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Leipzig im Halbfinale : „Jetzt wartet ein geiles Spiel auf uns!“

„Ich bin eigentlich nicht der Torjäger. Ich wollte da sein, wenn ich gebraucht werde. Es macht mich stolz, was uns gelungen ist“, sagte Adams. In der Schlussphase, als das Pendel für den Sieger in beide Richtungen hätte ausschlagen können und die Verlängerung nahekam, fasste sich Adams ein Herz, nachdem er von Angeliño im Rückraum perfekt freigespielt worden war. Der Amerikaner zog mit rechts flach ab, Atléticos Abwehrspieler Stefan Savić fälschte unhaltbar für den Torwart ab, und der Jubel bei Leipzig kannte keine Grenzen. „Vielleicht war das 2:1 etwas glücklich, aber verdient“, sagte Marcel Sabitzer bei DAZN. Vor Paris hat der Österreicher großen Respekt: „Da kommt eine brutale Mannschaft auf uns zu.“

Adams hatte keinen so leichten Start in Leipzig. Die Spielweise war ihm nicht fremd, schließlich wird beim Kooperationspartner in New York eine ähnliche Strategie verfolgt. Doch Verletzungen zwangen ihn immer wieder zu Pausen. Erst war es eine Rückenverletzung, dann Adduktorenbeschwerden, im Februar kam ein Muskelfaserriss dazu. So wundert es wenig, dass nach eineinhalb Jahren erst 28 Spieleinsätze in der Bilanz stehen. In der Champions League spielte Adams lange gar nicht. Erst im Achtelfinal-Rückspiel gegen Tottenham Hotspur im März gab er als Einwechselspieler sein Debüt.

Und nun machte er sich mit seinem Knaller von Lissabon einen Namen – als erster Amerikaner, der in der Champions League in einer so späten Runde wie dem Viertelfinale traf. Zuvor war schon Dani Olmo gegen seine Landsleute erfolgreich gewesen. Der Spanier hatte Leipzig mit einem Kopfball in Führung gebracht (50.), Atlético gelang der Ausgleich durch einen Foulelfmeter des eingewechselten João Félix (71.). Dann ersparte Adams Leipzig das Nervenspiel in Verlängerung und Elfmeterschießen. „Wir sind nach dem 1:1 ruhig geblieben und haben auf unsere Chance gewartet“, sagte Sabitzer.

Für Yussuf Poulsen ist der Einzug ins Halbfinale eine spezielle Sache. Der Däne kam 2013 nach Leipzig, als der Klub noch in der dritten Liga spielte – niemand im aktuellen Kader ist länger dabei. Nun ist RB in ganz anderen Sphären unterwegs. „Diese Geschichte hätte man nicht besser schreiben können. Von der dritten Liga bis ins Champions-League-Halbfinale. Das gab es noch nie, weder für einen Verein noch für einen Spieler“, sagte Poulsen. „Ein großer Tag. Das müssen wir genießen. Jetzt wartet ein weiteres geiles Spiel auf uns!“ Auch bei Nagelsmann ist die Vorfreude groß. Überschnappen wollte der Trainer aber nicht: „Eine Titelansage gibt es nicht, aber es ist ja selbstredend und selbsterklärend, dass wir jetzt ins Finale kommen wollen.“

Vor gut zehn Jahren war Paris-Coach Tuchel Nagelsmanns Trainer in der zweiten Mannschaft des FC Augsburg. „Das ist lange Jahre her“, sagte der Leipziger nun. „Wir haben noch nie ein extrem inniges Verhältnis gehabt. Aber geht es nicht um Trainerduelle gegen Mourinho, Simeone oder jetzt gegen Tuchel. Es ist ein Mannschaftssport und die Mannschaft hat es herausragend gemacht.“ Da interessierte es Nagelsmann auch wenig, dass RB die erste Elf ist, die Atlético unter Trainer Diego Simeone in einer K.o.-Runde der Champions League besiegte – ohne Ronaldo im Team zu haben. Aber dafür haben sie einen Trainer, der sein Handwerk versteht und fast so jubeln kann wie der Star von Juventus Turin.

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