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Renato Sanches : Die 750-Euro-Hoffnung von Benfica

  • -Aktualisiert am

Renato Sanches (Mitte) verkörpert den Wandel bei Benfica Lissabon. Bild: Picture-Alliance

Renato Sanches von Benfica Lissabon ist gerade 18 Jahre alt und begeistert in Portugal schon alle. Für den Youngster könnte es im Duell mit den Bayern um mehr als das Weiterkommen gehen.

          In der Schlussphase des Länderspiels zwischen Portugal und Bulgarien Ende März rannte ein junger Fan auf den Platz, um einen seiner Fußballhelden zu umarmen. Doch der Junge mit dem Portugal-Schal um den Hals lief nicht etwa zu Cristiano Ronaldo. Er fiel Renato Sanches um den Hals, der erst zehn Minuten zuvor zu seinem Länderspieldebüt eingewechselt worden war.

          Das 18 Jahre alte Talent von Benfica Lissabon begeistert in Portugal zurzeit Fans, Trainer und Sportkommentatoren. Sanches ist ein dynamischer, zweikampfstarker Mittelfeldspieler mit hoher Passgenauigkeit und guter Schusstechnik. Nicht nur wegen seiner Rastalocken und des dunklen Teints wird er mit dem ehemaligen holländischen Spitzenfußballer Edgar Davids verglichen. Für Benfica Lissabon steht der Spieler jedoch noch für viel mehr.

          Jahrelang hinkte der portugiesische Traditionsverein mit seiner Jugendarbeit hinter dem Konkurrenten Sporting her, obwohl Benfica schon vor fast zehn Jahren ebenfalls ein modernes Ausbildungszentrum eröffnet hatte. Dank seiner guten Verbindungen zu dem Fußballagenten Jorge Mendes konnte Benfica mit dem Transfer von Jugendspielern aus der eigenen Schule schon in den vergangenen Jahren gutes Geld verdienen. Bernardo Silva, Ivan Cavaleiro und João Cançelo wechselten jedoch zu europäischen Topklubs, ohne zuvor in Benficas erster Mannschaft wirklich zum Zuge gekommen zu sein. Das lag nicht nur an der fehlenden Qualität.

          Von 2009 bis 2015 hatte Jorge Jesus das Team trainiert und stärker auf erfahrene lateinamerikanische Spieler als auf portugiesische Talente gesetzt. Die Grundstruktur von Jesus’ Team bildet immer noch das Rückgrat von Benfica Lissabon. Mit dem Brasilianer Jardel als Abwehrchef, dem Argentinier Gaitán in der Kreativabteilung und mit dem Brasilianer Jonas im Angriff.

          Im September 2014 war Jonas, der zuvor vier Spielzeiten beim FC Valencia gespielt hatte, ablösefrei zu Benfica gewechselt. Mittlerweile erlebt der 32-Jährige seinen zweiten Frühling. Mit 30 Ligatoren ist er zurzeit der aussichtsreichste Anwärter, den „Goldenen Schuh“ für den torgefährlichsten Angreifer Europas zu gewinnen. Und vergangene Woche gab Jonas sogar sein Comeback in der brasilianischen Nationalelf.

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          Der Aufstieg von Renato Sanches ist das deutlichste Zeichen, dass sich nach dem Trainerwechsel im vergangenen Sommer bei Benfica Lissabon auch sportlich etwas verändert hat. Jorge Jesus war ausgerechnet zum Erzrivalen Sporting gewechselt und hat damit einen neuen Kleinkrieg zwischen den Hauptstadtrivalen ausgelöst. Zunächst gewann Jesus mehrmals das Duell gegen den neuen Benfica-Trainer Rui Vitória und brachte seinen neuen Verein zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder an die Tabellenspitze.

          Für Benfica schien nicht nur die Saison verloren. Denn die Verpflichtung von Vitória war auch als Zeichen verstanden worden, den vereinseigenen Talenten mehr Platz zu geben, ohne damit den sportlichen Erfolg in Frage zu stellen. Vitória hatte schon in der Jugendabteilung des Vereins gearbeitet und zuletzt in der nordportugiesischen Stadt Guimarães ein erfolgreiches Team mit begabten Fußballspielern geschmiedet.

          Rasanter Aufsteiger: Renato Sanches

          Im Herbst schaffte Sanches, der im Alter von neun Jahren für 750 Euro von einem kleinen Lissabonner Klub zu Benfica gewechselt war, dann im Rekordtempo den Sprung zum Stammspieler. Und damit kam auch der Erfolg zurück. Mit Sanches gewann Benfica 18 der letzten 20 Ligaspiele, besiegte Sporting auf eigenem Platz, eroberte die Tabellenführung zurück und qualifizierte sich gleichzeitig für das Ligapokalfinale.

          Mit breiter Brust reist Benfica deshalb nach München (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET). In der Champions League setzte sich Benfica im Achtelfinale mit zwei Siegen gegen Zenit St. Petersburg durch. Nach einem beeindruckenden 5:1-Heimerfolg gegen den Tabellenvierten Sporting Braga am vergangenen Freitag sagte Rui Vitória: „Bayern ist ein sehr schwerer Gegner, aber meine Mannschaft hat diese Saison schon extrem schwierige Situationen gemeistert.

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          Für uns ist alles möglich.“ Die größte Genugtuung für Vitória wäre ohne Frage der Einzug ins Halbfinale der Champions League. Denn sein Erzrivale Jesus war in seiner langen Zeit als Benfica-Trainer nie unter die vier besten europäischen Mannschaften gekommen.

          Für Renato Sanches könnte sich im Duell mit Bayern München auch seine Zukunft entscheiden. Dem Sohn kapverdischer Migranten aus einem Lissabonner Problemviertel, der erst im Dezember seinen Vertrag mit Benfica verlängert hat, könnte schon bald der große Geldsegen winken. Portugiesische Medien bringen Sanches schon in Verbindung mit Real Madrid und Manchester United. Für viel weniger als die in der Ausstiegsklausel verankerten 80 Millionen Euro dürfte der neue Hoffnungsträger von Benfica Lissabon aber nicht loszueisen sein.

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