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Ärger bei Thomas Tuchel : „Ich verstehe es nicht, es langweilt mich“

  • Aktualisiert am

Thomas Tuchel will sich nicht von den hohen Erwartungen an Paris Saint-Germain unter Druck setzen lassen. Bild: AFP

Mit drei Siegen beim Finalturnier soll es nun endlich klappen mit dem Champions-League-Titel. Die Ansprüche bei Paris Saint-Germain sind immens. Thomas Tuchel stört das. Und er begründet seine Kritik auch.

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          Paris Saint-Germain hofft auf die Klasse Neymars und eine Wunderheilung bei Kylian Mbappé, Atalanta Bergamo setzt alles auf die Unbekümmertheit des Außenseiters. Zum Start des Finalturniers der Champions League in Lissabon kann sich Fußball-Europa womöglich gleich auf ein unerwartetes Spektakel freuen. „Für mich ist das ein Geschenk“, sagte PSG-Coach Thomas Tuchel vor dem K.o.-Duell im Viertelfinale an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) im Estadio da Luz.

          Champions League

          Während die Franzosen beim einmaligen Corona-Turnier am Atlantik als Mitfavoriten antreten, hat Atalanta nichts zu verlieren. „Das ist eine große Ehre für eine kleine Stadt wie Bergamo“, sagte Trainer Gian Piero Gasperini der Sportzeitung „L'Équipe“ vom Dienstag. Die von der Corona-Pandemie heftig betroffene Stadt fiebert der Partie im fernen Portugal entgegen. „Wir wollen den Leuten ein Lachen schenken nach dieser vielen Trauer“, kündigte der Coach an.

          Für die Pariser zählt nur der Sieg – und nie schien es so einfach, den europäischen Fußball-Thron zu erklimmen. Weil in den Playoffs in Lissabon je nur eine Partie entscheidet, ist man mit drei Siegen Champion. Tuchels Millionentruppe kann mit einem Erfolg gegen das Überraschungsteam die erst zweite Halbfinalteilnahme in der europäischen Königsklasse nach 25 Jahren Wartezeit bejubeln.

          Neben Vorfreude herrscht beim Serienmeister aber vor allem Bangen um Weltmeister Mbappé, der sich am 24. Juli im Pokal-Endspiel am Knöchel verletzt hatte. In dieser Woche aber stieg der Offensivstar in das Training ein, wenigstens als Joker könnte er – im Gegensatz zum ebenfalls verletzten Italiener Marco Verratti – dabei sein. „Seine Anwesenheit auf der Auswechselbank scheint gesichert“, schrieb etwa „Le Parisien“. Mbappé war der erfolgreichste Torjäger der abgebrochenen Meisterschaft in Frankreich und könnte neben Neymar für das gewisse Etwas sorgen, das in so einem Spiel wohl nötig ist.

          Die Vorzeichen sind nämlich einmalig, und das nicht nur wegen des Turnierformats ohne Zuschauer: Bis auf die beiden Endspiele jüngst im französischen Pokal und Ligapokal hat PSG seit gut fünf Monaten kein Pflichtspiel mehr bestritten. Mit lockerer Stimmung und Scherzen im Training versuchen die Pariser, sich auf Temperatur zu bringen für das Rennen um den fünften Titel in dieser Saison. „Wir müssen selbstbewusst bleiben“, forderte Tuchel.

          Tuchel will sich allerdings nicht von den hohen Erwartungen an Paris Saint-Germain unter Druck setzen lassen. „Es ist immer das Gleiche, es langweilt mich auch ein bisschen. Ich verstehe es auch nicht, warum es in Frankreich so ein großes Thema ist“, sagte der 46-Jährige dem Streamingdienst DAZN zum Titelanspruch bei PSG. Andere Teams würden bei dem Versuch auch scheitern, weil „die Gegner saustark sind. Deshalb lohnt es sich auch nicht, darauf zu reagieren, sich verunsichern und nerven zu lassen.“

          Vor Gegner Atalanta hat Tuchel wegen der ungewöhnlichen Spielweise der Italiener großen Respekt. „All die defensiven Prinzipien, an die wir Jahrzehnte glauben, dass man auf seiner Bahn bleibt, nicht überkreuzt, Räume besetzt und sich unabhängig vom Laufweg des Gegners bewegt, gelten für Atalanta alle nicht“, sagte der frühere BVB-Trainer. Der deutsche Bergamo-Profi Robin Gosens sieht sein Team nicht chancenlos: „Sie haben zwar viele geile Spieler, aber haben durch die viermonatige Pause einen großen Nachteil. Wir sind voll im Rhythmus und der ist ganz entscheidend für eine Mannschaft“, sagte Gosens Dazn. Auch der Teamspirit spreche für den Serie-A-Klub.

          Tuchel wird in der Partie trotz der Fußverletzung, die er sich zuletzt beim Training zugezogen hatte, an der Seitenlinie stehen. „Es ist etwas schmerzhaft, aber mittlerweile geht's“, sagte der ehemalige Bundesliga-Coach. „Ich habe mich daran gewöhnt, auch wenn's schwer ist. Alles ist natürlich super anstrengend, jeder kleine Weg.“ Der Coach hatte sich am Donnerstag den linken Knöchel verstaucht und einen Mittelfußknochen gebrochen.

          Tuchel macht sich wegen der Corona-Fälle bei Atlético Madrid unterdessen keine Sorgen. „Wir haben keine Angst“, sagte der Coach am Dienstagabend. „Toi, toi, toi“ habe es in seiner Mannschaft keine positive Fälle gegeben. „Wir sind sehr wachsam“, sagte Tuchel. Die Gegebenheiten vor Ort in Portugal seien „exzellent“. Im Falle eines Sieges im Viertelfinale würde der französische Meister im Halbfinale am 18. August auf den Gewinner des K.o.-Spiels von RB Leipzig gegen Atlético treffen. Madrid hatte am Sonntagabend vor der geplanten Abreise zwei positive Corona-Tests bekanntgemacht. Die Spieler Angel Correa und Sime Vrsaljko mussten in Quarantäne und werden in Lissabon fehlen.

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