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Leipzig im Halbfinale : „Jetzt wartet ein geiles Spiel auf uns!“

Der Schiedsrichter pfeift ab, Kevin Kampl jubelt – und Torschütze Tyler Adams hält sich die Ohren zu. Bild: EPA

Durch das späte Tor eines Jokers zieht Leipzig erstmals ins Halbfinale der Champions League ein. Der Jubel ist nicht nur beim Trainer groß. Nun kommt es für ihn zum pikanten Wiedersehen mit Thomas Tuchel.

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          Der Jubel hatte etwas von Cristiano Ronaldo. Den Mund weit aufgerissen, die Fäuste geballt, und die Muskeln gespannt baute sich Julian Nagelsmann an der Seitenlinie auf und ließ seiner Freude freien Lauf. Nur behielt der Trainer von RB Leipzig selbstredend seinen feinen Zwirn an, während der Star aus Portugal bei solchen Gelegenheiten gerne mal alle Bekleidungsregeln des Fußballplatzes vergisst. Es lief Minute 88 im Viertelfinale der Champions League gegen Atlético Madrid. Der eingewechselte Tyler Adams hatte gerade mit einem abgefälschten Schuss zum 2:1 getroffen, als der Trainer schier aus dem Häuschen geriet am Donnerstagabend im zuschauerleeren Estádio José Alvalade XXI.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Bei diesem Ergebnis blieb es, als der Schiedsrichter knapp zehn Minuten später abpfiff. Leipzig steht erstmals in der noch so jungen Vereinsgeschichte im Halbfinale der Königsklasse. Dort kommt es am kommenden Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) auch zum pikanten Duell der deutschen Trainer: Nagelsmann und Leipzig treffen im Kampf um das Ticket für das Endspiel des Finalturniers in Portugal auf Thomas Tuchel und Paris Saint-Germain, das am Vortag mit dem gleichen Ergebnis in einer dramatischen Schlussphase Bergamo besiegt hatte.

          Vor dem Treffen der besten acht Mannschaften dieser Saison in der Champions League gab es die Hoffnung, dass der Weg zum Titel noch zugespitzter, noch spannender, noch dramatischer sei, weil sich, wie bei einer Welt- oder Europameisterschaft im angepassten Modus, alles auf ein Duell der Mannschaften fokussiert. Es bleibt kein Raum für Ausrutscher an einem schlechten Tag. Die ersten beiden von vier Viertelfinalspielen bestätigen die These. Mehr Dramatik geht kaum. An diesem Freitag stehen sich noch der FC Bayern und Barcelona, am Samstag Manchester City und Olympique Lyon gegenüber.

          Das kann sich Leipzig nach dem Coup gegen den Finalteilnehmer der Jahre 2014 und 2016 in aller Ruhe im Fernsehen anschauen. Als erst fünfte Mannschaft auf der Bundesliga nach den Münchnern, Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen steht der Klub aus Sachsen im Halbfinale einer Champions-League-Saison. „Wir haben Glücksgefühle und ich bin sehr stolz auf die Truppe“, sagte Nagelsmann. „Wir haben extrem leidenschaftlich verteidigt, waren das bessere Team und das gegen so eine gute und erfahrene Mannschaft. Das war heute sehr abgezockt von uns.“

          Von Torjäger Timo Werner, der maßgeblich daran beteiligt war, dass Leipzig überhaupt erst nach Portugal reisen durfte, der aber inzwischen zum FC Chelsea gewechselt ist, sprach an diesem Abend niemand. Vielmehr richteten sich die Blicke auf einen unwahrscheinlichen Fußballhelden in Leipziger Reihen. Tyler Shaan Adams, gerade 21 Jahre alter amerikanischer Nationalspieler, der 2019 von den New York Red Bulls gekommen war und der vertraglich bis Mitte 2025 gebunden ist, gelang der späte Schuss ins Glück. Es war das erstes Tor des Mittelfeldspielers für Leipzig überhaupt.

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