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Trainer-Duell im Halbfinale : Dompteur Tuchel gegen Turbolader Nagelsmann

Zwei deutsche Trainer im Champions-League-Halbfinale: Thomas Tuchel (l.) gegen Julian Nagelsmann (r.) Bild: dpa

Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann sind mit der schwäbischen Fußballschule sozialisiert. Doch trotz geteilter taktischer Überzeugungen sind die Unterschiede erheblich. In Paris und Leipzig leisten sie zwei völlig verschiedene Jobs.

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          Mit dem Tipp, dass in dieser Spielzeit drei deutsche Trainer im Halbfinale der Champions League stehen, und keiner von ihnen Jürgen Klopp heißt, hätte man ein Vermögen machen können. Klar war für Fans und Experten in dieser einmaligen und unvorhersehbaren Konstellation allerdings auch, dass Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann als Trainer das Zeug dazu haben, in der Königsklasse so weit zu kommen. Aber nicht unbedingt in dieser Saison – und unter diesen Umständen. Entgegen (fast) aller Wahrscheinlichkeit wird an diesem Dienstag, wenn Paris Saint-Germain im ersten Halbfinale auf RB Leipzig (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) trifft, einer von ihnen sein nächstes Meisterstück machen – und am Sonntag als fünfter deutscher Trainer nach Hitzfeld, Heynckes, Toppmöller und Klopp um den Titel in der Champions League spielen.

          Champions League
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Gemeinsamkeiten der beiden spieltaktisch ähnlichen, ansonsten aber ziemlich unterschiedlichen Trainer sind schnell aufgezählt. Tuchel und Nagelsmann, beide mit der schwäbischen Fußballschule á la Ralf Rangnick sozialisiert, setzen im Kern auf Gegenpressing und Vorwärtsverteidigen. Hinzu kommen noch einige weitere spieltaktische Elemente, um die Unberechenbarkeit zu erhöhen. Doch trotz geteilter Grundüberzeugungen sind die Unterschiede in der Arbeit von Tuchel und Nagelsmann erheblich. In Wahrheit machen sie in Paris und Leipzig zwei völlig verschiedene Jobs.

          Tuchel ist vor zwei Jahren zu einem internationalen Projekt gestoßen. Alle Strukturen waren schon festgezurrt. Maßgebliche personelle Veränderungen auf dem Weg zum großen Ziel, dem Triumph in der Champions League, fallen nicht in die Kompetenz des Trainers. Auf die Kaderentwicklung hat er nur begrenzten Einfluss. Tuchel muss mit dem aus- und klarkommen, was in Paris da ist. Und das ist, was Qualität und unterschiedliche Interessen angeht, eine ganze Menge.

          Auf dem Spielfeld stehen mit Neymar und Weltmeister Mbappé zwei Superstars aus der allerersten Reihe des Weltfußballs, für die PSG insgesamt rund 400 Millionen Euro hingeblättert hat. Hinzu kommen mit Silva und Di María zwei weitere Topstars. Der uruguayische Stürmerstar Edinson Cavani wäre der fünfte gewesen, doch der ist in Lissabon seltsamerweise nicht dabei, obwohl – anders als bei Timo Werner – nicht einmal feststeht, bei welchem Klub Cavani für die kommende Saison unterschreiben wird.

          Die Ich-AG entdeckt den Teamgeist

          In der globalen Pariser Konstruktion, die auf dem Planeten Fußball ihresgleichen sucht, ist Neymar der zentrale und teuerste Baustein. Er ist ein eigenes Machtzentrum in einem Klub, der nach der finanziellen Übernahme durch die Qatar Holding LLC von Finanziers aus dem Emirat um Präsident Nasser Al Khelaifi gesteuert wird. Hinzu kommt bei PSG aber auch der Einfluss der Franzosen, die den Klub weiter als „ihren“ Klub empfinden. Für die sportlichen Belange ist wiederum der Einfluss der portugiesischsprachigen Fraktion auf der Position des Sportdirektors, die seit dieser Saison wieder der Brasilianer Leonardo vom Portugiesen Antero Henrique übernommen hat, nicht zu unterschätzen. Das ist die multikulturelle Welt, in der sich dann auch noch ein deutscher Trainer als Dompteur bewegt – und etwas bewegen will.

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