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Vor Champions-League-Duell : Wie sich Raheem Sterling gegen Rassismus positioniert

  • -Aktualisiert am

Will mit Manchester City ins Champions-League-Halbfinale: Raheem Sterling Bild: dpa

Raheem Sterling trumpft in dieser Saison bei Manchester City auf. Mit seinem Team will er ins Halbfinale der Champions League. Der Angreifer setzt sich auch offen gegen Beleidigungen ein – und sendet ein starkes Zeichen.

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          Raheem Sterling ist auf einem guten Weg, die laufende Saison zu seiner bislang besten zu machen. Nach 44 Spielen in allen Wettbewerben steht der Angreifer vom englischen Fußball-Meister Manchester City bei 21 Toren und 16 Torvorlagen. In der vorigen Saison hatte er insgesamt 23 Tore und 17 Vorlagen erreicht. Und ihm bleiben bis zur Sommerpause noch mindestens sechs Spiele, um diese Werte zu übertreffen – mehr, wenn Manchester City es im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen die Tottenham Hotspur an diesem Mittwochabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) schafft, die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel umzudrehen.

          Champions League

          Dabei wird es vor allem auf Sterling ankommen, der sich am vergangenen Spieltag in der Premier League mit zwei Toren gegen Crystal Palace in Stimmung gebracht hat. „Sterling ist der wichtigste Angreifer in dieser City-Mannschaft geworden“, schrieb danach der „Guardian“ über den 24 Jahre alten Profi. „Der Spieler, der die gegnerischen Fans erschauern lässt.“

          Gegen Crystal Palace hatte Sterling nach wenigen Minuten zunächst eine erstklassige Möglichkeit vergeben: Unbehindert und aus kurzer Distanz hatte er den Ball nach einem Querpass mit dem linken Fuß am Tor vorbeigeschoben, gefolgt von sarkastischem Applaus der Palace-Fans. Wenig später aber wurde er von Kevin De Bruyne mit einem traumhaften Flachpass durch die gesamte Palace-Abwehr hindurch in Szene gesetzt; Sterling erlief sich den Ball im Vollsprint und schoss ihn mit dem starken rechten Fuß unter die Latte. In der zweiten Halbzeit machte er es dann aus ähnlicher Lage wie bei seiner vergebenen Großchance besser und drückte den Ball nach einer Hereingabe mit dem linken Fuß neben den Innenpfosten. Im Jahr 2019 liegt Sterling mit acht Toren im internen Wettbewerb hinter seinem Sturmkollegen Sergio Agüero, der zehnmal getroffen hat. Dafür hat Sterling zwei Vorlagen mehr gegeben.

          Wegen seiner anhaltend starken Leistungen ist Sterling für den Preis als bester Spieler des Jahres nominiert, der jährlich von der Vereinigung der Profifußballer verliehen wird. Aber nicht nur deswegen, sondern auch weil er sich offensiv gegen Rassismus im Fußball positioniert. Sterling selbst ist wegen seiner Hautfarbe schon häufiger rassistisch beleidigt worden, etwa beim Auswärtsspiel mit City beim FC Chelsea im Dezember oder im März mit der englischen Nationalmannschaft beim Europameisterschafts-Qualifikationsspiel in Montenegro. Nach seinem Tor zum 5:1 für England stellte er sich vor die Tribüne, aus deren Richtung die Beleidigungen gekommen waren, grinste und legte die Hände an die Ohren, um zu signalisieren: Ich höre ja gar nichts mehr! Auf Twitter schrieb er später, das Tor sei die beste Möglichkeit gewesen, die Rassisten zum Schweigen zu bringen. Dem Vorschlag, dass Teams in solchen Fällen geschlossen den Platz verlassen sollten, widersprach Sterling jedoch: „Wenn wir gehen, haben die gewonnen.“

          Schon zuvor hatte Sterling beklagt, dass Teile der englischen Presse seiner Ansicht nach dazu beitragen, Fußballer mit dunkler Hautfarbe zu diffamieren und den Rassismus in den Stadien damit zu befeuern. Als Beispiel nannte er zwei Berichte der Boulevardzeitung „Daily Mail“. In beiden ging es darum, dass junge Profis von Manchester City jeweils noch am Anfang ihrer Karriere teure Häuser gekauft hatten. Bei Phil Foden, einem hellhäutigen 18-Jährigen, berichtete das Blatt, der Spieler habe „sich eine Zukunft in Manchester aufgebaut, indem er seiner Familie ein neues Zuhause gekauft hat“. Es sei dem Teenager wichtig, die Familie eng zusammenzuhalten, trotz seines Erfolgs.

          Beim dunkelhäutigen Tosin Adarabioyo schrieb das Blatt dagegen: „Der 20-Jährige hat noch nie in der Premier League gespielt, aber besitzt jetzt eine Villa im Wert von 2,25 Millionen Pfund.“ Sterling sagte zu dieser Art der Berichterstattung: „Beide haben das Richtige getan, indem sie ihren Müttern ein Haus gekauft haben, die viel Zeit und Liebe investiert haben, um sie dorthin zu bringen, wo sie jetzt sind. Aber guckt euch an, wie die Zeitungen über den jungen schwarzen Spieler und den jungen weißen Spieler schreiben.“ Adarabioyo sei durch die negativen Formulierungen im Artikel gezielt in ein schlechtes Licht gerückt worden. Das sei nicht zu akzeptieren.

          Wegen seines Engagements gegen Diskriminierung ist Sterling im April mit einem Award zur Feier der ethnischen Vielfalt im britischen Sport ausgezeichnet worden. Der englische Nationaltrainer Gareth Southgate sagte über Sterling, er habe sich zu einem Vorbild für junge Spieler entwickelt: „Ich bin sehr beeindruckt davon, wie erwachsen er ist und wie er über so wichtige Themen spricht.“ Das zeige sein starkes gesellschaftliches Bewusstsein. „Er spielt eine weitere überragende Saison, und er stellt sich sämtlichen Herausforderungen.“

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