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Aus in Champions League : Real Madrid und das Ende einer großen Ära

Das war nichts: Auch der teure Neuzugang Eden Hazard war nur ein Schatten seiner selbst. Bild: AP

Manchester City gewinnt auch das zweite Spiel der Giganten im Achtelfinale der Champions League. Für Real Madrid ist es das nächste frühe Aus. Und ein Blick auf die Mannschaft zeigt, wo die Probleme liegen.

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          Pep Guardiola hüpfte wie ein kleines Kind, das gerade ein lang ersehntes Geschenk ausgepackt hat. Der Trainer von Manchester City wusste kaum, wohin mit all seiner Freude. Soeben hatte sein Stürmer Gabriel Jesus am Freitagabend das 2:1 erzielt. Und dem Trainer war natürlich klar, dass der Einzug seiner Mannschaft ins Viertelfinale der Champions League nun fast sicher war. Es blieb bei diesem Ergebnis. Nach dem 2:1 im Hinspiel vor 163 Tagen bei Real Madrid gewann ManCity auch das zweite Duell. Am nächsten Samstag geht es beim Finalturnier in Lissabon gegen Olympique Lyon, das überraschend Juventus Turin eliminierte, um den Einzug ins Halbfinale.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Noch nie hat Manchester City den Titel in der Champions League gewonnen. In diesem so seltsamen Jahr mitten in der Corona-Krise könnte es soweit sein. Neben dem FC Bayern, der an diesem Samstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) im Rückspiel gegen den FC Chelsea noch das 3:0 aus der ersten Partie über die Runden bringen und damit die Zulassung für den Trip nach Portugal sichern muss, gilt die Elf von Guardiola als Topfavorit auf die Krone in Europas Fußball. Das Traumfinale der beiden Teams aber wird es nicht geben. Setzten sich beide in ihrer ersten Partie in Lissabon durch, treffen sie schon im Halbfinale aufeinander.

          Soweit ist es noch nicht. Entsprechend wollte auch Guardiola, der mit dem 29. Sieg in K.o.-Spielen in der Königsklasse einen Trainerrekord aufstellte, noch nicht allzu weit in die Zukunft blicken. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagte er. „Wir haben es mehr als verdient, in die nächste Runde einzuziehen. Um aber ein großes Team zu sein, müssen wir Titel holen.“ Zwar war Manchester über beide Partien, die wegen der weltweiten Pandemie zeitlich soweit auseinanderlagen wie nie zwei Spiele in einem Europapokal-Wettbewerb, überlegen, doch ohne zwei kapitale Schnitzer hätte das Duell anders enden können.

          Weltmeister Raphael Varane patzte jeweils entscheidend. Zunächst verlor er im eigenen Strafraum den Ball an Jesus. Der legte quer zu Sturmpartner Raheem Sterling, der wenig Mühe hatte, früh die Nerven zu beruhigen und Manchester in Führung zu bringen (9. Minute). Nach dem 1:1 durch Karim Benzema (28.) war zwar Madrid wieder im Spiel. Ein weiteres Tor hätte gereicht, um das gesamte Duell auszugleichen. Der Treffer fiel – aber auf der anderen Seite. Erst verfehlte Varane den Ball mit dem Kopf, dann fiel seine Rückgabe im zweiten Versuch viel zu kurz aus. Jesus ahnte das, lief dazwischen und erzielte das 2:1 (68.). „Wir haben bei den Toren natürlich ein bisschen mitgeholfen. Aber da gibt es keine Vorwürfe“, sagte der deutsche Nationalspieler Toni Kroos bei Sky.

          Viel fiel Real danach nicht mehr ein. Zum zweiten Mal in Serie ereilte den Klub das Aus in der Champions League schon im Achtelfinale. Vergangene Saison kam das Ende durch ein blamables 1:4 im eigenen Stadion gegen die jugendlichen Überflieger von Ajax Amsterdam. Nun hieß die Endstation Manchester City. Zuvor war Real acht Spielzeiten nacheinander mindestens im Halbfinale, vier Mal ging die Trophäe gar nach Madrid – eine enorm beeindruckende Bilanz. Ist das zweite frühe Aus in Serie nur ein weiterer Ausrutscher oder doch ein alarmierender Trend? Der aktuelle Eindruck gibt kein so gutes Bild ab.

          Zwar sicherte sich die Mannschaft von Zinedine Zidane nach 2017 mit einer starken Leistung nach der Corona-Pause mal wieder die spanische Meisterschaft. Doch die Analyse der Mannschaft macht nicht so große Hoffnung im Vergleich mit anderen internationalen Schwergewichten. Ohne Kapitän Sergio Ramos, der das Team sportlich und emotional zusammenhält, ist Real Mittelmaß auf diesem Niveau. Ramos fehlte wegen einer Sperre, die er sich im Hinspiel eingehandelt hatte. Kroos versuchte sich als Ballverteiler und Organisator. Aber außer ihm war kaum einer zur Stelle, der das Spiel in die Hand nahm, allenfalls Torschütze Benzema fiel noch positiv auf. „Man muss ehrlich sein: Nach 180 Minuten ist City verdient weitergekommen. Aber ich hatte das Gefühl, dass ein bisschen mehr drin war“, sagte Kroos.

          Neben Varane, der die „Verantwortung für die Niederlage“ aus sich nahm, fielen auch andere Spieler bei Real mit Schwächen negativ auf. Ramos-Vertreter Eder Militao reichte im Abwehrzentrum bei weitem nicht an die Leistung des Kapitäns heran. Casemiro als Abräumer vor der Viererkette fehlte die Präsenz im Zentrum. Der einstige Weltfußballer Luka Modric ist mit seinen 34 Jahren nur noch ein Schatten seiner selbst, Stürmer Rodrygo mit 19 Jahren noch nicht so weit. Und warum Real für Eden Hazard 115 Millionen Euro Ablösesumme zahlte, wird immer mehr zu einem Rätsel. Der Belgier hatte keine einzige nennenswerte Szene im ganzen Spiel. Und Cristiano Ronaldo, der in der goldenen Zeit zumeist den Unterschied machte, ist längst nach Turin verkauft.

          Mit Spielern wie Isco, Marco Asensio, auch Rodrygo, Militao, Vinicius Junior und Ferland Mendy hat Real Madrid vielversprechende junge Spieler im Kader. Doch sie alle sind noch nicht soweit, dass sie in der heißen Phase der Champions League, gerade gegen eine so gewachsene Mannschaft wie Manchester, glänzen können. Ihre Zeit wird kommen, später. Es bedarf Geduld. Daher geht es nun in die Ferien. „Wir sind schon enttäuscht“, sagte Kroos. „Ab morgen freue ich mich dann auch auf den Urlaub.“ Das Kapitel Königsklasse ist erledigt. Und das Finalturnier in Lissabon? „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich mir den Rest anschauen werde. Wenn ich Urlaub mache, dann mache ich Urlaub, und dann auch ohne Fußball.“ Sagte es. Und ging.

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