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Kommentar : RB Leipzig ist nur als Neuling verkleidet

Latent unzufrieden: Die Leipziger wissen nicht so recht, wie sie das AUftakt-Unentschieden bewerten sollen Bild: SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Lehrgeld muss RB Leipzig bei seinem Debüt in der Champions League nicht zahlen. Der Blick geht dort schon im ersten Jahr in Richtung K.-o.-Runde. Auch die Gegner wissen um die Qualität des Klubs.

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          Leonardo Jardim, der Trainer des AS Monaco, ist ein Freund der Fußball-Bundesliga. Und er hat in der vergangenen Saison einige Erfahrungen mit deutschen Mannschaften gesammelt. In der Vorrunde mit Bayer Leverkusen. Im Viertelfinale mit Borussia Dortmund, unter dramatischen Umständen im Hinspiel. Als er auf der Pressekonferenz gebeten wurde, die Premiere von RB Leipzig in der Champions League und den historischen Moment der Rückkehr der boomenden ostdeutschen Stadt nach bald dreißig Jahren im Europapokal einzuordnen, sprach der Trainer des französischen Meisters über den neuen Gegner schon wie über einen alten Bekannten: Wie selbstverständlich ordnete Jardim nach dem 1:1 den internationalen Aufsteiger in den Kreis der etablierten deutschen Champions-League-Klubs ein, als physisch starke und konstante Mannschaft, die mit demselben Kader des Vorjahres ihren Weg machen werde.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Gekommen, um zu bleiben. Das Motto des Reißbrett-Klubs hat sich auch bei der Elite Europas herumgesprochen. Jardim machte mit seinem Hinweis auf die personelle Kontinuität in Leipzig auch darauf aufmerksam, dass dies alles andere als eine Selbstverständlichkeit im Fußball-Europa des Jahres 2017 ist. Der Halbfinalteilnehmer von der Côte d’Azur hat in diesem Sommer erlebt, wie ein Kader unter der Hitze des Transfermarkts dahinschmilzt. Die Monaco-Stars von gestern, Mbappé, Mendy, Silva und Bakayoko, haben den Klub in Richtung Paris und Premier League verlassen. Und zusammen rund 330 Millionen Euro in die Kasse gespült. Der gesamte aktuelle Kader wird auf den entsprechenden Portalen nur noch auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. Das ist Monacos Geschäftsmodell.

          So gesehen ist der französische Meister, den fünf weitere Spieler neben den großen Stars verlassen hatten, auch ein Neuling in der Königsklasse. Sein Team müsse sich erst noch finden, sagte Jardim in Leipzig. Aber er sei ganz sicher, dass sie in dieser Saison noch viel besser würden. Die Etiketten, die diesem Duell vorher aufgeklebt wurden – Newcomer gegen Halbfinalist –, sind nur noch die halbe Wahrheit in diesen Fußballzeiten. Die aktuellen Preisschilder sind mindestens so wichtig. RB Leipzig ist da auch der europäischen Überraschungsmannschaft der Vorsaison schon ziemlich nahe gekommen.

          Lehrgeld hat RB bei seinem Debüt in der Champions League jedenfalls nicht zahlen müssen. Der Blick geht dort schon im ersten Jahr in Richtung K.-o.-Runde, auch wenn es Leipzig in eine anspruchsvolle Gruppe mit dem FC Porto und Besiktas Istanbul verschlagen hat. Das 1:1 gegen Monaco war für den Klub daher nicht mehr als ein Auftakt, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Ansprüche und der Ehrgeiz sind dabei mit Blick auf den aktuellen Kader und die Perspektiven schon jetzt so groß, dass ein Unentschieden gegen Monaco weder den Trainer noch das Team glücklich machen konnten. Man kann es auch so sagen: RB Leipzig, die neue dritte Kraft des deutschen Fußballs in der Champions League, hat sich in dieser Saison nur als Neuling verkleidet. Es ist bloß eine Frage der Zeit, wann auch in Europa sein wahres Gesicht zum Vorschein kommt. Monaco und Trainer Jardim haben zumindest schon ein bisschen davon gesehen.

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