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RB Leipzig in Champions League : Alles andere als Spitze

  • -Aktualisiert am

Trübe Stimmung: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Bild: EPA

Zu viele Aussetzer, zu wenige Automatismen, nicht genug Ansehen: RB Leipzig verzweifelt in der Champions League nicht nur an den Stars von Paris Saint-Germain. Der Klub ist so gut wie ausgeschieden.

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          Der Konjunktiv ist an sich schon eine wenig tröstliche Form. Beim Blick auf die Tabelle der Gruppe A verstärkte sich dieses Gefühl für Jesse Marsch noch mal. „Hätten wir einen Punkt geholt, hätten wir eine bessere Chance gehabt, die Europa League zu schaffen. So ist es sehr schwierig. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagte Leipzigs Trainer nach dem 2:3 bei Paris Saint Germain am Dienstagabend. Tröstlich war, wenn überhaupt, die Leistung, die seine Mannschaft über 90 Minuten lang geboten hatte gegen die Pariser Weltauswahl, bei der Neymar verletzt fehlte. Rein faktisch aber verkommt die gute Vorstellung zu einem Muster ohne Wert.

          Champions League

          Nach drei Niederlagen zum Auftakt ist RB Leipzig so gut wie ausgeschieden aus der Champions League. Jegliche Verweildauer ist höchst theoretischer Natur. Selbst Platz drei und das damit verbundene Weitermachen in der Europa League ist angesichts von vier Punkten Rückstand auf den FC Brügge illusorisch. Nach der Halbfinalteilnahme 2020 und dem Achtelfinale in der vergangenen Saison stellt sich Leipzig auf ein Frühjahr ohne internationale Spiele ein. Ein Rückschritt für das erfolgsverwöhnte Unternehmen.

          „Fußball ist manchmal nicht gerecht“, sagte Mittelfeldspieler Konrad Laimer beim übertragenden Sender DAZN. Damit fasste der Österreicher die Leipziger Gefühlslage in wenigen Worten zusammen. An diesem Abend im Pariser Prinzenpark wäre mehr drin gewesen, so die allgemeine Auffassung der Leipziger. „Wir haben gut gespielt. Gegen den Ball waren wir richtig gut. Wir haben in der zweiten Halbzeit sogar geführt und hatten alles im Griff. Dann haben wir aber einen sehr, sehr schweren Fehler gemacht“, sagte Marsch.

          Gemeint war Tyler Adams, der den Ball unter Bedrängnis direkt in den Fuß von Kylian Mbappé spielte. Dessen Hereingabe verwertete Lionel Messi zum Ausgleich. Ausgerechnet Adams, der bisher zu den Profiteuren des Trainerwechsels von Julian Nagelsmann zu Jesse Marsch gehört. Unter seinem Landsmann hat der 22 Jahre alte US-Amerikaner noch einmal an Wertigkeit gewonnen, in fast allen wichtigen Spielen dieser Saison gehörte er zum Stammpersonal im defensiven Mittelfeld.

          Adams’ Aussetzer war beispielhaft für die Auftritte von RB Leipzig in diesem Herbst, vor allem in der Champions League entschieden immer wieder individuelle Unzulänglichkeiten zugunsten der Gegner. „Wir müssen weniger Fehler machen. Gegen solche Gegner passt das nicht“, sagte Marsch. In Spielen gegen Manchester City (3:6) oder eben Paris wird der im Sommer vollzogene Umbruch umso deutlicher sichtbar, weil Mannschaften dieser Klasse Fehler jeder Art sofort bestrafen.

          Den Leipzigern steht der Frust nach der Niederlage ins Gesicht geschrieben.
          Den Leipzigern steht der Frust nach der Niederlage ins Gesicht geschrieben. : Bild: dpa

          Leipzig fehlen Sicherheit und Automatismen, die Mannschaft hat die Vorgaben des neuen Trainers längst noch nicht so verinnerlicht, um auf dem höchsten Niveau bestehen zu können. Das frühe Aus in der wohl schwersten aller Vorrundengruppen ist nur die logische Konsequenz.

          Dass seine Mannschaft nicht zur internationalen Spitze gehört, machte Marsch aber noch an einem anderen Punkt fest, und dieser brachte den Leipziger Trainer so richtig in Rage. Dem 1:0 der Pariser durch Mbappé war ein Foulspiel von Messi vorausgegangen. Und der Elfmeter, den Messi zum 3:2 verwandelte, entstand aufgrund eines Fouls von Mohamed Simakan, bei dem sich Mbappé allzu dankbar fallen ließ. Darauf angesprochen verlor Marsch die Fassung. „In der Champions League haben wir oft gesehen, dass die Topvereine viele Vorteile von den Schiris kriegen. Man muss das akzeptieren, es ist immer so. Ich habe das jetzt drei Jahre in Folge“, sagte Leipzigs Trainer, der zuvor Salzburg trainierte und sich mit den Österreichern ebenfalls im Nachteil wähnte.

          Trotz allem Ärger wollte er die positiven Erkenntnisse aber nicht vergessen. Die Leipziger Tore von André Silva und Nordi Mukiele waren hervorragend herausgespielt, beide Treffer fielen nach Vorlage des wiedererstarkten Angeliño, einer Schlüsselfigur unter Nagelsmann. In dessen bevorzugtem System mit Dreierkette genoss der Spanier einige Freiheiten in der Offensive. Als reiner Außenverteidiger in der Viererkette von Marsch mit mehr Defensivaufgaben kam er weit weniger zur Geltung. In Paris aber zeigte Angeliño wie die meisten seiner Mitspieler eine starke Vorstellung. „Wir haben mit Ruhe gespielt, waren bei Standardsituationen gefährlich und haben den Gegner kontrolliert“, lobte Marsch. Darauf lasse sich aufbauen.

          Am Sonnabend steht für RB das nächste Spiel an, dann kommt Greuther Fürth nach Leipzig. Ein Sieg gegen den Aufsteiger würde die Situation in der Bundesliga etwas entspannen. Dort macht das Ansehen der Tabelle für Leipzig auch weniger Spaß als in den Vorjahren. Nach einem holprigen Start ist RB nur Achter.

          Champions League

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