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Champions-League-Spektakel : „Wahnsinn – so etwas habe ich noch nicht erlebt“

  • Aktualisiert am

Kaum zu halten: Tottenhams Torschützen Llorente (links) und Son mit ihrem Trainer Pochettino Bild: Reuters

Der Videobeweis spielt im Fußball-Drama zwischen Manchester City und Tottenham eine entscheidende Rolle. Das Tor in letzter Minute zählt nicht. Aber war die Entscheidung dank technischer Hilfe überhaupt korrekt?

          Manchester City und Trainer Pep Guardiola bejubelten im wilden Champions-League-Viertelfinale gegen Tottenham Hotspur schon das 5:3 und damit das bevorstehende Weiterkommen. Doch durch den Videobeweis wurde dem Treffer von Raheem Sterling in der Nachspielzeit wegen Abseits die Anerkennung versagt – und das zurecht. Viele Zuschauer wunderten sich in sozialen Netzwerken über die Entscheidung, weil Citys Bernardo Silva einen Ball von Tottenhams Christian Eriksen nur leicht abgefälscht hatte.

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          Doch dies ist laut Regel unerheblich. Gemäß Regel 11, Absatz 2 „Abseitsvergehen“ befindet sich ein Spieler strafbar im Abseits, wenn er „durch Spielen oder Berühren des Balls, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde, ins Spiel eingreift“. Auch eine leichte Berührung wie von Bernardo Silva reichte damit bereits aus, dass sein Teamkollege Sergio Agüero im Abseits stand.

          Bitter zudem für City: Das entscheidende Tor von Tottenhams Fernando Llorente zum 3:4 hätte in der kommenden Saison nicht mehr gezählt, da der Ball neben seiner Hüfte auch den rechten Arm traf. Nach einer Entscheidung des International Football Association Boards werden vom Sommer an per Hand erzielte Tore grundsätzlich nicht anerkannt, egal ob eine Absicht vorlag.

          „Es ist hart. Es ist grausam. Wir waren schon fast weiter. Doch dann ging es schlecht für uns aus“, konstatierte Guardiola: „Aber wir müssen es akzeptieren.“ Akzeptanz brauchten der Teammanager, die Profis und die Fans der Citizens vor allem für den Einsatz des Videobeweises (VAR) in der Nachspielzeit. „Tottenham reißt Guardiolas Champions-League-Wunden wieder auf – und der VAR reicht das Salz“, titelte die Zeitung „The Telegraph“ passend.Schließlich gewann der Katalane die  Königsklasse nur mit dem FC Barcelona (2009 und 2011). Danach scheiterte der 48-Jährige sowohl mit Bayern München als auch mit City stets vorzeitig. Das Massenblatt „The Sun“ verpackte das Fußball-Drama in den letzten Minuten in einem typisch englischen Wortspiel: „They think, it“s all oVAR“ – „Sie dachten schon, alles wäre vorbei“.

          Zuvor hatten die Zuschauer ein verrücktes Spiel erlebt. Tottenhams Erfolgsgaranten waren der schon im Hinspiel erfolgreiche frühere Leverkusener und Hamburger Heung-Min Son (7./10. Minute) und Fernando Llorente (73.), dessen Tor nach Videobeweis für die Entscheidung sorgte. Für die Gastgeber, bei denen Leroy Sane erst kurz vor Schluss eingewechselt wurde, trafen Sterling (4./21.), Bernardo Silva (11.) und Agüero (59.). Vier Treffer in den ersten elf Minuten bedeuten einen Königsklassen-Rekord. Gleiches gilt für die fünf Tore nach 21 Minuten.

          Trotz der großen Enttäuschung zeigte Guardiola, der mit seiner Mannschaft nun den Titel-Zweikampf in England gegen den FC Liverpool gewinnen will, sportliche Größe und präsentierte sich als guter Verlierer. „Ich bin für fairen Fußball. Ich unterstütze den VAR. Und wenn es Abseits ist, dann ist es Abseits“, sagte der Coach. Die Social-Media-Abteilung des Klubs konnte die Videobeweis Entscheidung dagegen nur schwer verkraften, die Rechner-Tastatur bekam den Frust ab. „wfiuhefijvbeojefvnojegfnvepgfjevgpinbgw“, twitterte City um 22:52 Uhr. Der wilde Tweet brachte das Spiel nach Ansicht Sons auf den Punkt. „Es war Wahnsinn. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, äußerte der Angreifer, der im Halbfinal-Hinspiel gesperrt ist: „Das Ganze war total verrückt.“ Sons Teamkollege Llorente brauchte sogar dringend frische Unterwäsche: „Ich habe mir in die Hosen gemacht, weil ich dachte, dass mein Tor aberkannt wird.“  

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