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Champions League : Die ganz großen Pläne der Tottenham Hotspur

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Das erste Tor Tottenhams im neuen Stadion wurde ausgiebig gefeiert. Bild: AP

Zu den besten Fußballklubs der Welt will Tottenham gehören. Das dazu nötige Stadion der Superlative haben die „Spurs“ nun gebaut. Doch zum ganzen Fußball-Glück fehlt noch etwas. Und das ist nicht so einfach.

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          62.000 Sitzplätze, die längste Theke der Welt, eine eigene Mikrobrauerei und Baukosten von mehr als einer Milliarde Pfund: Mit etwas Gemeinheit könnte man sagen, das neue Stadion der Tottenham Hotspur ist für sie mindestens eine Nummer zu groß. Denn der Klub aus dem Norden Londons ist zwar seit einigen Jahren Teil des Premier-League-Establishments und wurde 2017 Zweiter hinter Meister Chelsea. Doch die wenigen großen Erfolge liegen Jahrzehnte in der Vergangenheit; die bislang letzte englische Meisterschaft der Spurs ist fast 60 Jahre her. Noch opulenter, noch schillernder als das neue Stadion sind aber die Ambitionen, die der Klub daran knüpft. Ja, sie wollen zu den Besten der Welt gehören, zur noblen Clique um Real Madrid, den FC Barcelona, Bayern München und Juventus Turin.

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          Klubchef Daniel Levy, seit 2001 im Amt und der Planer hinter dem Bau des neuen Stadions, gab im Rahmen der offiziellen Eröffnung beim Ligaspiel am vergangenen Mittwoch gegen Crystal Palace die Richtung für die kommenden Jahre vor. „Wir haben die Infrastruktur geschaffen, um einer der größten Klubs der Welt zu werden“, wurde er zitiert: „Als ich den Klub übernommen habe, war Tottenham kein regelmäßiger Herausforderer in Europa. Jetzt sind wir das, und es ist mein Traum, zu gewinnen. Wir wollen gewinnen!“ Vor dem neuen Stadion hatte Levy bereits das Trainingsgelände des Klubs auf den höchsten Standard bringen lassen. Angesichts dieser Investitionen wird es für die Mannschaft und Trainer Mauricio Pochettino fortan zur Pflicht, sich Jahr für Jahr für die Champions League zu qualifizieren. Keine leichte Aufgabe bei der starken Konkurrenz in England.

          Das kann man auch aktuell beobachten. In der Premier League kämpfen die Spurs gegen ihre Londoner Rivalen FC Arsenal und FC Chelsea sowie gegen das wiedererstarkte Manchester United um ihren Platz in den „Top Four“. Der FC Liverpool und Manchester City sind in ihrem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft mittlerweile zu weit enteilt, als dass man sie noch einholen könnte. Dabei war Tottenham lange Zeit in Schlagdistanz geblieben, stand zwischenzeitlich kurz auf dem zweiten Tabellenplatz.

          Bis Anfang Februar wechselten sich bei ihnen Siegesserien von bis zu fünf gewonnenen Begegnungen am Stück mit nur gelegentlichen Niederlagen ab. Doch von den sechs vergangenen Ligaspielen haben sie vier verloren und eines unentschieden gespielt. Eine so schlechte Serie hatte es in fünf Jahren unter Pochettino noch nie gegeben. Immerhin: Beim ersten Spiel im neuen Stadion gab es zuletzt wieder einen soliden 2:0-Erfolg gegen Crystal Palace.

          Und an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) steht nun das zweite Pflichtspiel im neuen Stadion auf dem Programm: Im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals ist Manchester City zu Gast im Tottenham Hotspur Stadium. Das letzte Mal hatte Tottenham es 2011 bis in die Runde der letzten Acht geschafft. Dass sie überhaupt so weit kommen würden, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen: In einer Gruppe mit dem FC Barcelona, Inter Mailand und der PSV Eindhoven haben sie sich knapp für die K-.o.-Runde qualifiziert. Im Achtelfinale besiegten sie dann Borussia Dortmund. Nach Hin- und Rückspiel stand es 4:0.

          Beobachter ziehen nun Parallelen zum Vorjahr, als der FC Liverpool Manchester City ebenfalls in einem „englischen“ Viertelfinale bezwang, während er in der Premier League „nur“ um seinen Platz unter den besten vier Teams kämpfte. Im Halbfinale würde Tottenham entweder auf Ajax Amsterdam oder auf Juventus treffen. Überhaupt wird den Spurs bisweilen eine Ähnlichkeit mit dem FC Liverpool nachgesagt. Aber Pochettino will davon nichts wissen. Zuletzt sprach er etwas neidisch von den teuren Transfers, mit denen Jürgen Klopp Liverpool wieder zu einem Titelanwärter in England und Europa geformt hat. Er selbst durfte dagegen in den beiden vergangenen Transferperioden keine neuen Spieler einkaufen.

          Es hieß deshalb, dass sich Pochettino Angebote anderer Klubs anhören wollte. Manchester United und Real Madrid sollen an ihm interessiert gewesen sein, beide Klubs haben mittlerweile aber andere Trainer eingestellt. Somit ist es wahrscheinlich, dass Pochettino bleibt. Sein Vertrag läuft bis Mitte 2023. Aber er stellt Forderungen. Mit seinem neuen Stadion müsse der Klub jetzt in eine neue Ära voranschreiten: „You must think big“, sagte der Argentinier – groß denken, dabei dürfte er vor allem den Transfermarkt im Sinn gehabt haben. „Die Größenordnung dieses Klubs hat sich verhundertfacht. Wir können nicht mehr so vorgehen wie vor fünf Jahren. Wir sind jetzt in einer anderen Dimension.“

          In der vergangenen Saison hat Tottenham einen Gewinn von 113 Millionen Pfund nach Steuern erzielt und damit den alten Rekord des FC Liverpool übertroffen. Allerdings lastet auf dem Klub ein Kredit von mehr als einer halben Milliarde Pfund für den Stadionbau. Die Gehälter für den Profikader lagen mit knapp 150 Millionen Pfund zwar deutlich über dem Niveau der vorangegangenen Jahre, aber noch immer deutlich unter denen der direkten Konkurrenten in England: Bei Manchester United waren es im gleichen Zeitraum rund 300 Millionen Pfund. Tottenham hat das Ziel, zu den größten Fußballklubs der Welt zu gehören. Das dazu nötige Stadion haben sie gebaut. Jetzt müssen sie nur noch hineinwachsen.

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