegen erstaunt es auch nicht, dass Kampfansagen aus Wolfsburg eher moderat ausfielen. „Es wäre vermessen, wenn wir keinen Respekt vor Real und diesem Stadion hätten“, sagte Coach Hecking bescheiden: „Wir müssen Herausragendes leisten.“ Bei Real hörte sich dies schon anders. Der frühere Leverkusener Dani Carvajal prophezeite einen „Krieg“, Cristiano Ronaldo versprach das Weiterkommen und Luka Modric sprach gar schon vom Finale, Wolfsburg solle nur eine Durchgangsstation sein.

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          Allerdings: In der Bundesliga mag Wolfsburg zwar Probleme haben, in der Champions League ist davon bislang nichts zu spüren. Sieben von neun Spielen im Wettbewerb gewann der VfL diese Saison. Sobald die Hymne vor den Spielen ertönt, scheinen die Wolfsburger zu besonderem fähig zu sein.  Dazu gewann der VfL bislang viermal das Hinspiel in Europapokalduellen – und viermal kam Wolfsburg dann auch weiter. Etwa in der vergangenen Europa-League-Saison gegen Sporting Lissabon. Hinspielergebnis damals: 2:0 für Wolfsburg. Die vergangenen fünf Versuche Reals, eine Hinspielpleite noch zu drehen, scheiterten zudem.

          Außerdem wird die Partie von Viktor Kassai geleitet. Der Ungar ist ein erfahrener Referee und dürfte in einer möglichen hitzigen Atmosphäre kühlen Kopf bewahren. VfL-Sportchef Klaus Allofs hatte zuvor noch gewarnt, man müsse auch auf falsche Schiedsrichterentscheidungen im Bernabéu vorbereitet sein. Am Montag ruderte Hecking nach der Ansetzung verbal zurück: „Ich glaube nicht, dass seltsame Dinge passieren. Seltsam wäre es, wenn wir gewinnen.“ Kassai leitete zudem schon einmal ein Rückspiel eines deutschen Teams nach einem Hinspielerfolg gegen Real: Vor vier Jahren kam der FC Bayern nach einem 2:1 daheim in Madrid weiter. Im Rückspiel siegten die Bayern damals im Elfmeterschießen.

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