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Sebastian Rudy : Das Schalker Symbol des Scheiterns

Stammplatz auf der Bank: der Schalker „Königstransfer“ Sebastian Rudy. Bild: AP

Der deutsche Nationalspieler erweist sich als Fehlinvestition von Schalke 04. Sogar der lange Zeit sehr nachsichtige Manager verliert nun die Geduld mit Sebastian Rudy. Und der wirkt eher uneinsichtig.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Es waren bewegte Tage auf dem globalen Transfermarkt, als Mitte Januar verwegene Gerüchte für Ungläubigkeit sorgten. Der große FC Barcelona habe vor, den längst nicht mehr ganz so großen Kevin-Prince Boateng unter Vertrag zu nehmen, hieß es da beispielsweise – eine bizarre Idee, dachten Beobachter. Doch tatsächlich assistiert der langjährige Bundesliga-Fußballer nun Lionel Messi bei seiner Offensivzauberei. Vor diesem Hintergrund wirkte eine ähnlich absurd klingende Meldung der englischen „Sun“ plötzlich nur noch halb so abstrus: „Pep will Seb“, titelte das Blatt und berichtete, dass Pep Guardiola gerne Schalkes Sebastian Rudy ausleihen würde. Der berühmte Trainer von Manchester City suche nach einem „Ersatz für seinen Mittelfeld-Maestro Fernandinho und hat Erkundigungen nach dem Deutschen eingeholt“, hieß es in dem Bericht. Dabei konnte Rudy, der sommerliche Königstransfer, bislang nicht einmal Schalke weiterhelfen.

          Am Mittwochabend trifft der Revierklub nun im Achtelfinale der Champions League auf den englischen Meister und seinen Trainer Guardiola (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN), und statt das Stadion als Backup des Weltstars Fernandinho zu betreten, ist Rudy weiterhin lediglich eine Alternative für weniger prominente Kollegen wie Omar Mascarell, Nabil Bentaleb oder Weston McKennie.

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          Der Nationalspieler bleibt der Schalker Problemfall, die Vergeblichkeit des 28 Jahre alten Mittelfeldspielers ist das leuchtendste Symbol des Scheiterns in der laufenden Saison. Sogar der lange Zeit sehr nachsichtige Manager Christian Heidel hat zuletzt die Geduld mit dem Spieler verloren, der ursprünglich zum strategischen Zentrum des unterentwickelten königsblauen Kreativspiels avancieren sollte. „Wir können es jetzt nicht noch ein Jahr lang auf die Umstellung schieben. Mein Eindruck ist, dass da ein bisschen mehr Power und Leidenschaft rein muss, diese Dinge gehören bei uns dazu“, zürnte Heidel nach dem x-ten blutleeren Auftritt Rudys in München vor zehn Tagen, als der Profi noch vor der Halbzeit ausgewechselt wurde.

          Meist lässt Tedesco lieber robustere Leute spielen, was immer auch irgendwie heißt: Der Plan, das oftmals eindimensionale Schalker Spiel mit einem ballsicheren Strategen zu kultivieren, wurde aufgeschoben. Die Schalker brauchten so dringend diese Anspielstation im Zentrum vor der Abwehrkette, diesen Spielverlagerer, der jene Räume öffnet, in denen schöner Offensivfußball entsteht, einen Axel Witsel in Königsblau. Doch Rudy wurde diesen Ansprüchen allenfalls mal eine halbe Halbzeit hier oder ein paar Minuten dort gerecht.

          16,5 Millionen Euro haben die Gelsenkirchener im Zuge des Transfers an den FC Bayern überwiesen, bislang handelt es sich um ein Fehlinvest, und Rudy selbst wirkt eher uneinsichtig. „Um richtig reinzukommen, muss man natürlich mehr spielen“, sagte er schon im November, und als er dann mehr spielen durfte, wurde er kein bisschen besser. Die gut nachvollziehbare Auswechslung von München ließ er mit erkennbarem Missfallen über sich ergehen, gegen den SC Freiburg saß er am vorigen Samstag wieder 90 Minuten lang auf der Bank, und ähnlich könnte es ihm auch gegen Manchester gehen.

          Denn in diesem Spiel, dem Tedesco trotz des allgemeinen Krisengefühls „mit großer Freude entgegenblickt“, wäre Rudy ein Sicherheitsrisiko. Gegen schnelle Angreifer lässt er sich mitunter wehrlos überspielen, verpasst den Einstieg in Zweikämpfe, die dringend geführt werden müssen, auch das war ein Faktor im mit fünf Niederlagen völlig missratenen Saisonstart.

          Damals baten Tedesco und Heidel noch um Nachsicht und Geduld, Erwartungsdruck von der Klubführung gebe es nicht, sagte der Trainer: „Den Rucksack wollten wir ihm nicht aufbinden. Der wird hier aber automatisch aufgetragen, wenn du von Bayern München kommst.“ Rudy selbst wollte diese Form der Nachsicht gar nicht haben: „Ich besitze über zehn Jahre Bundesliga-Erfahrung und möchte das vor allem an die jungen Spieler weitergeben, ich möchte eine Führungsrolle einnehmen und eine gewisse Ruhe in unser Spiel bringen, ich denke, das zeichnet mich aus und hilft dem Team weiter“, sagte er.

          Mittlerweile wird nicht nur Rudy selbst kritisiert, sondern auch Heidel, der seinem Trainer den ausdrücklichen Wunsch nach diesem teuren Fußballer erfüllt hat. Seit Wochen wird darüber diskutiert, ob der Manager seinen bis 2020 datierten Vertrag womöglich im Sommer auflöst, als Nachfolger werden Jonas Boldt (ehemals Leverkusen) oder Klaus Allofs (früher Bremen und Wolfsburg) gehandelt, und die Berichte aus Leipzig zum Rudy-Transfer sprechen nicht für Heidel.

          Im Sommer hatte auch RB Interesse an dem Spieler, doch die Gesamtkosten aus Ablöse, Gehalt über vier Jahre und Boni hätte sich auf knapp 50 Millionen Euro aufsummieren können, wie RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nach Rudys Entscheidung für Schalke andeutete. Dieser Deal sei für seinen Klub nicht wirklich attraktiv gewesen: „Ich hinterfrage lieber zweimal mehr als einmal zu wenig. Und ich schlafe auch lieber mal eine Nacht drüber, auch auf die Gefahr hin, dass jemand anders vielleicht schneller ist und zuschlägt“, hatte er gesagt. Mintzlaff wird es kaum bereut haben, geduldig geblieben zu sein.

          „Das ist nur fair – Mann“

          Kapitän Ralf Fährmann wird im ersten Champions-League-Achtefinalduell mit Manchester City am Mittwoch das Tor des FC Schalke 04 hüten. Das bekräftigte Trainer Domenico Tedesco am Dienstag vor dem Abschlusstraining des Fußball-Bundesligaklubs. „Dass wir uns letzte Saison für die Champions League qualifiziert haben, ist auch sein Verdienst. Dementsprechend wird Ralle gegen Manchester im Tor stehen. Das ist nur fair – Mann“, betonte Tedesco und sorgte mit dem Wortspiel für Gelächter im Presseraum der Veltins-Arena. In der Ligapartie am Samstag in Mainz werde dann wieder Alexander Nübel spielen.

          Tedeso hatte den 20 Jahre alten Nachwuchskeeper mit Beginn der Rückrunde zur neuen Nummer eins bestimmt. Als Nübel nach seiner Roten Karte im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach für zwei Punktspiele gesperrt wurde, rückte der 30-jährige Fährmann bei Bayern München und gegen den SC Freiburg wieder zwischen die Pfosten. Gegen den englischen Meister wäre Nübel ohnehin wieder spielberechtigt gewesen. Doch Fährmann bekommt die Partie sozusagen als Belohnung.

          Bis auf Breel Embolo (Trainingsrückstand) und Benjamin Stambouli, der sich nach seiner Nasen-Operation weiterhin an die angepasste Gesichtsmaske gewöhnen soll, hat Tedesco alle Profis zur Verfügung. Dass Schalke gegen das mit Stars gespickte Team von Pep Guardiola nur krasser Außenseiter ist, sei allen klar. „Wir sind der klare Nicht-Favorit“, meinte Tedesco. Er lässt sich auch von den Diskussionen um Sportvorstand Christian Heidel nicht die Vorfreude auf das Königsklassen-Highlight verderben. „Manchester City ist eine der besten Mannschaften der Welt. Wir müssen schon einen Sahnetag haben und alles rauspusten. Aber da haben wir große Lust drauf.“ (dpa)

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