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0:2 gegen Juventus : Leverkusen ist zu klein für die Großen

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch: Cristiano Ronaldo trifft für Juventus in Leverkusen. Bild: Reuters

Bayer spielt im neuen Jahr international nur noch in der Europa League. Die Werkself bekommt keine Schützenhilfe aus Madrid, trifft selbst nicht – und kassiert dann noch zwei Tore durch die Stürmerstars von Juventus.

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          Besuche der ganz großen Weltstars in der BayArena sind seit vielen Jahren eine recht spezielle Angelegenheit. Von einem Gastspiel von Lionel Messis 2012 ist beispielsweise die Geschichte der Spieler Michal Kadlec und Manuel Friedrich überliefert, die schon in der Pause versuchten, das Trikot des Argentiniers zu ergattern, statt an einen Sieg zu glauben. Zlatan Ibrahimovic spielte die Leverkusener 2014 während eines 4:0-Sieges von Paris St. Germain schwindelig. Zu gewinnen gab es in diesen großen Spielen kaum etwas für die Rheinländer.

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          Beim 0:2 (0:0) der Werkself gegen Juventus Turin war nun erstmals Cristiano Ronaldo zu Gast, wieder waren die Lokalmedien ganz aufgeregt, und wieder wurde nach der Partie getrauert. Bayer Leverkusen ist aus der Champions League ausgeschieden, nicht einmal ein Sieg hätte gereicht, weil Atlético Madrid mit 2:0 gegen Lokomotive Moskau gewann.

          Aber es war immerhin ein unterhaltsames Spiel. Beide Teams standen ordentlich und hatten besonders in der ersten Halbzeit immer wieder Abschlussgelegenheiten. Für Bayer traf Moussa Diaby mit einem tollen Schuss aus 16 Metern den Pfosten (11.), und Karim Bellarabi zwang den Altmeister Gianluigi Buffon im Tor der Italiener zu einer Rettungstat (22.). Etwas gefährlicher war aber Turin. Nach elf Minuten grätschte Ronaldo knapp an einer Hereingabe von Gonzalo Higuain vorbei, dann landete ein Schuss des Portugiesen knapp neben dem Pfosten (21.), bevor Higuain aus acht Metern unbedrängt übers Tor der Werkself schoss (36.). Die größte Chance der ersten Hälfte für Bayer hatte Kai Havertz, dessen Schuss aus sechs Metern gerade noch von Merih Demiral geblockt wurde (45.)

          Die Leverkusener befinden sich ja grundsätzlich inmitten einer recht starken Phase. Dem erstaunlichen Sieg beim FC Bayern (2:1) hatten sie einen sehr überzeugenden Auftritt gegen den FC Schalke (2:1) folgen lassen, Juventus kam also in einem günstigen Moment. Und wie schon gegen die Schalker am vorigen Wochenende saß Kevin Volland zunächst nur auf der Bank. Zuvor hatte der Stürmer in allen Partien zur Startelf gezählt, die Pause in der Bundesliga wirkte noch wie eine klassische Rotationsmaßnahme. Doch offensichtlich wollte Trainer Bosz nicht auf den zuletzt brillant spielenden Stürmer Lucas Alario verzichten. Außerdem zeigte der Niederländer abermals, dass er sich entwickelt und immer flexibler in der Wahl seiner Grundordnungen wird. Lange galt er als 4-3-3-Dogmatiker, zuletzt ließ er sein Team auch in anderen Systemen spielen, an diesem Abend in einem 4-2-3-1.

          Sicherer Rückhalt bei den Italienern: Torwart-Oldie Buffon

          In der zweiten Hälfte musste Bayer nun eigentlich etwas mehr riskieren, aber die Defensive der abgeklärten Italiener war einfach zu stark. Für Leverkusen war es ja bereits ein Erfolg, dass es in dieser finalen Partie überhaupt noch um etwas ging, nachdem die ersten drei Spiele des Wettbewerbs verloren gegangen waren. Es folgten zwei Siege, doch zur Erfüllung des Traumes von der nächsten Runde mussten sie gegen Juve gewinnen, während Atlético Madrid höchstens einen Punkt gegen Moskau erspielen durfte.

          Zur Halbzeit führten die Spanier allerdings mit 1:0, und als kurz nach der Pause der Treffer vom 2:0 vermeldet wurde, wäre schon ein Wunder nötig gewesen. Juve stand stabil, vor den Toren passierte nicht mehr viel, und als Ronaldo nach einem schönen Querpass von Paulo Dybala zum 0:1 traf (75.), glaubte niemand mehr ernsthaft an das Erreichen der K.o.-Runde. Higuains Treffer zum 2:0 in der Nachspielzeit spielte dann auch keine Rolle mehr.

          „Natürlich ist die Enttäuschung groß. Wir haben uns viel vorgenommen. Das Ergebnis hat heute nicht gepasst, aber ich glaube trotzdem, dass wir eine gute Leistung gezeigt haben“, sagte Nationalspieler Kai Havertz beim Streamingdienst DAZN nach der Partie. „In einem solchen Spiel entscheiden manchmal Kleinigkeiten.“ Und Torwart Lukas Hradecky sagte: „Bis zum 0:1 haben wir prima mitgehalten, am Ende hat es leider nicht gereicht. Wir haben das Achtelfinale aber nicht in diesem Spiel verpasst.“

          Damit ist Bayer Leverkusen der einzige deutsche Vertreter der das Achtelfinale verpasst hat, in dem zum ersten mal seit der Erfindung dieses glanzvollen Wettbewerbs nur Klubs aus den fünf größten europäischen Ligen auftauchen: England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich. Für die Teilnehmer aus den kleineren Nationen mag es zwar einfacher geworden sein, einen Vorrundenplatz zu ergattern, aber Kritiker, die sagen, das System lasse die Schere zwischen Arm und Reich in Wahrheit weiter wachsen, können sich bestätigt fühlen.

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