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Champions-League-Finale : Willkommen im Zaubergarten von Real Madrid!

  • -Aktualisiert am

Familie Ramos feiert den Sieg im Champions-League-Endspiel wie einen Kindergeburtstag. Bild: AP

Erstmals verteidigt ein Team den Champions-League-Titel erfolgreich. Real Madrid besiegt Juventus und feiert wie bei einem Kindergeburtstag. Zu einer besonderen Aussage lässt sich Trainer Zidane verleiten.

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          Am Ende wurde aus dem Festspiel ein Familienfest. Willkommen im Zaubergarten von Real Madrid! Und alle, die es aus enger Bindung mit den ersten, dazu noch grandiosen Titelverteidigern der Champions League halten, strömten nach dem 4:1-Triumph der besten europäischen Mannschaft über Juventus Turin beschwingt und beseelt auf den auch nach Spielende noch gepflegten britischen Rasen des Nationalstadions von Wales inmitten der City von Cardiff. Das spanische Idyll lud zu den allerschönsten Erinnerungsfotos von glücklichen Fußballhelden im Kreis ihrer Liebsten an der Seite ihrer Frauen und Kinder ein.

          So stellte Kapitän Sergio Ramos seinen eineinhalb Jahre alten Filius Sergio samt Schnuller in den großen silbernen Henkelpott, den er und sein Team am Samstagabend zum zweiten Mal nacheinander als ersten Preis gewonnen hatten. Auch der deutsche Nationalspieler Toni Kroos, gemeinsam mit dem Kroaten Luka Modric der große Steuermann dieses Vier-Sterne-Erfolges über den zuvor in der gesamten Champions-League-Runde nur mit drei Gegentoren bezwungenen Kontrahenten, tollte mit seinem Sohn Leon auf dem vom Fußballfeld zum Spielplatz gewordenen Freizeitpark herum. Die einst galaktisch abgehobenen Blancos aus dem feinen Madrider Stadtteil Chamartin feierten ihren Abend angenehm bodenständig wie der nette Nachbar von nebenan einen Kindergeburtstag.

          96 Minuten lang hatte Real Madrid bei der Arbeit edle Reife, erlesene Spitzenqualität und kunstvolle Abschlussfähigkeiten bewiesen. Dem hatte Juventus Turin nur eine gleichwertige erste Hälfte entgegenzusetzen, in der Mandzukic (27. Minute) mit einem zirzensischen Seitfallzieher die 1:0-Führung durch den in Galaform glänzenden Superstar Cristiano Ronaldo (20.) egalisiert hatte. Die Hoffnungen der Bianconeri auf den ersten vollen Erfolg nach zuvor vier Champions-League-Finalniederlagen zerstoben aber nach dem Wechsel in Windeseile. Casemiros von Sami Khedira, dem zweiten Deutschen in diesem Endspiel, unglücklich abgefälschter Schuss (61.) zum 2:1 setzte die Zeichen zu einer Madrider Demonstration der Macht, so dass Ronaldo zum Zweiten (64.) und der eingewechselte Asensio (90.) einen denkwürdigen Tag im Hochglanzformat abrundeten.

          Juve dagegen verfehlte alle Ziele, die sich der in dieser Saison bis zum Abschlussabend in Cardiff unerschütterliche italienische Meister vorgenommen hatte. Trainer Massimiliano Allegri konstatierte danach ernüchtert: „In der ersten Hälfte haben wir schönen Fußball gespielt, in der zweiten hat Real auf das Gaspedal gedrückt, und wir waren nicht in der Lage zu antworten.“

          Mal wieder „man of the match“: Cristiano Ronaldo ist der Spieler des Abends. Bilderstrecke

          Viele Spieler der bis dahin von Erfolg zu Erfolg gerauschten Turiner waren ebenso wenig in der Lage, auch nur ein Wort über diesen frustrierenden Abend zu sagen. Als erster passierte Khedira, der in Cardiff stets bemüht, aber seiner selbst nie sicher gewirkt hatte, wort- und grußlos die Phalanx der Reporter. Reden mochten nur wenige Protagonisten dieser sonst so großartigen Mannschaft. Voran wie immer der beispielhaft gute Verlierer Buffon. Der Kapitän stellte umstandslos fest, dass „sich Real Madrid den Sieg in der zweiten Halbzeit verdient hat. Sie haben die Klasse und Haltung gezeigt, die man in solch einem Spiel braucht.“

          Voran der viermalige Weltfußballer des Jahres und nun auch viermalige Champions-League-Triumphator Ronaldo, der am Samstag eine Reihe von Bestmarken aufstellte. Das 1:0 war sein drittes Tor in drei gewonnenen Champions-League-Endspielen (2008 mit Manchester United gegen den FC Chelsea, 2014 gegen dem Lokalrivalen Atlético Madrid); er wurde dank seiner zwölf Treffer in diesem Wettbewerb zum fünften Mal nacheinander Torschützenkönig; er führt die Torjägerliste der Champions League mit 105 Treffern an; und er hat nun die unerreichte Zahl von 600 Pflichtspieltoren im Verein und in der portugiesischen Nationalmannschaft zu Buche stehen. „Die zweite Halbzeit war die beste, die wir in dieser Saison gespielt haben“, pries Ronaldo seine Mannschaft. Über sich selbst sagte der nimmermüde, nimmersatte 32 Jahre alte Stürmer: „Ich fühle mich wie ein Jüngling.“

          Auch Weltmeister Toni Kroos war glücklich über einen der schönsten Tage seiner Karriere. Er feierte seinen dritten Champions-League-Erfolg (2013 mit dem FC Bayern, 2016 und 2017 mit Real). Der längst zur Weltklasse gehörende Spieler mit der weltweit höchsten Passgenauigkeit kam für seine norddeutschen Verhältnisse aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Den Titel einmal zu holen, ist unglaublich“, sagte er, „ihn dann erfolgreich zu verteidigen, ist der Wahnsinn. Es ist eine unfassbare Mannschaft, nicht nur auf dem Rasen.“

          Kein Wunder, dass Trainer Zinédine Zidane, als Spieler eine Koryphäe und als Trainer binnen 17 Monate zu einem Fußballlehrer par excellence aufgestiegen, nach getaner Arbeit im Kreis der Real-Großfamilie sagte: „Dies ist der glücklichste Tag meines Lebens.“ Dabei ist der Franzose in seiner Spielerkarriere Weltmeister, Europameister und Champions-League-Sieger geworden. Den Triumph von Cardiff mit seinen Spielern zu feiern, ging ihm am Samstag über alles. Das sagt alles über den guten neuen Geist bei den geerdeten Höhenfliegern von Real Madrid.

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