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Dortmunds Jadon Sancho : Das Juwel mit der schmerzhaften Kindheit

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„Ich möchte den Kids in Süd-London sagen: Tut diese schlimmen Dinge nicht“: Jadon Sancho. Bild: AFP

Jadon Sancho hat es zu Borussia Dortmund in die Hochglanzwelt des Profifußballs geschafft. Nun kehrt der 18 Jahre alte Jungstar in der Champions League zurück nach England, wo er eine schwierige Zeit hatte.

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          Die Frage nach seiner Kindheit im rauen Londoner Stadtteil Kennington beantwortet Jadon Sancho zögerlich. „Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen“, sagt der englische Jungstar von Borussia Dortmund, der Blick zurück scheint schmerzhaft zu sein. „Aber es ist nicht einfach. Besonders, wenn die Leute um dich herum schlimme Dinge tun.“ Welcher Natur jene „schlimmen Dinge“ waren, bleibt im AFP-Interview unausgesprochen. Man kann sie sich vorstellen: Der Guardian schrieb 2018 unter der Schlagzeile „Straßen der Angst“ über Gang-Kriminalität und Messerstechereien in anonymen Hochhäuser-Blocks, den immerwährenden Kampf gegen Drogendealer.

          Jadon Sancho, 18, hat es von dort in die Hochglanzwelt des Profifußballs geschafft. Mit dem BVB kehrte er nach London zurück, um an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) bei Tottenham Hotspur anzutreten. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, doppelt in neuer Funktion: Er ging als Nachwuchsspieler und ist nun ein Star, er ging als Junge und ist nun ein Vorbild. „Ich möchte den Kids in Süd-London sagen: Tut diese schlimmen Dinge nicht“, sagt Sancho. „Ihr müsst keine Fußballer werden. Konzentriert euch auf die Schularbeit. Bildung ist das Wichtigste – und viele Kinder werden von ihr ferngehalten.“

          Das klingt erstaunlich erwachsen für einen 18-Jährigen und zeugt zugleich von einer Einsicht: Es hätte ganz anders kommen können. Hätte er sich nicht mit sieben Jahren dem FC Watford angeschlossen. Wäre er nicht später entgegen seinem Gefühl an die fußballaffine Harefield Academy im Londoner Westen gegangen, (zu) früh getrennt von Freunden und Familie. „Ich wollte dort nicht hinziehen, ich wollte pendeln“, sagt er. Die folgenden „harten Jahre“ helfen dabei, in Deutschland besser Fuß zu fassen. Er fremdelt – welch Wunder – noch mit der Sprache, sein Vater Sean lebt mit ihm in seiner Wohnung. Doch: „Ich bin es gewohnt, fern der Heimat zu sein.“ Auf dem Platz hätte die Anpassung nicht glänzender laufen können. Jadon Sancho ist mit seinen Sprints und Dribblings die Sensation der Bundesliga.

          Deshalb ist der Flügelspieler auch überglücklich, die vielen Sprünge ins Dunkle gewagt zu haben. Jener nach Dortmund war einer aus Perspektivlosigkeit: Bei Manchester City, wo Sancho mit 15 begann, konnte ihm Teammanager Pep Guardiola keine Einsätze garantieren. Sancho ist damit zum Musterbeispiel jener jungen Spieler geworden, die in England kein Vertrauen finden – weil die Klubs mit Millionen um sich werfen und den Schatz im eigenen Keller übersehen.

          Es steht zu vermuten, dass Guardiola ab und an wehmütig auf Sanchos Traumtore schaut. Denn was der kann, hat sich City in Person des deutschen Nationalspielers Leroy Sane (für 50 Millionen Euro von Schalke 04) teuer erkauft. „Ich bin hierhin gekommen, weil die jungen Spieler hier eine Chance bekommen“, sagt Sancho über den BVB. Er hat Christian Pulisic verdrängt, der für 64 Millionen zum FC Chelsea wechselt. Klar: nach England. So selbstverständlich seine Ballfertigkeit erscheint, so ungewohnt ist für Sancho noch der Rummel. „Das ist verrückt.“ Entsprechend hoch war die Nachfrage aus der Familie und von alten Freunden: 30 Eintrittskarten musste Sancho für das Spiel besorgen.

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