https://www.faz.net/-gtm-a4uun
Bildbeschreibung einblenden

Leipzig in Champions League : Auf höchstem Niveau konkurrenzfähig

Besonders motiviert, besonders Klasse: Dayot Upamecano, stand einst vor einem Wechsel ins Old Trafford. Bild: EPA

Blick für die kommenden Stars; ein homogenes Kollektiv, in dem die antrainierten Mechanismen greifen: Es gibt viele Gründe, warum RB Leipzig gegenwärtig ein ernstzunehmender Anwärter auf Titel ist – auch in Europas Eliteliga.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Seinen 22. Geburtstag verbrachte Dayot Upamecano zum Teil im Old Trafford, dem Stadion, das beinahe zu seiner sportlichen Heimat geworden wäre. In der Spielstätte von Manchester United hielt RB Leipzig vor dem Aufeinandertreffen beider Klubs an diesem Mittwoch (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Champions-League und auf DAZN/Sky) das Abschlusstraining ab, mit dabei war auch Upamecano, Leipzigs derzeit am meisten umworbener Spieler. Laut einem Bericht der englischen Zeitung „The Sun“ war der Franzose vor sechs Jahren schon einmal nach Manchester gereist, damals noch in Begleitung seiner Mutter, die für ihn als Erziehungsberechtigte einen Vertrag beim städtischen Fußballklub United unterschreiben sollte. Doch daraus wurde nichts, die aufgerufene Ablöse von 700.000 Pfund soll den Engländern zu teuer gewesen sein.

          Champions League

          Heute ist Upamecano ein Vielfaches wert, seine Ablöse wird auf 60 Millionen Euro beziffert, diverse Spitzenklubs haben ihr Interesse bekundet. Unter anderem nun auch Manchester United. Dass Upamecano über den Umweg Salzburg in Leipzig gelandet ist und nun auf der anderen Seite spielt, ist nicht das einzige Ärgernis aus Sicht der Engländer. RB hat United mittlerweile mehr als nur den Blick für kommende Stars voraus.

          Es ist noch gar nicht lange her, da hätte Leipzig in einer Gruppe mit Manchester United und Paris St-Germain als eindeutiger Außenseiter gegolten. Spätestens aber nach den furiosen Auftritten der vergangenen Saison, als RB nach Siegen über Tottenham und Atlético Madrid bis ins Halbfinale vordrang, zählt der Klub auch international zu den ambitionierteren Anwärtern. Das Überstehen der Gruppenphase ist das klare Ziel.

          Mannschaft zusammengehalten

          Fast alle Spieler, die beim Finalturnier in Lissabon dabei waren, gehören weiterhin zum Kader. Das in Portugal entstandene Selbstvertrauen trägt die Mannschaft durch die ersten Wochen der neuen Saison. Bereits vor dem Start in die Champions-League-Runde 2020/21 befand Torwart Peter Gulacsi, dass sich Leipzig unter sportlichen Gesichtspunkten vor niemandem in dieser Gruppe mehr verstecken müsste. Das 2:0 am ersten Spieltag gegen Basaksehir hatte dann den Charakter einer neunzigminütigen Beweisführung.

          RB Leipzig ist gerade dabei, zu den führenden Teams Europas aufzuschließen und sich seinen Platz in diesem elitären Kreis zu erspielen. Was auch daran liegt, dass die Mannschaft im Gegensatz zu vielen ihrer Konkurrenten auf höchstem Niveau nicht von Einzelkönnern abhängig und klug zusammengestellt ist. Leipzig definiert sich anders als United – das zu oft auf Inspiration durch den Portugiesen Bruno Fernandes hoffen muss – über ein homogenes Kollektiv, in dem die antrainierten Mechanismen unabhängig vom Personal greifen.

          Das sieht man gerade am besten im Angriff. Trotz des Wechsels von Timo Werner zum FC Chelsea ist es Trainer Julian Nagelsmann gelungen, eine potente Offensive zu erschaffen. Ohne den erfolgreichsten Angreifer der vergangenen Jahre verteilt sich die Aufgabe der Torerzielung eben auf sehr viele Schultern. Für Leipzigs zwölf Treffer in der Bundesliga sind acht verschiedene Schützen verantwortlich, in der Champions League traf zuletzt Flügelspieler Angeliño doppelt.

          Lesen Sie hier, warum der Spanier Angeliño unter Julian Nagelsmann zur Weltklasse aufblüht.

          Ohne echten Zielspieler ist Leipzig weniger ausrechenbar als in der Vergangenheit, zumal der RB-Kader Nagelsmann mehrere taktische und personelle Optionen bietet. Als Stoßstürmer hat sich etwa Yussuf Poulsen bewährt, Unterstützung erhält der Däne in der Champions League meist durch die etwas hinter ihm spielenden Dani Olmo, Christopher Nkunku oder wahlweise Emil Forsberg. Am Wochenende durften sich beim 2:1-Sieg über Hertha BSC dagegen die Zugänge Alexander Sörloth und Justin Kluivert im Angriff probieren. Die offenbarten zwar noch etliche Abstimmungsprobleme, erlauben Nagelsmann aber allein aufgrund ihrer individuellen Qualität, Stammkräfte wie Poulsen oder Olmo ausgeruht in die internationalen Vergleiche unter der Woche schicken zu können.

          In anderen Mannschaftsteilen sind die Variationsmöglichkeiten geringer, gegen Manchester fehlen Nordi Mukiele, Tyler Adams, Konrad Laimer, Lukas Klostermann und Amadou Haidara. Um die defensive Stabilität muss sich der Leipziger Trainer trotzdem keine Sorgen machen, dafür sorgt ja schon Abwehrchef Dayot Upamecano ganz allein. Und an der nötigen Motivation wird es dem Franzosen gegen United ganz sicher nicht mangeln.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Moral und Demokratie : Wenn politische Lager zu Feindesland werden

          Die Krise würfelt beim Verhältnis von Wissenschaft, Moral und Demokratie einiges durcheinander. Die moralische Neucodierung politischer Konflikte macht es den Bürgern nicht leichter, sich als Retter der Demokratie ins Zeug zu legen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.