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Tottenham Hotspur : Die Spurs sind nicht mehr „spursy“

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Einer, der für den Aufschwung der Spurs mitverantwortlich ist: Stürmer Harry Kane (Mitte). Bild: EPA

Bereits vor dem Rückspiel gegen Juventus Turin peilt Tottenham das Champions-League-Viertelfinale an. Weil sich der Klub in den vergangenen Jahren gemacht hat. In London sind sie schon seit der vergangenen Saison die stärkste Kraft.

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          In Londons Pubs ist man sich einig: Was Tottenham Hotspur seit einigen Jahren leistet, das ist schon beachtlich. Der Klub hat den Ruf, aus vergleichsweise kleinen Mitteln – jedenfalls aus englischer Sicht – Großes zu machen. In der Premier League spielen die Spurs um einen Platz unter den ersten vier mit. Und ihrem Lokalrivalen im Norden der englischen Hauptstadt, dem FC Arsenal, haben sie schon in der vergangenen Saison den Rang als die stärkere Kraft entrissen.

          Fans, Presse und Konkurrenz beobachten diese Entwicklung mit Erstaunen: Immerhin hing Tottenham lange Zeit das wenig schmeichelhafte Image an, sich hohe Ziele zu stecken und am Ende nichts zu erreichen. Das ging so weit, dass sich in der Sprache der englischen Fußballfans das Adjektiv „spursy“ etabliert hat, das sich mit „tölpelhaft“ nur behelfsmäßig ins Deutsche übersetzen lässt.

          An diesem Mittwochabend schaut nun ganz Fußball-England auf die Spurs, wenn sie den italienischen Meister Juventus Turin zum Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale empfangen (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky). Zwar spielt parallel dazu auch Manchester City gegen den FC Basel, aber nach Citys 4:0-Hinspielsieg dürfte es dort nur mäßig spannend zugehen. Tottenham hingegen hat im Hinspiel in Turin nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erkämpft – und sich damit eine gute Basis für das Rückspiel verschafft. Dazu muss man wissen, dass Juventus mit Ausnahme dieses einen Spiels gegen Tottenham in Pokal und Liga zuletzt zehn Begegnungen in Folge zu null gespielt hat. Die Italiener sind also gewarnt: „Spursy“ sind diese Spurs heute nicht mehr.

          Seit 17 Spielen ungeschlagen

          Vor dem Spiel gegen Juventus ist Tottenham in allen Wettbewerben seit 17 Begegnungen ungeschlagen – eine solche Serie ist dem Verein zuletzt 1967 gelungen. Seit der 1:4-Niederlage gegen Manchester City am 16. Dezember haben sie nicht mehr verloren. Ihre vergangenen vier Heimspiele in der Premier League haben sie zudem gewonnen – unter anderem gegen Manchester United (2:0) und den FC Arsenal (1:0). Das Resultat ist Platz vier in der Tabelle – wobei sich Manchester United und der FC Liverpool auf den Plätzen zwei und drei sogar noch in Schlagdistanz befinden.

          Auch der Einzug ins Achtelfinale der Champions League kam nicht von ungefähr. In einer Gruppe mit Titelverteidiger Real Madrid, Borussia Dortmund und Apoel Nikosia belegten die Spurs am Ende den ersten Platz. Im heimischen Wembley-Stadion hatten sie alle drei Gruppengegner dominiert: Dortmund besiegten sie 3:1, Madrid überraschend und hochverdient ebenfalls 3:1 und Nikosia 3:0.

          Wobei: Heimisch ist Wembley, Englands Nationalstadion, für die Spurs eigentlich nicht. Sie tragen dort lediglich ihre Heimspiele aus, solange auf dem Gelände der alten White Hart Lane das neue, hochmoderne Stadion gebaut wird, das zugleich auch das zweitgrößte im englischen Klubfußball nach Manchester Uniteds Old Trafford sein wird. Zu Anfang fremdelte die Mannschaft noch mit Wembley, aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt. Nach dem 2:0-Sieg am Wochenende gegen Huddersfield Town sagte Doppel-Torschütze Heung-Min Son: „Wir fühlen uns wohl in Wembley. Wir wissen jetzt, wie wir hier spielen müssen.“

          Was macht Tottenham so stark? Da ist allen voran die Galionsfigur, Stürmer Harry Kane. Er ist erst 24 Jahre alt und, mit Verlaub, eine Naturgewalt. Wenn die Spurs-Fans singen „he scores when he wants“ – er trifft, wann er will –, dann ist das keine Übertreibung. In der laufenden Saison steht er bei 35 Toren in 37 Spielen: 24 in der Liga, sieben in der Champions League, vier im FA-Cup. Damit hat er schon jetzt so viele Tore geschossen wie in der Vorsaison, im Jahr davor waren es 28 und noch mal ein Jahr vorher 31.

          Da sind außerdem eine stabile Abwehr sowie ein gleichermaßen kreatives wie kraftvolles Mittelfeld um Spieler wie Dele Alli, Eric Dier und Christian Eriksen. Verdiente Anerkennung erfährt mittlerweile auch der schon 30 Jahre alte Mousa Dembélé, der zwar selten mit Toren oder Assists auffällt, aber als eine Art Relais auf Tottenhams Spiel einwirkt. Der ehemalige Tottenham-Profi Jermaine Jenas schrieb in einem Porträt für die BBC, Dembélé funktioniere „wie ein Vakuum“, das Gegenspieler „einsauge“, wodurch er seinen Mitspielern Zeit und Raum für Angriffe verschaffe.

          Und zum Schluss ist da ein Trainer, Mauricio Pochettino, der sagt, ihm sei die langfristige Entwicklung seines Teams wichtiger als kurzfristiger Erfolg. Der Argentinier ist seit 2014 bei den Spurs. Der Aufstieg zu einer der besten Mannschaften Englands ist maßgeblich seiner Arbeit zu verdanken. Über das Spiel an diesem Mittwoch sagte er: „Jeder freut sich auf das Juventus-Spiel. Das ist ein Riesenspiel für uns, wir können es nicht erwarten.“ Im vergangenen Jahr ist Juventus bis ins Finale der Champions League gegen Real Madrid vorgedrungen. Keine dieser beiden Mannschaften wirkte in dieser Saison zu groß für Tottenham Hotspur.

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