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Münchner Gegner Salzburg : „Bayern beste Mannschaft der Welt – ohne Schwächen“

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„Wir werden unseren starken Fußball spielen, mutig und aggressiv“: Salzburg-Trainer Jesse Marsch Bild: Picture-Alliance

Elf Salzburger Versuche, die Champions League zu erreichen, scheiterten – teils mit Blamagen. Inzwischen lächelt keiner mehr über den Meister aus Österreich. Nun versucht es Salzburg auch forsch gegen den FC Bayern.

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          Österreichs Serienmeister Red Bull Salzburg will mit einem couragierten Auftritt die Siegesserie von Titelverteidiger FC Bayern München in der Champions League beenden. „Wir werden unseren starken Fußball spielen, mutig und aggressiv“, kündigte Trainer Jesse Marsch vor dem Gruppenspiel an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) an.

          Champions League

          Der ehemalige Ko-Trainer von Ralf Rangnick beim Bundesligaverein RB Leipzig sprach von einer „großen Prüfung“ gegen die für ihn aktuell „beste Mannschaft der Welt – ohne Schwächen“. Marsch forderte seine Profis auf, schlau zu spielen. Wir müssen gegen so eine Tormaschine natürlich auch gut verteidigen. Aber es ist eine Chance, auch unsere Entwicklung zu zeigen.“ Salzburg muss ohne den verletzten Angreifer Patson Daka antreten. Ihn dürfte der 20 Jahre alte Sekou Koita ersetzen, der am Wochenende beim 5:0 der Roten Bullen in der Liga gegen WSG Tirol zweimal traf. „Sekou Koita hat gut gespielt“, sagte Marsch über den Stürmer aus Mali.

          Auf die Unterstützung von Zuschauern muss der Außenseiter in der 30.000 Plätze bietenden Red Bull Arena angesichts der auch in Österreich wieder verschärften Corona-Auflagen ebenfalls verzichten. „Das ist schade“, sagte Marsch am Montag. Beim 2:2 im ersten Gruppenspiel gegen Lokomotive Moskau waren noch 3000 Fans dabei, gegen Bayern sollten 1500 zugelassen werden. Mit nur einem Punkt steht Salzburg am dritten Spieltag unter Erfolgsdruck.

          Salzburgs Routinier Zlatko Junuzovic (33) schwärmte ebenfalls von den Bayern, die er aus zahlreichen Bundesligaduellen aus seiner Zeit bei Werder Bremen sehr gut kennt. „Was die Bayern auszeichnet, ist ihre Mentalität, das Sieger-Gen. Sie wollen jedes Spiel gewinnen, jeden Titel holen. Aber in einem Spiel kann alles passieren. Das ist bei der Nähe zu München fast schon ein Derby“, sagte Junuzovic am Montag. Natürlich wäre ein Punkt oder gar ein Sieg „eine harte Überraschung. Aber warum sollten wir es nicht schaffen?“ Er freut sich besonders auf die Duelle mit David Alaba, seinem ehemaligen Teamkollegen aus der Nationalmannschaft.

          Auch gegen den FC Liverpool hätte Salzburg in der vergangenen Saison „eine ähnliche Konstellation gehabt. Ich glaube an unsere Qualität. Wir können zeigen, wie stark wir sind“, sagte Junuzovic. Red Bull hatte in der vergangenen Saison gegen den FC Liverpool (3:4/0:2) beeindrucken können. Auch die Bayern will Salzburg „nie in Ruhe lassen, sie unter Druck setzen. Das ist die größte Bühne, wir wollen nicht nur dabei sein“. Bisher hat Salzburg beim 2:2 gegen Lokomotive Moskau einen Punkt geholt. Bei Atletico Madrid hatten die Österreicher 2:3 verloren.

          Vor Jahren noch müde belächelt, inzwischen hoch angesehen: Salzburg hat sich von Europas Lachnummer zum wohl besten Ausbildungsverein des Kontinents entwickelt. Stars wie Erling Haaland (Dortmund), Sadio Mane, Naby Keita, Takumi Minamino (alle Liverpool) oder Dayot Upamecano (Leipzig) sind bereits aus der Talentschmiede der Österreicher hervorgegangen. „Das Scouting von Salzburg ist sensationell. Die machen einen super Job. Es ist für viele ein Sprungbrett“, lobte Liverpools Teammanager Jürgen Klopp bei Sky den österreichischen Serienmeister. Auch Gladbachs Sportdirektor Max Eberl attestierte Salzburg eine „herausragende Arbeit“.

          Beim Bundesligaspiel am Samstag zwischen Gladbach und RB Leipzig (1:0) kamen gleich neun (!) ehemalige Salzburger zum Einsatz. „Der Einfluss von Salzburg tut der Bundesliga gut“, betonte deshalb Sky-Experte Lothar Matthäus, einst selbst bei RB tätig. Doch nicht nur auf dem Platz, wo auch Amadou Haidara, Marcel Sabitzer, Kevin Kampl, Peter Gulasci, Hee-Chan Hwang, Konrad Laimer (alle Leipzig), Martin Hinteregger, Stefan Ilsanker (beide Frankfurt), Valentino Lazaro, Stefan Lainer, Hannes Wolf (alle Gladbach) oder Marin Pongracic (Wolfsburg) die Salzburger Schule durchliefen, wird dieser Einfluss deutlich. Auch für Trainer ist der österreichische Spitzenklub offenbar ein sehr gutes Sprungbrett.

          Marco Rose (Gladbach), Adi Hütter (Frankfurt), Niko Kovac (Monaco), Roger Schmidt (Eindhoven) oder der frühere Leipziger Ralf Rangnick trugen einst in Salzburg die Verantwortung. Selbst Bayern-Coach Hansi Flick arbeitete als Assistent von Giovanni Trapattoni kurz für Red Bull, ehe er 2006 nach nur zwei Monaten zum DFB als „Co“ von Bundestrainer Joachim Löw wechselte. Aktuell wird der Klub vom Amerikaner Jesse Marsch trainiert – und auch der wird schon wieder bei Topklubs in Europa gehandelt.

          Für Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund ist das Kommen und Gehen längst zum Alltag geworden. „Wir sind ein Verein für viele Talente weltweit. Wir wollen Anlaufstation sein“, sagte er bei Sky90. Warum sich die jungen Profis gerade in Salzburg so gut entwickeln können, liegt für Freund auf der Hand: „Wir haben ein bisschen weniger Druck. Wir können ruhiger arbeiten und die Spieler so entwickeln.“ Entwickeln – und dann nach zwei, drei Jahren teuer verkaufen. Diesen Weg, so Freund, „werden wir nicht mehr verlassen. Wir müssen mutig bleiben, sonst stoppt das Rad irgendwann“. Es ist nun die zweite Teilnahme an der Champions League nach zuvor elf (!) vergeblichen Versuchen, bei denen sich Red Bull einige Male blamierte. Vor allem das Aus 2012 gegen F91 Düdelingen aus Luxemburg hatte europaweit für Häme gesorgt.

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