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Tuchel und PSG unter Druck : Diesmal muss es das Finale sein

  • -Aktualisiert am

Schwierige Aufgabe: Thomas Tuchel in Paris Bild: EPA

Thomas Tuchel muss Neymar wieder integrieren – im Team und in Paris. Weitere Eskapaden oder Formschwächen des Fußball-Genies könnten auch den Trainer scheitern lassen.

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          Champions League und PSG – das passte in der Vergangenheit nie zusammen. Jedenfalls nicht in dem Maß, in dem es sich die Besitzer des Fußballklubs Paris Saint-Germain vorstellen. Spätestens seit der Investition von 222 Millionen für die Verpflichtung von Neymar im Jahr 2017 zählt für die Qatarer nur noch die Königsklassen-Krone. Doch trotz spektakulärer Einzelerfolge wie dem 4:0 über den FC Barcelona 2017 kam PSG noch nie über das Viertelfinale hinaus, in den letzten drei Kampagnen war jeweils schon im Achtelfinale Schluss.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Nationale Titel in Serie vermochten den Trainern Ancelotti, Blanc und Emery ihren Arbeitsplatz an der Seine nicht zu retten. Und auch Thomas Tuchel wird in seinem zweiten Pariser Jahr nur an den Resultaten der Champions League gemessen werden. Falls der Deutsche gerne bleiben möchte, sollte er wenigstens das Finale erreichen.

          Die personelle und atmosphärische Situation vor dem Start in die Königsklasse gibt keinen großen Anlass zu Optimismus, dass die Erwartungen erfüllt werden könnten. Im Gipfeltreffen mit Real Madrid zum Auftakt an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei DAZN und Sky) fehlen mit Neymar, Mbappé und Cavani die drei torgefährlichsten unter den Superstars. Mbappé und Cavani sind verletzt, Neymar ist gesperrt. Der 27 Jahre alte Brasilianer ließ im vergangenen März seinem Zorn über das Scheitern gegen Manchester United, das ein Handelfmeter besiegelte, in einem Instagram-Beitrag freien Lauf. „Eine Schande! Da schickt man vier Kerle, die keine Ahnung von Fußball haben. Und die müssen dann noch die Zeitlupe auf dem Videoschirm bemühen. Dabei war da nichts, wo soll denn Kimpembe seine Arme verstecken?“ Die Uefa sperrte Neymar wegen Schiedsrichterbeleidigung zunächst für drei Spiele. Am Dienstag reduziert der Internationale Sportgerichtshof die Sperre auf zwei Begegnungen.

          Für andere Vergehen des Brasilianers brachten die PSG-Fans weniger Verständnis auf: Für seine unentschuldigte Abwesenheit, weil er die Geburtstagsfeier seiner Schwester in Südamerika miterleben wollte. Vergewaltigungsvorwürfe, denen er sich ausgesetzt sah. Und seine Absicht, Paris zu verlassen. Doch seine ersehnte Rückkehr zum FC Barcelona kam nicht zustande, und Neymar wurde bei seinem Comeback am Samstag nach dreimonatiger Verletzungs- und Denkpause mit beleidigenden Transparenten und wütenden Pfeifkonzerten empfangen. Doch gegen Racing Straßburg zeigte er sofort seine außerordentliche Qualität. Er war der beste Spieler und erzielte den 1:0-Siegtreffer mit einem spektakulären Fallrückzieher. Neymar wurde mit Sprechchören verabschiedet. Doch die Beziehung zu Paris ist damit noch lange nicht gerettet. Der kapriziöse Star gab sich nach seiner Rückkehr weder geläutert noch schuldbewusst. Er habe nichts gegen die Pfiffe der Fans, es seien dieselben, die jubelten. Und ja, es stimme, dass er habe gehen wollen. Immerhin fügte er an: „Es ist Zeit, ein neues Kapital aufzuschlagen.“

          Abklatschen mit Neymar: Wenn das Fußball-Genie Lust auf das schöne Spiel verspürt, ist alles gut.

          Trainer Tuchel versucht die Wogen zu glätten, er braucht die Unterstützung der Fans und die Superklasse Neymars. So zeigte er Verständnis für den Spieler („er ist sehr sensibel“) und für die Anhänger des Klubs: „Es war in der Transferperiode auch nicht einfach für die Fans, deshalb müssen wir ihre Reaktionen akzeptieren.“ Der Deutsche steht vor der Herkules-Aufgabe, Neymar wieder zu integrieren – im Team und in Paris.

          Zeigt das Fußball-Genie regelmäßig seine Qualitäten, dann dürfte es gelingen. Doch weitere Eskapaden oder Formschwächen könnten die Grundlage zerbersten lassen. Dass PSG ohne den Einfluss Neymars überragender Fähigkeiten sein Saisonziel erreicht, erscheint indes unwahrscheinlich. Jedenfalls im Moment. Der Kader ist nach umfangreichen Veränderungen nicht stärker einzuschätzen als der der vergangenen Spielzeit. Doch es dauert noch ein halbes Jahr, ehe die Champions League in ihre entscheidende K.-o.-Phase tritt. Bis dahin können sich PSG und Neymar zusammenraufen oder trennen (Wintertransferfenster) und die Einnahmen in Spieler reinvestieren.

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