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„Unglaublich, phantastisch!“ : Die große Jubelnacht des BVB

  • -Aktualisiert am

Glücklicher Trainer, glückliche Spieler: Lucien Favre (Mitte) mit Roman Bürki (rechts) und Lukasz Piszczek Bild: Reuters

Nach einem turbulenten Spiel gegen Slavia Prag zieht Borussia Dortmund doch noch in das Achtelfinale der Champions League ein. Trainer Favre dankt einem besonderen Spieler. Aber die Partie zeigt auch Schwachstellen der Mannschaft.

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          Norbert Dickel brüllte seine pure Erleichterung in die Dortmunder Nacht. „Das Spiel ist aus, 2:1 für Barca“, schrie der Stadionsprecher der Borussia zwei Minuten, nachdem das Spiel des BVB aus und vorbei war und ebenfalls 2:1 endete – für die Westfalen, die sich ob ihres Erfolges gegen Slavia Prag und der gleichzeitigen Heimniederlage von Inter Mailand gegen eine bessere B-Mannschaft des FC Barcelona als Zweiter der Gruppe F doch noch für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert hatte.

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          Damit hatten an diesem Dienstag zunächst nur Dortmunder Optimisten gerechnet, nachdem der Gruppensieger Barcelona zur selben Zeit in Mailand ohne seinen Superstar Messi, dessen stürmischen Kompagnon Suarez und auch ohne den deutschen Nationaltorwart ter Stegen angetreten war. Da Inter Mailand vor dem letzten Spieltag punktgleich  mit den Borussen in das abschließende Duell mit den Katalanen ging und den direkten Vergleich mit den Schwarz-Gelben gewonnen hatte, sprach viel für den Tabellenführer der Serie A, der dann aber die günstige Gelegenheit  nicht nutzen konnte.

          Umso glücklicher waren die nach 92 aufreibenden Minuten erschöpften Dortmunder, ihre Hausaufgaben gelöst und den tschechischen Meister mit einer großen Portion Fortüne knapp besiegt zu haben. Und das in einer atemraubenden, manchmal faszinierenden, aber genauso oft verstörend fehlerreichen Begegnung mit einer Fülle bester Gelegenheiten auf beiden Seiten.

          65.079 Zuschauer im Dortmunder Stadion durchlebten und durchlitten einen Gänsehautabend, an dem der BVB oft genug entlang des Abgrundes wandelte und am Ende doch durch das im Verbund mit Julian Brandt und Marco Reus ansehnlich herauskombinierte Tor von Jadon Sancho zum 1:0 (10. Minute) und Brandts Treffer zum 2:1 im Zusammenspiel mit Sancho (61.) seine Chancen einmal mehr als die Prager nutzte, die durch Soucek kurz vor der Pause ausglichen (43.) und aus ihrer Überzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen den unzureichenden Witsel-Ersatz Julian Weigl (77.) kein zusätzliches Kapital schlagen konnten. Der Belgier, der sich bei einem Treppensturz in seinem Dortmunder Haus das Nasenbein brach und weitere Gesichtsverletzungen zuzog, wurde am Dienstag schmerzlich vermisst. Eine Ordnungskraft wie ihn, der bis zum Jahresende nicht mehr auf dem Platz stehen wird, hätten die Dortmunder gegen die manchmal wie aufgedreht attackierenden Tschechen bitter nötig gehabt.

          Zum Glück für die Borussia aber lieferte Torwart Roman Bürki sein mit Abstand bestes Spiel in dieser Saison. Die Südtribüne feierte den Schweizer Schlussmann mit Ovationen, die Bürki nach Wochen ohne herausragende Rettungstaten bewegt genoss. „Er war unglaublich, er war phantastisch“, pries Trainer Lucien Favre seinen Landsmann, den sein Vordermann, der in der zweiten Hälfte auch als Retter in der Not bewährte Innenverteidiger Mats Hummels, über den grünen Klee lobte: „Roman hat fünf, sechs, sieben absolute Weltklasseparaden gezeigt. Das war wirklich sensationell.“ Bürki, der diesen Abend mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit bereicherte, im Flug noch einmal umsteuern zu können – etwa bei dem abgefälschten Schuss von Masopust – war am Ende nur noch „froh und erleichtert, dass wir das Spiel über die Zeit gebracht haben“.

          Dass die Dortmunder gegen die famosen Tschechen oft genug in Not gerieten, hatten sie sich mit ihren häufig schlampigen Pässen und anderen Konzentrationsschwächen selbst zuzuschreiben. Zum Glück bewahrten Bürki und auch Hummels den Überblick bei den Tempoattacken von Slavia, während der unermüdliche Brandt die eigenen Angriffe mit ein paar genialen Zuspielen belebte und damit den Chancenwucher, für den Mannschaftskapitän Reus mit zwei leichtfertig vergebenen Torchancen frei vor Torhüter Kolar (15./23.) stand, leichtfüßig zu überspielen verstand.

          Als die Borussen ihre Nervenprobe irgendwo zwischen Glanz und Elend bestanden hatten, schauten sie ohne Angst und voller Vorfreude auf mögliche Gegner wie den Titelverteidiger FC Liverpool, trainiert vom früheren BVB-Coach Jürgen Klopp, Paris St.Germain, angeleitet von Thomas Tuchel, einem weiteren ehemaligen Dortmunder Fußballlehrer, oder Manchester City, das mit Trainer Pep Guardiola endlich auch mal die Champions League gewinnen will. Ausgelost wird am nächsten Montag.

          Das Gefühl, am Ende doch noch das große Los gezogen zu haben, kostete Borussia Dortmund aber schon knapp eine Woche vorher aus. Beim Blick zurück auf die letzte internationale Bewährungsprobe dieses Jahres fasste Trainer Lucien Favre den turbulenten Abend voller Glücksmomente und Schrecksekunden richtigerweise so zusammen: „Es war ein verrücktes Spiel.“ Das den Dortmundern ein Happy End bescherte, weil auch der FC Barcelona ganz im Sinne des BVB mitspielte.

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