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Leipzig-Trainer Hasenhüttl : „Ich bin kein Verfechter des Guardiola-Fußballs“

Wenn das der Fall wäre, dann wäre es eine Katastrophe. So weit darf es nie kommen. Wenn man sich taktisch dazu entschließt, im Spiel öfter den Ball zu haben, um den Gegner auch müde zu spielen, geht es gleichzeitig auch darum, die Folgen der eigenen Fehler zu reduzieren. Wir sind in Leipzig weit von der Philosophie von Pep Guardiola entfernt, der überall auf dem Platz nur kurze Pässe spielen lassen will. Das tun wir nicht. Unser Grundsatz ist: mit so wenig Risiko wie möglich so viel Ertrag wie möglich zu erzielen. Aber: Gegen viele Klubs ist es wichtig, Risiko in Kauf zu nehmen. Gegen Topvereine ist es einfach nicht möglich, neunzig Minuten dem Ball hinterherzujagen. Du musst im Ballbesitz auch phasenweise selbst in der Lage sein, den Gegner müde zu machen, ihn Energie aufwenden lassen, wenn er wieder in Ballbesitz kommen will. Vor allem wenn ein Gegner im Rückstand ist, tut ihm das unheimlich weh. Ich finde, wir haben unsere Spielweise so weiterentwickelt, dass sie uns ermöglicht, bei Ballbesitz auch einmal auszuruhen. In der zweiten Halbzeit beim 4:0 in Monaco haben wir das getan. Im Spiel zuvor gegen Leverkusen ist uns das überhaupt nicht gelungen, obwohl wir einen Spieler mehr auf dem Platz hatten.

Was streben Sie an?

Ich bin kein Verfechter des Guardiola-Fußballs bis ins letzte Detail. Das ist nicht mein Ansatz. Andererseits gilt auch: Ein bisschen schwanger geht nicht. Und das bedeutet für unser Spiel in Pressingsituationen: ganz – oder gar nicht. Wenn sich dabei aber auch nur einer aus der Mannschaft rausnimmt, funktioniert es nicht mehr. Deswegen ist es so wichtig, dass man einer Mannschaft einen so klaren Plan mitgibt, dass sie genau weiß, wann etwas zu tun ist. Und das dann auch zu hundert Prozent ausführt.

„Mit so wenig Risiko wie möglich so viel Ertrag wie möglich“: Die Spieler kennen das effiziente Grundprinzip ihres Trainers.

Was heißt das?

Ich bin kein Trainer, der sich taktisch in eine Schablone presst lassen möchte. Dann ist man ausrechenbar. Ich glaube, dass wir taktisch mittlerweile so unterschiedliche Gesichter haben, dass wir mit unserer Spielweise für verschiedene Dinge stehen. Ballverluste gegen uns sind gefährlich. Da haben wir ein starkes Umschalten mit ganz viel Speed nach vorne. Wenn sich der Gegner hinten reinstellt, haben wir die Möglichkeiten, ihn aktiv zu bespielen. Da finden wir mittlerweile auch Lösungen. Wenn man uns presst, können wir einen langen Ball schlagen und uns auf den zweiten Ball gut positionieren – und dann schnell umschalten. Egal, was auf die Mannschaft zukommt: Sie muss für alles Lösungen finden. Und das ist es, was wir hier jeden Tag machen: Lösungen finden.

Wie machen Sie das?

Wenn wir, wie heute, bei einer bestimmten Aufgabenstellung im Trainingsspiel Fehler gefunden haben, dann sitzen wir danach manchmal noch über eine Stunde zusammen und diskutieren, wie wir es besser machen können. Das korrigieren wir Trainer dann oft gar nicht auf dem Platz, sondern zeigen es den Jungs später auf Video. Darum nehmen wir jede Einheit auf, deswegen schauen wir uns jede Einheit noch mal an. Und dann steht der Matchplan für das nächste Spiel.

Ihre Mannschaft könnte an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, im ZDF und bei Sky) trotz eines Sieges gegen Besiktas Istanbul mit zehn Punkten das Achtelfinale der Champions League noch verpassen, wenn der punktgleiche FC Porto sein Heimspiel gegen den AS Monaco gewinnt.

Wir haben mehr erreicht, als wir uns erhofft haben. Viele Experten hatten uns prophezeit, dass das zweite Jahr in der Bundesliga ohnehin viel schwerer werden würde – und dann noch mit einer Dreifachbelastung. Es war auch eine brutale Umstellung. Aber wir haben es gut gemacht: mit viel Rotation, einem breiteren Kader – und wir haben trotzdem jedem das Gefühl gegeben, dass er wichtig ist. Und wir haben Spielern immer wieder, auch wenn sie es nicht verstanden haben, eine Pause gegeben. Aktuell haben wir keinen Langzeitverletzten im Kader, von Muskelverletzungen sind wir fast komplett verschont worden. Mit Platz zwei in der Bundesliga und vielleicht mit zehn Punkten in der Champions League, die noch möglich sind, haben wir unsere eigenen Erwartungen übertroffen. Wenn es nicht reichen sollte, dann haben wir trotzdem bewiesen, dass wir zu Recht in die Champions League gekommen sind. Fakt ist: Wir haben ab jetzt zwei Heimspiele mehr als Auswärtsspiele in der Bundesliga: Und alle müssen noch zu uns kommen: Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen, Hoffenheim. Und wir werden, ob in der Champions oder Europa League, noch zwei oder drei K.-o.-Runden haben. Das ist neu für uns – aber das brauchen wir auch, um uns weiterzuentwickeln. Egal wie lange wir uns in Europa präsentieren dürfen: Wir werden das weiter auf unsere Weise tun, um die Menschen mit unserem Spiel zu begeistern.

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