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Champions League : Simeone und die Vierer-Sechs

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Hat einen Plan für das Spiel gegen Dortmund: Madrids Trainer Diego Simeone Bild: dpa

Der Trainer von BVB-Gegner Atlético Madrid setzt trotz herausragender Offensivspieler konsequent auf Abwehr. Ob sich das gegen Dortmund ändern wird?

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          An Atlético Madrid haben sich schon viele die Zähne ausgebissen. Paco Alcácer, Stürmer der Stunde in Diensten von Borussia Dortmund, kennt die Mannschaft von Trainer Diego Simeone gut. Neunmal hat er gegen sie in Spanien gespielt, für den FC Valencia wie für den FC Barcelona, aber nur einmal hat er gewonnen. So fragt die spanische Sportzeitung „Marca“ vor dem Champions-League-Duell Atléticos an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) gegen den BVB, was wohl wahrscheinlicher ist: dass der Madrider Torwart Jan Oblak ausnahmsweise mal einen Ball aus dem Netz holen muss oder dass Paco Alcácer mal kein Tor für den BVB macht?

          Champions League

          Ästheten mögen über das defensive Spiel Atléticos die Nase rümpfen, Taktikfüchse kann es aber auch faszinieren: Jeder im Team setzt auf dem Rasen seit Jahren wie ein Uhrwerk das um, was Simeone im Training einstudieren lässt. Immer wieder lässt der Argentinier dabei seine Spieler im letzten Drittel verteidigen und das Spiel dann schnell eröffnen. Philipp Lahm sagte einmal nach einem Spiel gegen Atlético bewundernd, die Spanier würden selbst unter dem größten Druck, und wenn es in den letzten Minuten um alles geht, nie nervös. Das ist mehr als zwei Jahre her, die Bayern waren gegen Atlético im Halbfinale der Champions League ausgeschieden, nach einer 0:1-Niederlage im Hinspiel und einem 2:1-Sieg im Rückspiel.

          Ähnlich knapp geht es bei Atlético fast immer zu. Vier Siegen stehen in dieser Saison in der Liga auch vier Unentschieden gegenüber, allerdings hat die Mannschaft in dieser Saison auch erst einmal verloren. Nur fünf Gegentore hat sie zugelassen, so wenig wie niemand sonst in der spanischen Liga, hat aber auch erst zehn Tore selbst geschossen. Immerhin: So steht Atlético mit 16 Punkten nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Barça auf dem fünften Tabellenplatz.

          In dieser Saison sollte es aber endlich einmal anders laufen. Endlich wollte Atlético die Großen nicht nur ärgern, sondern selbst dominieren. Der Verein hat dafür investiert, zum Beispiel in ein neues Stadion vor den Toren Madrids, obwohl die Flaute auf dem spanischen Immobilienmarkt den Verkauf der alten Arena bislang verhindert hat. Die Stammspieler konnten endlich einmal gehalten werden, allen voran die beiden französischen Weltmeister Antoine Griezmann und Lucas Hernández, zudem holte man Thomas Lemar vom AS Monaco für 70 Millionen Euro, der teuerste Transfer in der Klubgeschichte. Atlético hat sich dafür dem Online-Portal elconfidencial.com zufolge mit 600 Millionen Euro verschuldet. Doch auch Lemar konnte Atléticos Spiel nicht offensiver gestalten.

          Simeone, seit 2011 Trainer bei Atlético, habe seine Mannschaft am vergangenen Wochenende gegen den Tabellensechzehnten Villarreal eingestellt wie gegen einen höherklassigen Gegner, kritisiert „El País“. Tatsächlich lässt der Argentinier sein technisch herausragendes Mittelfeld mit Spielern wie Saúl, Thomas, Rodrigo oder Koke, allesamt Nationalspieler, nur selten von der Leine, „El País“ spricht sogar von einer „Vierer-Sechs“. Kein Wunder, dass da auch der treffsichere Griezmann in neun Einsätzen erst zwei Tore erzielt hat.

          Dass Simeone ausgerechnet gegen den BVB in Dortmund mehr Bereitschaft zum Risiko zeigen wird, darf ausgeschlossen werden. Warum sollte er auch? Ihm genügt ein Unentschieden. Atlético hat wie der BVB beide Gruppenspiele gewonnen, beide sind Favoriten auf den Sieg in der Gruppe. Erst das Rückspiel am 6. November in Madrid dürfte dafür entscheidend werden.

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