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Bayerns 7:2-Sternstunde : „Das war unglaublich, was wir erlebt haben“

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„Ein historischer Tag für Bayern München“: Karl-Heinz Rummenigge ist begeistert. Bild: dpa

Karl-Heinz Rummenigge ist begeistert nach dem 7:2 der Bayern. Der Vorstandschef kostet den Sieg in England voll aus. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten durch gleich zwei verletzte Münchner Spieler.

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          Karl-Heinz Rummenigge hat das 7:2 in der Champions League beim Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur als „historischen Tag für Bayern München“ bewertet. Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Fußball-Rekordmeister lobte die erfolgreiche Mannschaft um den vierfachen Torschützen Serge Gnabry in der Nacht zum Mittwoch in London in seiner Bankettrede im Teamhotel für eine „denkwürdige“ Leistung. Das 7:2 war der zweithöchste Auswärtssieg des FC Bayern in der Champions League. Am 21. Oktober 2014 hatten die Münchner ebenfalls in der Gruppenphase 7:1 beim AS Rom gewonnen.

          Champions League

          „Unsere Mannschaft hat etwas Geschichte geschrieben. Ich möchte dem Trainerteam mit Niko (Kovac) an der Spitze und auch der gesamten Mannschaft einen herzlichen Glückwunsch sagen. Das war unglaublich, was wir erlebt haben“, sagte der 64-jährige Rummenigge. „Wir liegen am Anfang 1:0 down, wie man hier in England sagt, und haben dann ein unglaubliches Spiel hingelegt. Wir gewinnen 7:2 gegen eine Mannschaft, die letztes Jahr im Finale der Champions League gestanden hat.“ Vierfachtorschütze Gnabrykam rund fünf Minuten nach seinen Kollegen zur Feier – und wurde mit Sonderapplaus bedacht.

          Rummenigge erinnerte im Glücksgefühl der Fußball-Sternstunde auch an das kollektive Scheitern des FC Bayern, Borussia Dortmund und von Schalke 04 gegen den FC Liverpool, Tottenham und Manchester City im Achtelfinale der vergangenen Saison. „Wir haben oft die Vergleiche zwischen Bundesliga und Premier League. Und heute haben zumindest wir von Bayern München nachhaltig bewiesen, dass wir durchaus in der Lage sind, eine Premier-League-Mannschaft der Topklasse zu besiegen.“

          Die Münchner schrieben gleich mehrfach Geschichte. Die Spurs mussten die höchste Heimniederlage einer englischen Mannschaft in der Europacup-Historie hinnehmen. Außerdem kassierte Tottenham erstmals in seiner 137-jährigen Klubgeschichte sieben Heimgegentreffer. Mehr als vier waren es im Europapokal zuvor nie gewesen, die bislang höchste Niederlage vor eigenem Publikum erlitten die Spurs am 3. Oktober 2018 beim 2:4 gegen den FC Barcelona (Gruppenphase).

          Allerdings gab es nach dem Spiel auch schlechte Nachrichten. Der FC Bayern muss einen Ausfall von David Alaba und Jérôme Boateng befürchten. Die Abwehrspieler mussten vorzeitig verletzt ausgewechselt werden. Boateng klagte über muskuläre Probleme, für ihn war nach 72 Minuten Schluss. Nach der Rückreise der Mannschaft sollen am Mittwoch in München weitere medizinische Untersuchungen erfolgen.

          Der österreichische Nationalspieler Alaba könnte sich schwerer an den Rippen verletzt haben. Der 27-Jährige klagte beim Verlassen der Arena nach dem Spiel über Schmerzen. „Es hat sehr weh getan“, berichtete Alaba. Zur Pause musste er raus. „Es ging nicht mehr.“ Alaba stand gerade erst wieder nach zweiwöchiger Verletzungspause im Team. Die Blessur zog er sich zu, als Spurs-Verteidiger Serge Aurier bereits in der neunten Minute mit den Füßen auf seinem Körper landete. Den verunglückten Sprung des Ivorers über Alaba bezeichnete Kovac als grobes Foulspiel und „klare Rote Karte“. Schiedsrichter Clément Turpin beließ es aber bei einer Ermahnung.

          Mit der Fahne in der Hand vorneweg: Joshua Kimmich erzielt nach seiner Kritik vom Wochenende den Ausgleich. Bilderstrecke

          Vier-Tore-Held Gnabry genoss derweil das wunderbare Glücksgefühl nach dem spektakulärsten Fußballspiel seines bisherigen Lebens. Der Nationalspieler hatte den größten Anteil an der Sternstunde, die der FC Bayern am Dienstagabend in der Champions League erlebte. 7:2 beim letztmaligen Finalisten Tottenham Hotspur – es war der pure Wahnsinn, der sich vor allem nach der eher glücklichen 2:1-Pausenführung im neuen, über eine Millarde Euro teuren Tottenham Stadium abspielte. „Es war ein wunderschönes Gefühl“, sagte der 24-jährige Gnabry nach seinen ersten vier Champions-League-Toren überhaupt. 35 Minuten reichten dem Außenstürmer mit der FC-Arsenal-Vergangenheit in London dafür in der grandiosen zweiten Spielhälfte der Bayern.

          Gnabry ist erst der zweite deutsche Spieler nach Mario Gomez (2012 bei Bayerns 7:0 gegen Basel), dem in einer Champions-League-Partie vier Tore glückten. „Für uns war es eine super Nacht“, schwärmte der umjubelte Matchwinner, der aus einem Kollektiv herausstach, das im bärenstarken Torhüter Manuel Neuer, dem zweifachen Torschützen Robert Lewandowski und Juniorchef Joshua Kimmich, der das wichtige 1:1 erzielt hatte, über weitere tolle Protagonisten verfügte. Es war der zweithöchste Auswärtssieg überhaupt der Bayern in Europas Königsklasse. Und der Sieg war zugleich ein Zeichen an alle anderen Titelanwärter. „Ich denke, dass das 7:2-Ergebnis natürlich die Welle macht“, bemerkte Gnabry: „Wir dürfen aber jetzt nicht übertreiben.“

          Nicht nur die Spieler, auch Coach Kovac verwies auf „einige brenzlige Situationen“, die der später total dominante FC Bayern vor der Pause überstehen musste. „Es wurde Zeit, mal wieder ein Ausrufezeichen zu setzen und einen Großen zu schlagen“, erklärte Kapitän Neuer. Der Erfolgshunger der Bayern ist mit dem Sechs-Punkte-Start in der Gruppenphase aber keineswegs gestillt, im Gegenteil: „Das war ein toller Champions-League-Abend für uns Bayern. Wir hoffen, dass wir den Fans noch weitere solche Momente bieten können diese Saison“, verkündete Kapitän Neuer.

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