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Champions League in Kiew : Slapstick verhilft Real Madrid zum Titel

Real Madrid holt zum dritten Mal in Serie die Champions League. Bild: Reuters

Real Madrid gewinnt zum dritten Mal in Serie die Champions League. Zur tragischen Figur im Finale wird der deutsche Torwart des FC Liverpool. Schon vor seinen unglaublichen Fehlern spielt sich in Kiew ein Drama ab.

          Ein Tor war noch nicht gefallen in Kiew, da spielte sich ein noch größeres Drama ab – eines, vor dessen Hintergrund alles andere zu betrachten war, was danach noch passierte im Stadion Olimpijskyj von Kiew, an Spektakel und auch an Slapstick – bis am Ende wieder einmal die Profis von Real Madrid den großen Pokal in den Nachthimmel stemmten, wie in den beiden vergangenen Jahren auch schon. Das darf man eine große madrilenische Ära nennen. Aber jeder, der dieses Finale von Kiew sah, ging mit der Frage nach Hause, was wohl möglich gewesen wäre, wenn es nicht die Leidensgeschichte von Mo Salah nach einer knappen halben Stunde gegeben hätte. Und wenn die „Reds“ überdies einen sicheren Torhüter besessen hätten als Loris den ehemaligen Mainzer Loris Karius, der bei der 1:3-Niederlage gleich zwei Mal verheerend patzte. „Es tut mir total leid für ihn“, sagte Trainer Jürgen Klopp beim TV-Sender Sky: „Aber so ist das Leben. In so einem Spiel solche Fehler zu machen, das braucht kein Mensch.“

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          Alles Unheil für Liverpool hatte aber in dem Moment begonnen, als Mo Salah sich zum zweiten Mal zu Boden sinken ließ und sich wieder vor Schmerzen an die Schulter fasste. Da war klar, dass es überhaupt nicht gut aussah für den Angreifer. Und tatsächlich, Salah stand zwar noch einmal auf, doch die Tränen in seinen Augen verrieten sofort: Es geht nicht weiter. Schon in der ersten Hälfte des Champions-League-Finales war Schluss für den wohl wichtigsten Mann des FC Liverpool, den ägyptischen König, wie sie ihn in England nennen - die Folge eines Zweikampfs mit Sergio Ramos, bei dem beide hakelten und zogen, doch zuletzt war es eben Salah, der so unglücklich stürzte und Ramos auch noch auf ihn, dass es schlimme Folgen hatte. Das große Finale der Königsklasse war damit eines seiner Hauptdarsteller beraubt, der zudem bis dahin angedeutet hatte, dass er an diesem besonderen Abend für den „Magic Touch“ würde stehen können. Klopp deutete nach dem Spiel im Interview bei „Sky“ gar an, dass möglicherweise ein Knochenbruch vorliege bei Salah. Der ägyptische Verband, in Sorge, um die WM-Teilnahme seines Stars teilte noch in der Nacht mit, dass es möglicherweise nur eine Bänderverletzung sei.

          Für das nächste Liverpooler Drama sorgten die „Reds“ dann selbst, oder genauer: ihr Torwart Loris Karius, der in der 51. Minute einen Abwurf auf den ausgestreckten Fuß von Karim Benzema warf, von wo der Ball zur Führung von Real ins Tor trudelte. Real profitierte damit nach Sven Ulreichs Patzer zu Lasten des FC Bayern im Halbfinale zum zweiten Mal von einem verheerenden Torwartfehler. Liverpool kam zwar durch durch Sadio Mané noch einmal zum Ausgleich (55.). Doch Gareth Bale machte alle Hoffnungen zunichte: Erst mit einem ganz besonderen Kunstwerk von Fallrückzieher (64.) und dann mit einem Schuss aus 25 Metern, den Karius sich praktisch selbst ins Tor klatschte (83.). „Er ist selbst am traurigsten. Das kann einem dann schon ein Stück weit leid tun“, sagte Landsmann Toni Kroos von Real Madrid, der zum vierten Mal die Champions League gewann. „Es ist Wahnsinn, jedes Mal aufs Neue wieder“, sagte Kroos zu dem Triumph im ZDF. „Das letzte Spiel so zu gewinnen, ist unglaublich, kaum in Worte zu fassen“, sagte Trainer Zinedine Zidane.

          Ausgerechnet ein deutscher Torhüter also stand den Engländern beim Anlauf auf den sechsten Gewinn dieses Pokals mitentscheidend im Weg. Für Liverpools Trainer Jürgen Klopp war es die zweite Niederlage in einem Champions-League-Finale nach 2013, als er mit Borussia Dortmund dem FC Bayern unterlegen war. „In Melwood hängen sie keine Silbermedaillen auf“, hatte er vor dem Finale gesagt. Bei allem Stolz auf den Liverpooler Lauf in dieser Saison würde man die Erinnerung an dieses wie verhexte Finale wohl am liebsten ganz löschen. Real hingegen durfte sich zum dritten Mal nacheinander der Sause mit dem Henkelpott hingeben – so etwas hatten zuletzt die Bayern von 1974 bis 1976 geschafft, als der Wettbewerb noch Europapokal der Landesmeister hieß.

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