https://www.faz.net/-gtm-88e9g

Champions League : Störfälle im Barça-Biotop

Am Boden: Auch weil Messi verletzt ist, läuft es für Barcelona nicht rund Bild: AP

Messi außer Gefecht, Neymar unter Verdacht, ter Stegen im Pech: Der FC Barcelona geht angeschlagen in das Champions-League-Duell mit Bayer Leverkusen. Einem Stürmer könnte die Unruhe im Verein aber durchaus nützen.

          In den letzten Wochen, als Ströme von Druckerschwärze auf das Thema der katalanischen Unabhängigkeit verwendet wurden, kam die Rede auch auf den FC Barcelona, nach eigenem Motto „mehr als ein Klub“, nämlich die Inkarnation katalanischer Kultur und Identität. Ob es denn überhaupt noch einen Clásico gebe, sollte Katalonien ein eigener Staat geworden sein, wurde gefragt, und eine gute Antwort hatte darauf niemand. Sie soll ja erst 2017 kommen, die von knapp 50 Prozent der wahlberechtigten Katalanen ersehnte Unabhängigkeit - wenn sie denn kommt, was auch nach dem letzten Wahlsonntag alles andere als klar ist.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Bis dahin kümmert man sich eben um die anstehenden Aufgaben. Zum Beispiel, einen Sieg gegen Bayer Leverkusen (20.45 Uhr / Live auf Sky und um Champions-League-Ticker auf FAZ.NET) zu holen, den Tabellenführer der Champions-League-Gruppe E nach dem ersten Spieltag. Auf Leo Messi wird das Team von Luis Enrique dabei verzichten müssen. Der argentinische Dribbelkönig zog sich am Samstag beim Ligaspiel gegen Las Palmas schon nach drei Minuten einen Riss im Innenband des linken Knies zu und fällt voraussichtlich sieben bis acht Wochen aus.

          Drei Elfmeter verschossen

          Zweiundzwanzig Monate lang hat Barcelonas Superstar praktisch verletzungsfrei gespielt, und in diese Zeit fällt seine Wiederauferstehung - nach dem Durchhänger von 2013 - als Spielmacher und Torjäger. Körperlich topfit, versehen mit frischen Tattoos und einem richtigen Haarschnitt, holte Messi mit seinem Klub das Triple, wurde WM-Zweiter und Weltfußballer des Jahres.

          Zu Beginn der neuen Saison lief es aber noch nicht ganz rund. Der FC Barcelona gewann seine Partien knapp, schoss Tore nur in der zweiten Halbzeit und machte alles andere als einen kompakten Eindruck. Auch Messi trug dazu bei, indem er zwei Elfmeter versiebte, worin ihn sein gelehriger Sturmkollege Neymar kurz darauf mit einem Schuss in die Wolken nachahmte.

          Öffnen

          So gern man dem Brasilianer auf dem Feld zuschaut, abseits des Rasens liefert er immer wieder Gesprächsstoff von der peinlicheren Sorte. Kürzlich pfändete der brasilianische Fiskus Werte des Firmengeflechts Neymar - Vater und Sohn - von umgerechnet 42,5 Millionen Euro. Zwischen 2011 und 2013 soll der Spieler, dessen undurchsichtiger Transfer letztes Jahr den Barça-Präsidenten Sandro Rosell zum Rücktritt zwang, die Begleichung einer Steuerschuld von 14,3 Millionen Euro kunstvoll vermieden haben.

          Neymar, so heißt es, habe Geld, das er für seinen Wechsel zum FC Barcelona erhalten habe, als Firmengewinn deklariert. Ferner habe er Einkünfte aus Werbung und der Verwertung seiner Bildrechte nicht ordnungsgemäß versteuert. Der frühere Akteur des FC Santos ist nicht allein mit diesem Problem. Leo Messi muss sich wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten, und auch von den ehemaligen spanischen Nationalspielern Xavi Hernández und Xabi Alonso heißt es, das Finanzamt untersuche angebliche Unregelmäßigkeiten.

          Und dann ist da noch Torwart Marc-André ter Stegen, dem das Pech an den Handschuhen klebt. Der verletzte Keeper Claudio Bravo, den er gerade vertritt, war die Diskretion in Person, kassierte so wenig Treffer wie niemand sonst in der Primera División und lieferte nie Gesprächsstoff. Doch ter Stegen bringt Leben in die Bude. Mit dem ehemaligen Gladbacher zwischen den Pfosten bekommt die Barça-Verteidigung immer wieder den Rappel und führt sich auf wie in der dritten Liga - keiner weiß, warum.

          Jedenfalls hat der Deutsche nach sieben absolvierten Pflichtspielen schon sechzehn Tore kassiert, darunter gleich zwei Treffer aus rund fünfzig Metern Entfernung. Kunstschüsse, gewiss, nicht die Regel; doch mindestens beim ersten Tor dieser Art, gegen Athletic Bilbao im spanischen Supercup, leistete ter Stegen mit einem unglücklichen Kopfball aus weit vorgerückter Position fabelhafte Vorarbeit.

          Sein Selbstvertrauen, melden Stimmen aus dem Barça-Biotop, habe das nicht angeknabbert,. „Warum soll ich mich ändern?“, fragt er selbstbewusst. „Alles ist gut.“ Auch Trainer Luis Enrique bekräftigt, der Torhüter solle seinen Stil beibehalten, das Offensivschema brauche einen mitspielenden Keeper, und hin und wieder fielen eben Treffer wie diese. Doch ganz zufrieden kann ter Stegen mit der Unruhe um seine Leistung nicht sein; auch im letzten Ligaspiel gegen Las Palmas machte er einen nervösen Eindruck. Die Tageszeitung „El Mundo“ wollte sogar „Symptome eines nervlichen Zusammenbruchs“ ausgemacht haben. Sein Mannschaftskollege Bartra hält dagegen. „Wenn Marc etwas nicht verloren hat“, so der Verteidiger, „dann das Selbstvertrauen.“ Künftig soll aber wohl doch wieder Bravo in der Liga das Tor hüten.

          Angesichts der langen Verletztenliste des spanischen Meisters ist ein kühler Kopf gefragt. Coach Luis Enrique sucht auch nicht nach Ausreden, sondern begreift die messifreie Zeit, die im Champions-League-Gruppenspiel gegen Bayer Leverkusen beginnt, als Herausforderung für ein improvisationsfähiges Klasseteam. Es könnte die Krönung für den Stürmer Luis Suárez werden, den Einzigen, der bisher auf der Höhe der letzten Meistersaison agiert. Am Samstag, nach Messis Ausfall, stellte die Nummer neun aus Uruguay mit zwei Treffern den Sieg sicher. Als Suárez letztes Jahr verpflichtet wurde und erst einmal drei Monate Beißsperre absitzen musste, hatte er noch etwas zu beweisen. Das hat er in der letzten Spielzeit geschafft und zusammen mit Messi und Neymar den spanischen Torrekord pulverisiert. Jetzt will er zeigen, dass auch ohne den Argentinier keine Flaute herrscht.

          Weitere Themen

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : Der rasante Verfall der Meinungsfreiheit

          China übt druckt auf jedes Unternehmen aus, das die Hongkonger Demonstranten unterstützt. Unter den Mitarbeitern der Fluglinie Cathay Pacific herrschen inzwischen Angst und Misstrauen.

          Fed-Präsident Jerome Powell : Trumps Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.