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Real Madrid : Was ist nur mit Ronaldo los?

Cristiano Ronaldo ist zwar Weltfußballer, spielt derzeit aber nicht unbedingt so Bild: AP

Vor einem Jahr verlor Schalke 1:6, nun gibt es Hoffnung: Real Madrid steckt vor dem Duell in der Champions League (20.45 Uhr) in einer spielerischen Krise. Sinnbild ist ist Weltfußballer Cristiano Ronaldo.

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          Es wäre ein Irrtum, zu glauben, wir würden das 6:1 vom letzten Jahr wiederholen.“ So sprach Torwart Iker Casillas, und so empfinden in Madrid alle Realisten. Nicht nur wegen erhöhter Schalker Wachsamkeit, sondern auch, weil der spanische Rekordmeister in eine dicke Krise gerutscht ist.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Das Verletzungspech trägt dazu bei: Erst fiel vor Monaten Luka Modrić aus, der Traumpartner von Toni Kroos im Mittelfeld. Dann folgten die Innenverteidiger Pepe und Sergio Ramos sowie der Kolumbianer James Rodríguez, ein weiterer technisch versierter Mann im Maschinenraum. Und schon ist der Motor des Champions-League-Siegers ins Stottern geraten.

          Was sich bei den letzten lauen Partien beobachten ließ, war das alte Problem. Vorn ist Real mit Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema bis an die Zähne bewaffnet - aber im Zentrum des Geschehens haben sie nicht mehr genug geschickte Beine, um ihren Paradesturm mit Bällen zu versorgen.

          Neuerdings gelingt es sogar mittelmäßigen Teams der Primera División, den Stars die Passwege zu versperren. Beim schmeichelhaften 2:0 am Samstag gegen Deportivo La Coruña etwa, der nur halb gelungenen Wiedergutmachung für die 0:4-Schmach beim Lokalrivalen Atlético, zeigte der Gegner aus Galicien das deutlich besser organisierte Spiel, und die Zuschauer bedachten die eigenen Leute mit Pfiffen.

          Ronaldo und die Trennung von der Freundin

          Ins Zentrum argwöhnischer Beobachtung gerät dabei immer mehr Cristiano Ronaldo. Zu Beginn des Jahres mit seinem dritten Ballon d’Or ausgezeichnet, zeigt sich der Portugiese diesen Winter in auffällig schlechter Verfassung. Führte er im alten Jahr die Torjägerliste mit mehr als zehn Treffern Vorsprung an, hat Ronaldo die Produktion weitgehend eingestellt, versiebt die dicksten Chancen und nimmt wenig am Spiel teil. Vier Ligatore im Jahr 2015 sind die magere Ausbeute.

          Den Stapel von Entschuldigungen, die es dafür gäbe, wollen die Fans nicht gelten lassen: Ja, der Mann hat sich nach fünf Jahren von seiner Freundin getrennt; er ist dreißig geworden und wollte mal eine Party feiern, zu dumm, dass es ausgerechnet am Tag der Schlappe gegen Atlético sein musste. Und da sind die anhaltenden Gerüchte um seinen Gesundheitszustand. Glaubt man den Quellen der Tageszeitung „El País“, ermahnt das medizinische Personal des Klubs den Stürmer schon seit längerem, seine explosive Spielweise umzustellen. Andernfalls seien Verschleißverletzungen unvermeidlich.

          Aber kann er das überhaupt? Ein bahnbrechendes Spiel wie Portugals 3:2 gegen Schweden vor kaum fünfzehn Monaten, bei dem er in Sprintermanier alle drei Tore schoss, zeigte die Qualitäten des Muskelmanns: Antizipation, schnellen Antritt und grandiose Schusstechnik. Doch der alte Ronaldo ist schon seit April 2014 kaum zu sehen.

          Letztes Jahr zwang das lädierte Knie den Star in der heißen Phase der Saison zum Kürzertreten, so dass in den entscheidenden Spielen andere die Tore schossen, die nach Selbsteinschätzung Ronaldo vorbehalten gewesen wären: im Finale der Copa etwa oder bei den Champions-League-Erfolgen gegen Bayern München und Atlético Madrid. Leichte Treffer zum Liga-Auftakt und das entfesselte Spiel der Real-Mittelfeldreihe im Herbst verhalfen Ronaldo vorübergehend zu einer glänzenden Statistik. Doch bei den ersten Härtetests knickte er ein.

          Umstrittene Geburtstagsparty nach Atlético-Pleite

          Ein Hauch von Götterdämmerung liegt in der Luft. Hatte Ronaldo in den letzten beiden Spielzeiten durch äußerste Professionalität den Respekt auch derer gewonnen, die seine Eitelkeit weniger schätzen, läuft er Gefahr, sein Image durch unbedachtes Auftreten zu beschädigen. Dazu gehört der Urschrei, den er beim Erringen des „Ballon d’Or“ in Zürich ausstieß (und der ihm seitdem in Auswärtsspielen entgegenschallt). Oder die hässliche Tätlichkeit, für die er sich kürzlich einen Platzverweis einhandelte.

          Oder die umstrittene Geburtstagsparty, bei der er sich mit Hütchen und Glas in der Hand filmen ließ. Ob er dabei einen Cocktail oder Fruchtsaft zu sich nahm, muss offenbleiben, und seine frühere Lebensgefährtin ließ mitteilen, die Kritik sei „nicht fair“. Fest steht, dass der spanische Profiligaverband gegen eine Fangruppe des FC Barcelona vorgehen wird, die im Stadion Camp Nou, 600 Kilometer von Madrid entfernt, laut Aktenvermerk „wiederholt, im Chor und auf geordnete Weise“ die Zeile „Cristiano ist ein Säufer“ zum Besten gab.

          Auch die Torproduktion in der spanischen Liga funktioniert nicht mehr

          Wiedereröffnet ist jedenfalls das Duell der weltbesten Angreifer: Messi gegen Ronaldo. Während der Portugiese schwächelt, dreht der Argentinier bei Barça mächtig auf und hat durch seinen Hattrick gegen Levante die Saisonleistung auf 37 Treffer geschraubt, einen mehr als sein Konkurrent. Der Besuch in Schalke an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) wäre die Gelegenheit zur Rehabilitation.

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