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Champions League : So trickste Guardiola Real Madrid aus

Der Plan geht auf: Pep Guardiolas Taktik führt Manchester City zum Sieg in Madrid. Bild: Reuters

Diesmal geht die Taktik auf: Der Trainer steht nach Manchesters Erfolg in Madrid als Sieger da. Der Traum vom Triumph in der Champions League lebt. Im Fokus ist auch Toni Kroos – obwohl er gar nicht mitspielt.

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          Zu besprechen gab es nachher mehr als genug. Und so plauderte Pep Guardiola vor den Kabinen im Estadio Santiago Bernabeu zu später Stunde mit Toni Kroos. Worüber der Trainer von Manchester City und der Mittelfeldspieler von Real Madrid, die sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Bayern kennen, redeten, wurde nicht bekannt. Doch das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen zwei Schwergewichten des europäischen Fußballs lieferte allerhand Geschichten. Die Engländer gewannen nach Rückstand durch ein Tor von Isco (60. Minute) noch mit 2:1 Toren, weil Gabriel Jesus (78.) und Kevin de Bruyne per Elfmeter (83.) die Partie drehten. Zudem sah Real-Kapitän Sergio Ramos die Rote Karte (86.).

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ein Thema dürfte die Aufstellung von Madrid gewesen sein, in der Kroos überraschend fehlte. Der Weltmeister von 2014, im Mittelfeld der „Königlichen“ eigentlich eine feste Größe, wurde auch später nicht eingewechselt, sondern saß 90 Minuten auf der Bank. Reden wollte er danach nicht – zumindest nicht öffentlich. Das tat dafür der, der die Entscheidung getroffen hatte. Allerdings blieb Zinedine Zidane bei seinen Ausführungen auf Nachfrage vage. „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Es war eine taktische Entscheidung und ich habe nichts gegen ihn“, sagte der Trainer. „Ich habe für dieses Spiel einen anderen Spieler gewählt.“ Das war der erst 21 Jahre alte Federico Valverde.

          Bis zum Führungstor von Real war die Partie nicht mit vielen Höhepunkten gesegnet. Beide Mannschaften setzten auf eine eher vorsichtige Taktik, schließlich galt es, sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 17. März in Manchester zu erarbeiten. Zidane sprach danach über die Zurückhaltung, die Real in einem Heimspiel nicht unbedingt ähnlich sieht. „Wegen der offensiven Stärke von Manchester wollten wir abwartend agieren. Die letzten zehn Minuten haben uns das Spiel gekostet“, sagte der Franzose. „Wir haben geführt und bekommen dann in fünf Minuten zwei Gegentore“, ärgerte sich auch Torwart Thibaut Courtois.

          Kämpferisch wie auf dem Spielfeld kam der brasilianische Abräumer Casemiro daher. Er übertrieb ein wenig, als er von seiner Elf „75 spektakuläre Minuten gegen ein großes Team“ sah. Und er ist auch noch guter Hoffnung für einen Einzug ins Viertelfinale. „Wenn eine Mannschaft in der Lage ist, diesen Rückstand im Rückspiel aufzuholen, dann ist es Real“, sagte Casemiro. Bevor es nach England geht, steht für Real am Sonntag (21.00 Uhr bei DAZN) aber erstmal ein anderes großes Spiel an: der Clásico gegen den FC Barcelona.

          Manchester City spielt auch am Sonntag, sogar in einem Finale. Das Endspiel um den Ligapokal gegen Aston Villa (17.30 Uhr bei DAZN) ist aber bei weitem nicht so bedeutend wie ein Erfolg in der Königsklasse. Vor allem, wenn die Sperre der Europäischen Fußball Union (Uefa) bestätigt wird. Am Spieltag wurde bekannt, dass der Klub beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Berufung gegen den von der Uefa verhängten Europapokal-Bann eingelegt. Ein entsprechendes Schreiben sei nun eingegangen, teilte der Gerichtshof in Lausanne am Mittwoch mit. Es sei noch nicht möglich anzugeben, wann eine Entscheidung in dem Verfahren getroffen werde, hieß es in der Mitteilung.

          Manchester City war Mitte Februar von der Uefa wegen „schwerwiegender Verstöße“ gegen die Regeln des Financial Fairplay für die kommenden beiden Spielzeiten aus dem Europapokal ausgeschlossen worden und muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro zahlen. Der Klub soll Sponsoreneinkünfte weit über Gebühr bewertet und damit bewusst getäuscht haben. Wie das Verfahren ausgeht, ist völlig offen. Bleibt die Strafe bestehen, würde Manchester City finanziell und sportlich weit zurückgeworfen. Umso bedeutender wäre ein Titelgewinn in dieser Saison in der Champions League.

          Das ist auch das große Ziel von Guardiola. Mit Barcelona holte er den Pokal zwei Mal, in den Jahren 2009 und 2011. Das ist lange her. Weder mit dem FC Bayern noch mit Manchester gelang ein weiterer Triumph. Und es kam Kritik am Katalanen auf. In den wichtigen Spielen, gegen die großen Gegner, habe er sich verdribbelt mit seinen komplizierten Taktiken. Doch Guardiola wäre nicht Guardiola, wenn er es nicht immer wieder versuchen würden. Auch beim Duell mit Real Madrid, das ihn unter Carlo Ancelotti 2014 in seiner Münchner Zeit einmal bei einem 0:4 im eigenen Stadion böse vorführte, hatte sich der Trainer wieder etwas Spezielles ausgedacht. Und diesmal ging der Plan tatsächlich auf.

          Der Trick: Guardiola verzichtete überraschend auf seinen besten Torjäger. Sergio Aguero erlebte das Spiel nur als Zuschauer. Für ihn rückte Gabriel Jesus ins Team. Allerdings agierte der nicht als Sturmspitze wie gewohnt. Stattdessen kam der Brasilianer über links im offensiven Mittelfeld. Die vordere Reihe war mit den Mittelfeldspielern Bernardo Silva und De Bruyne. Das verwirrte Real. Jesus und De Bruyne trafen spät, Jesus sorgte zudem mit seinem Sprint für die Rote Karte wegen Notbremse von Ramos. „Manchmal gibt es Überraschungen“, sagte de Bruyne über die Taktik von Guardiola. „Selbst wir Spieler wissen bis kurz vor das Spiel nicht immer genau, was wir machen müssen. Manchmal ist das gut gegangen, manchmal weniger.“ Diesmal ging es gut.

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