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Tuchels Zukunft bei PSG : Qatarische Phantasien

Starke Gefühle: Tuchel, Neymar und der verpasste Henkelpokal Bild: EPA

Nach dem Champions-League-Finale ist vor dem Start der französischen Liga: Ob Thomas Tuchel bei PSG demnächst Messi trainieren darf oder gehen muss, hängt von den Nerven der Eigentümer ab.

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          Wenn wir darauf aufbauen, was wir hier erschaffen haben, dann war das nicht der Höhepunkt, sondern der Anfang.“ Thomas Tuchel steckte diese Endspielniederlage nach außen schneller weg als viele andere, die mit PSG verbunden sind – und bei weitem nicht so emotional wie Neymar, der nicht ganz unerwartet viele Tränen vergoss nach dem Abpfiff. „Es ist das schlimmste Gefühl zu verlieren“, sagte Tuchel zwar, verzichtete aber darauf, einen Schuldigen zu suchen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Den hätte er im italienischen Schiedsrichter Daniel Orsato oder in dessen Videokollegen durchaus finden können. Je öfter am späteren Abend jene Szene aus der 73. Minute zu sehen gewesen war, desto eindeutiger musste jeder zugeben: Kimmich hatte nicht den Ball, sondern den Fuß von Mbappé getroffen – und damit war im Grunde auch der Tatbestand der Fehlentscheidung erfüllt, und der Videoschiedsrichter hätte eingreifen müssen.

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          Er tat es nicht, und das könnte durchaus weitreichende Folgen für den deutschen Trainer haben, der sich schon bei der Pressekonferenz fragen lassen musste, ob er am nächsten Samstag noch auf der Pariser Bank sitzen werde. Dann sollte PSG in die schon laufende französische Meisterschaft mit einem Auswärtsspiel in Lens starten, und Treuebekenntnisse zu jenem Trainer, der nicht weit davon entfernt gewesen war, das ehrgeizige Projekt der qatarischen Inhaber zum seit langem angestrebten Erfolg zu führen, blieben aus. Mittlerweile wurde das Spiel auf den 10. September verschoben, um PSG mehr Zeit zum Ausruhen zu gewähren. „Ich gehe davon aus, dass ich Trainer bleibe, ich habe nichts anderes gehört“, sagte Tuchel, der sich und seiner Mannschaft nur wenig hatte vorwerfen können. „Vielleicht hat uns nur ein wenig das Glück gefehlt“, sagte Tuchel.

          Ganz sicher sogar, nicht nur in jener heiklen Elfmeterszene. Von vornherein schien klar, dass es möglicherweise schon auf das erste Tor ankommen würde, und dem waren die Pariser einige Male in der ersten Halbzeit deutlich näher gewesen als die Münchner. Neymar aber scheiterte an Neuer, Di María hatte den Ball auf dem falschen Fuß liegen und drosch ihn über das Tor, der 180-Millionen-Euro-Wunderstürmer Mbappé brachte nach einem dicken Patzer von Alaba kurz vor der Pause nur ein harmloses Schüsschen auf das Münchner Tor zustande. So konnte man Neuer aber nicht bezwingen.

          Bei der letzten Chance zum Ausgleich musste der Bayern-Kapitän nicht eingreifen – Choupo-Moting trat am Fünfmeterraum am Ball vorbei. Im Viertelfinale hatte der ehemalige Hamburger, Mainzer und Schalker Stürmer in der Nachspielzeit noch das Siegtor gegen Bergamo erzielt und das Gerede vom Pariser Aufschwung erst ermöglicht.

          Wie viel all die Lobhudelei aber wert ist, die Tuchel in den Tagen vor dem Finale widerfahren ist, wird sich nun zeigen. Behalten die PSG-Eigentümer die Nerven und bauen etwas kontinuierlich auf, nehmen sie sich also den FC Liverpool zum Vorbild, der die erste Finalniederlage unter Klopp in der Champions League wegsteckte und sich ein Jahr später als Sieger feiern lassen konnte – oder ist der ehemalige Juventus-Trainer Massimiliano Allegri tatsächlich schon im Anflug?

          PSG-Präsident Nasser Al Khelaifi hätte all das beantworten können, beließ es aber bei interpretierbaren Aussagen. „Wir werden daran arbeiten, diese Champions League zu gewinnen, wir waren nah dran, und nach diesem Abend glauben wir noch mehr daran als vorher.“ Und vielleicht finden sie in diesem Glauben ja auch einen Weg, ihre Schatulle ganz weit zu öffnen und das Ganze auch im Einklang mit den Regeln des Financial Fairplay zu tun.

          Dass der Neymar-Freund Messi schließlich Barcelona verlassen will, wabert seit dem Desaster gegen die Bayern durch die Fußballwelt und könnte qatarische Phantasien schnell beflügeln. „Wir werden jetzt Gespräche führen, nicht über meine Verlängerung, sondern Gespräche, wie wir die Mannschaft wieder neu aufbauen und weiter verstärken müssen“, sagte Tuchel. Liverpool holte damals einen der weltbesten Torhüter dazu.

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