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Paris St. Germain : Der schwierige Auftrag des Thomas Tuchel

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Tuchel ist ein Besessener. Er verordnet sich selbst Low-Carb-Diäten, versucht seine Spieler zu kontrollieren, wo es nur geht, will am liebsten nichts dem Zufall überlassen. In Paris sind sie voll des Lobes über ihn: „Der Trainer hat eine positive Stimmung geschaffen, ein Einheitsgefühl. Er hat uns enger zusammenwachsen lassen. Auf dem Feld – und im Leben“, sagt Cavani. Der Mann aus Uruguay galt lange als eine der großen Ich-AGs in Paris. Die andere: Neymar, im Sommer 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona verpflichtet. In der ersten Saison trafen beide immer wieder in einem internen Hahnenkampf aufeinander, inzwischen hat Tuchel die Gemüter beruhigt. „Ich habe seit unserem ersten Gespräch große Zuneigung für ihn entwickelt, und wenn man solch eine große Zuneigung für seinen Trainer fühlt, gibt man sein Leben für ihn auf dem Platz“, sagt Neymar: „Ich werde für ihn mein Bestes geben.“ Dieses herzliche Miteinander zwischen dem Trainer Tuchel und seinen Spielern, das auch öffentlich zur Schau gestellt wird, kannte man in dieser Form weder aus Mainz noch aus Dortmund.

Die Mannschaft weiß Tuchel hinter sich, mit anderen im Verein geht er beinahe schon wieder auf Konfrontationskurs. Seine Beziehung mit Sportdirektor Antero Henrique ist seit Monaten belastet. Kern der Auseinandersetzung ist die Verpflichtung eines defensiven Mittelfeldspielers, die Tuchel schon im Sommer vergebens gefordert hatte. Nach der Verletzung von Verratti wurde der Druck noch einmal größer, Henrique verpflichtete den Argentinier Leandro Paredes für rund 45 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg. Doch es dauerte, bis der Transfer offiziell vermeldet wurde.

In der Zwischenzeit echauffierte sich Tuchel deshalb beim TV-Sender Canal+: „Ich warte auf ihn seit ein paar Tagen. Ich habe überall gesucht, in den Duschen, in der Kabine, auch mit dem Hausmeister habe ich gesucht, aber er ist nicht da.“ Es war Tuchels Art der Kritik. Nach Abschluss des Transfers sagte er: „Wenn Sie mich fragen, ob ich insgesamt zufrieden bin – nein, das bin ich nicht“, sagte er nach der Niederlage in Lyon: „Ich habe meine Meinung, Henrique hat seine eigene.“ Schon spekulieren französische Medien, dass der Konflikt zwischen Tuchel und Henrique dazu führen wird, dass im Sommer einer der beiden gehen muss. Im Moment scheint sicher, wer: Henrique. Er könnte von Arsène Wenger, dem langjährigen Trainer des FC Arsenal, ersetzt werden.

Tuchel wirkt inzwischen weniger verbissen. Nach dem Sieg im französischen Supercup im vergangenen August gegen Monaco sang er noch in der Mixed Zone „Happy“ von Pharell Williams. Ein Video davon wurde zum Hit in den Sozialen Medien. In der Winterpause nahm Tuchel mit seinem Team an einem Kamelrennen in Qatar teil. Trainer und Spieler saßen dabei in Autos, sie feuerten die Tiere über Funkgeräte an – und am Ende lief das Kamel von Tuchel und seinem Assistenztrainer Camara als Erstes ins Ziel. Danach erklärte Tuchel auf der Homepage des Vereins: „Das Wichtigste ist zu gewinnen. Dafür musst du jederzeit bereit sein. Wenn wir als Trainer nicht gewinnen, wie können wir dann diesen Siegeswillen übermitteln?“ Arm in Arm standen beide Trainer da, während Tuchel sprach.

Der deutsche Trainer hat Paris bereits geprägt. Unter seinem Vorgänger Unai Emery spielte die Mannschaft zumeist im 4-3-3-System, taktische Finessen waren so gut wie nicht zu erkennen. Die starken Individualisten sollten den Unterschied machen – und taten es nicht immer. Tuchel wechselt nunmehr die Systeme, beginnt auch mal in einer 4-4-2-Grundordnung, wechselt im laufenden Spiel in ein 3-5-2 und manchmal auch wieder zurück. Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp hat er so überrascht und besiegt. Nun steht Manchester vor der Tür zum Viertelfinale der Champions League. Für Tuchel eine erste Meisterprüfung.

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