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Guardiola gegen Enrique : Das Duell der Söhne Barças

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Enrique und Guardiola haben große Teile ihrer Karriere gemeinsam bestritten. Bild: Picture-Alliance

Prediger des schönen Spiels: Als Trainer des FC Bayern und des FC Barcelona sind Pep Guardiola und Luis Enrique unterschiedlich – und sich trotzdem sehr nah. Dennoch zählt im Champions-League-Halbfinale am Mittwoch (20.45 Uhr) nur der Erfolg.

          In seinem Haus in Gavà, an der katalanischen Küste, hat Luis Enrique ein paar Zettel an die Wand geklebt. 1620 steht auf einem der rechteckigen Blätter, 1557 auf dem darunter. Luis Enrique hat für Spanien bei Welt- und Europameisterschaften gespielt und trainiert derzeit eine der besten Fußball-Mannschaften der Welt, den FC Barcelona. Aber was er zu Hause an sportlichen Erfolgen ausstellt, sind diese Nummern, 1620, 1557. Es sind seine Startnummern von Ironman-Rennen im Triathlon, die er in den jüngsten Jahren als Freizeitsportler in Nizza und Frankfurt absolvierte.

          „Ich war schon immer ein komisches Viech“, sagt er, „bereits als Fußball-Profi hatte ich die Idee, mal Marathons zu laufen und Triathlons zu bestreiten.“ Er liebt es, beim Sport die Anstrengung zu spüren. So begann er nach dem Karriereende als Fußballer, mit Mitte dreißig, richtig viel zu trainieren, Laufen, Radfahren, Schwimmen. Es ist einer dieser wunderbaren Widersprüche des Lebens, dass Luis Enrique – Bestzeit 10:19 Stunden im Ironman, 2:57 Stunden im Marathon – nun als Trainer des FC Barcelona jenes Team verantwortet, das Fußball als scheinbar anstrengungsloses Spiel zelebriert.

          Das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr / ZDF, Sky und im FAZ.NET-Liveticker) zwischen Barça und dem FC Bayern München soll ein Fest dieses spielerisch leichten Fußballs werden, denn zum ersten Mal trifft Barça auf einen Gegner, der genauso spielt; der ein kultiviertes Passspiel aufzieht, der ständig mit fast allen Mann in Gegners Hälfte agiert. Zum ersten Mal trifft Barça quasi auf sich selbst; auf den FC Bayern von Trainer Pep Guardiola, dem nach München emigrierten Chefideologen der Barça-Schule.

          Luis Enrique - der Adoptivsohn Barças

          Was da passiert, wenn sich erstmals zwei Weltklasseteams mit der Idee vom absoluten Ballbesitz begegnen, ist eine aufregende Frage: Wird es ein nie gesehenes prächtiges Hin und Her, ein Stakkato aus eleganten Pässen? Oder stürzen sich beide Teams ins Chaos, weil keines von ihnen das gewohnte langatmige Passspiel aufziehen kann? Braucht es am Ende zwei Bälle, damit jede Mannschaft spielen kann? Oder kommt es zu einem einseitigen Duell, weil den Bayern in den vergangenen Wochen die Spieler ausgegangen sind?

          Dass dabei auch verglichen wird, wer denn das wahre Maß des eleganten Ballspiels ist, der FC Bayern Pep Guardiolas oder die Elf von Luis Enrique, versteht sich; das versteht selbstverständlich auch Enrique. „Ich weiß, bei dem Halbfinale geht euch einer ab“, sagte er in seiner nonchalanten Art zu den Sportreportern: „Pep zum ersten Mal gegen sein Barça, das ist etwas Besonderes. Und natürlich ist die Paarung auch für mich speziell, weil ich zum ersten Mal gegen ihn spielen werde.“

          Sprunghaft emotional: Bayern-Trainer Pep Guardiola

          Große Teile ihrer Karriere haben sie Seite an Seite bestritten, angefangen vom Olympiasieg 1992, später waren sie bei Barça und in der Nationalelf Mittelfeldpartner. „Pep ist mein Freund“, sagt Enrique. Sie sind fast gleich alt, 44, und doch haben sie eine ganz unterschiedliche Sozialisation in der Barça-Denkschule erfahren. Pep Guardiola ist der Lieblingssohn Barças, der Junge aus dem katalanischen Hinterland, der mit 14 als Fußballinternatsschüler des Klubs ein dunkles Zimmer unter der Stadiontribüne bezog. Schmächtig und nicht besonders schnell, wurde Guardiola zum lebenden Beweis des Barça-Glaubens, dass die Ästhetik sogar im Sport über die rohe Körperlichkeit triumphieren könne: mit flinkem Geist und strategischer Klasse setzte er sich auf dem Spielfeld durch. Fleißig und redlich, Buchleser und Kinobesucher, erscheint er den Katalanen so, wie sie sich selbst gerne sehen.

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