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Achtelfinale für Leipzig : „Die Jungs sind Maschinen“

Schrei fürs Achtelfinale: Julian Nagelsmann nach Schlusspfiff Bild: AP

RB Leipzig legt furios los und rettet sich am Ende so gerade noch ins Achtelfinale der Champions League. Das 3:2 über Manchester United begeistert Julian Nagelsmann. Und er kündigt weitere Großtaten an.

          3 Min.

          Als Antonio Mateu Lahoz seine Pfeife zum letzten Mal an diesem Abend in dem Mund nahm und kräftig hineinblies, blieb auch Julian Nagelsmann nicht still. Im zuschauerleeren Stadion stieß der Trainer von RB Leipzig einen lauten Jubelschrei aus und ballte beide Fäuste an den ausgestreckten Armen. Nach 96 am Ende ziemlich nervenaufreibenden Minuten war es geschafft: Der Bundesliga-Klub steht wieder im Achtelfinale der Champions League. Das „Endspiel“ gegen das zuvor punktgleiche Manchester United gewann Leipzig nach 3:0-Führung nach zittrigem Ende letztlich mit 3:2 Toren.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Es war eine spannende und sehr intensive Schlussphase“, sagte ein erleichterter Nagelsmann am Mikrofon des TV-Senders Sky. In der Tat hatte es lange nicht danach ausgesehen, dass Leipzig am Ende nochmal so in Schwierigkeiten kommen würde. Nach den frühen Toren von Angeliño in der zweiten und Amadou Haidara in der dreizehnten Minute hatte Justin Kluivert in der zweiten Hälfte noch nachgelegt (69.). 3:0 gegen ein alles andere als starkes Manchester United – das sollte doch locker reichen. Tat es fast nicht. Denn die Engländer drehten auf und waren ganz plötzlich auch wieder im Spiel.

          Kurz vor dem dritten Leipziger Tor traf Bruno Fernandes mit einem Freistoß nur die Latte (68.), dann war er per Elfmeter erfolgreich (80.), ehe der eingewechselte Paul Pogba nach einer Ecke mit dem Kopf kaum später gar den Anschlusstreffer schaffte (82.). Der Strafstoß brachte die Leipziger auf die Palme. Erst hielt Mason Greenwood Abwehrspieler Ibrahima Konaté, danach setzte der Leipziger seinen Körper ihrer Ansicht nach regelgerecht gegen den englischen Angreifer ein. Schiedsrichter Lahoz sah es anders und gab Elfmeter. Und die letzten zwölf Minuten musste Leipzig bangen.

          Es ging gut. Nagelsmann wollte ob des glücklichen Ausgangs letztlich auch nicht lange hadern mit den Gegentoren und umstrittenen Szenen in der Schlussphase. „Ich glaube, wir dürfen den Elfmeter nicht bekommen, weil wir vorher deutlich besser verteidigen können. In meinen Augen ist das auch kein zwingender Elfmeter, es ist ein normaler Zweikampf“, sagte er. „Beim zweiten Gegentor glaube ich, dass es vorher Handspiel war. Das hätte auch nicht zählen dürfen. Es ist aber jetzt egal.“ Sein Fazit zielte vielmehr auf seine Elf ab: „Die Jungs sind Maschinen und das haben sie heute wieder gezeigt.“

          In der Tat war es beeindruckend, mit welcher Power die Leipziger loslegten in diesem Spiel, in dem sie nur mit einem Sieg sicher das Ticket fürs Achtelfinale buchen konnten. Womöglich machte es sich dabei auch bezahlbar, dass ihr Trainer rund um das 3:3 im Bundesliga-Topspiel beim FC Bayern am vergangenen Samstag schon betont hatte, dass das Duell mit Manchester für ihn das wichtigere sei. Entsprechend hatte er in München wichtige Spieler wie Emil Forsberg frühzeitig ausgewechselt, um sie nicht völlig auszulaugen. Der Plan ging auf. Forsberg spielte stark, RB strotzte vor schierer Kraft.

          Und der Triumph über den englischen Rekordmeister soll den Akku nicht entladen, sondern gar noch aufgeladen haben. „Das sind Erlebnisse, die in kräftezehrenden Zeiten noch einmal Power geben“, sagte Nagelsmann zu später Stunde. „Die Jungs waren in der Kabine sehr ausgelassen und dürfen jetzt auch ein bisschen feiern.“ Dazu hatten sie allen Grund: Schließlich zog Leipzig bei der dritten Teilnahme im höchsten Vereinsfußball-Wettbewerb in Europa zum zweiten Mal ins Achtelfinale ein. Vergangene Saison ging es gar bis ins Halbfinale. Und nun? Nagelsmann jedenfalls sieht erstmal keine Grenze und lobte die Entwicklung: „Ich finde schon, dass wir gereift sind gegenüber letztem Jahr.“

          Am kommenden Montag findet die Auslosung statt. Ob Leipzig als Gruppenerster oder -zweiter in den Töpfen der 16 besten Mannschaften liegen wird, ist allerdings noch unklar. Nach dem Abbruch der Parallelpartie der Gruppe zwischen Paris Saint-Germain und Basaksehir Istanbul, die an diesem Mittwoch (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) nachgeholt wird, ziehen die Franzosen mit einem Sieg noch vorbei. Als Zweiter würde RB im Achtelfinale auf einen Ersten einer anderen Gruppe treffen und im entscheidenden Rückspiel auswärts antreten müssen.

          Es lohnt also ein Blick nach Paris. Den warf Nagelsmann schon am Dienstag und verurteilte die Vorkommnisse dort. Nach Rassismusvorwürfen gegen den Vierten Offiziellen seitens der Türken wurde die Partie nach 23 Spielminuten und stundenlanger Unterbrechung abgebrochen. Er habe während der eigenen Partie zunächst nur in der Halbzeit gehört, dass es um „Beleidigungen geht“, sagte Nagelsmann. „Das verurteile ich aufs Schärfste. Wir leben in einer bunten Gesellschaft, das ist auch gut so, so etwas sollte nicht passieren, nicht auf dem Fußballplatz und auch sonst nirgendwo.“

          Die Leipziger atmeten derweil erstmal durch, ehe es in der Bundesliga am Samstag gegen Bremen weitergeht. „Es war ein sehr hartes Spiel“, sagte Torschütze Angeliño. „Der Sieg fühlt sich sehr gut an, vor allem gegen Manchester. Wir haben es uns zeitweise aber wieder selbst schwergemacht.“ Auch Willi Orban war erleichtert. „Nach dem zweiten Gegentreffer wurde es noch einmal brenzlig. Aber ich denke, unter dem Strich haben wir hochverdient gewonnen. Sich in dieser Gruppe durchzusetzen ist schon ein starkes Signal.“ Das war es in der Tat. Und es soll nicht das letzte gewesen sein. „Die Jungs sind gierig, nach wie vor gierig“, sagte Nagelsmann.

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