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Nach Aus gegen Atlético : „Ich habe mein Leben für diese Spieler gegeben“

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Das war’s: Pep Guardiola wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff Bild: dpa

Gegen Atlético zeigt der FC Bayern seine beste Leistung seit langem unter Pep Guardiola. Dass die Münchner das Champions-League-Finale trotz ihres 2:1-Sieges verpassen, lässt den Trainer dennoch gut schlafen.

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          Es war ein Fußballspektakel, bei dem für den FC Bayern München mehr möglich gewesen wäre als dieser am Ende wertlose 2:1-Erfolg über Atlético Madrid. „Wir hätten drei, vier, fünf Tore schießen können“, sagte Pep Guardiola später. Der spanische Trainer ist mit den Bayern am Dienstagabend zum dritten Mal nacheinander im Halbfinale der Champions League ausgeschieden und dabei jedes Mal an einer spanischen Topmannschaft gescheitert.

          War aber das Ende aller Münchner Träume vom Erreichen des Endspiels gegen Real Madrid 2014 und den FC Barcelona 2015 zu deutlich, um einer verpassten Gelegenheit nachtrauern zu können, brauchte Atlético viel Glück, um den 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel nicht gänzlich zu verlieren. Während sich die Rojiblancos aus dem Süden der spanischen Hauptstadt nach einer ersten Halbzeit, in der die Bayern in Orkanstärke über sie hinwegfegten, auf das Finale am 28. Mai in Mailand freuten, konnten die Münchner kaum glauben, dass sie nach ihrem seit Monaten besten Auftritt mit leeren Händen dastanden.

          „Uns allen fehlen die Worte“, sagte Torhüter Manuel Neuer nach einer intensiven, hochklassigen und hochemotionalen Begegnung. „Wir haben über 75 Minuten in Madrid starken Fußball gezeigt und heute über das ganze Spiel. Es ist sehr bitter, dass wir die Reise nach Mailand nicht antreten dürfen.“ Dorthin fliegen Atlético und der Sieger des an diesem Mittwoch ausgespielten zweiten Halbfinales zwischen dem Madrider Ortsrivalen Real und Manchester City (20.45 Uhr live auf Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET).

          Zwei Schlüsselszenen wendeten am Dienstag die Begegnung zwischen zwei Teams mit unterschiedlichen Strategien und Spielweisen zugunsten der zähen und von ihrem argentinischen Trainer Diego Simeone auf extreme Effektivität getrimmten Spanier. Da war zum einen nach Xabi Alonsos Führungstor für die Bayern per Freistoß (31. Minute) der Strafstoß, den Thomas Müller drei Minuten später vergab – nachdem Giménez bei einem Eckball Javi Martinez zu Boden gerissen hatte. Der bewährte Elfmeterschütze Thomas Müller aber fand diesmal mit seinem halbhohen Schuss in Torhüter Jan Oblak seinen Meister. Ein 2:0 für die Bayern hätte Guardiolas Team womöglich noch mehr Sicherheit gegeben und die Lust auf perlenden Angriffsfußball weiter beflügelt.

          So aber war bis zur Pause beim 1:0 für die aktiveren und besseren Deutschen noch alles offen – eine Situation, die Atlético aus der Bredouille half. Es folgte kurz nach dem Wechsel die zweite Schlüsselszene, als Boateng ein langer Pass in den gegnerischen Strafraum missglückte, das Team von Simeone daraus einen eigenen Konter – eine der Spezialitäten dieser defensiv besten europäischen Mannschaft – entwickelte, der im Zusammenspiel zwischen Antoine Griezmann und Fernando Torres zum 1:1 (54.) durch den Franzosen führte, auch weil Alaba nicht energisch genug den Körperkontakt zu Torres gesucht hatte.

          Es hat nicht gereicht: Thomas Müller und Mitspieler trauern nach dem Schusspfiff. Bilderstrecke

          Nach Minuten des Entsetzens fingen sich die Münchner noch einmal, erzielten durch Lewandowski eine Viertelstunde vor Schluss per Kopfball das 2:1, ohne noch einmal nachlegen zu können. In der dramatischen Schlussphase vergab Torres dann noch einen unberechtigten Foulelfmeter nach Martinez‘ Foul an ihm (84.) außerhalb des Sechzehnmeterraums, und die Bayern vergaben in ihrem letzten Sturmlauf auch noch ein paar gute Chancen zu einem Happy End. „Der Fußball“, fasste Pechvogel Müller einen denkwürdigen Europapokalabend zusammen, „ist manchmal extrem gemein. Wir haben sehr viel richtig gemacht und ein bisschen was falsch. Leider Gottes war das nicht genug.“

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          Guardiola, der zur neuen Saison sein neues Glück bei Manchester City zu finden hofft, schien fast eine Spur erleichtert, dass er dem Druck, mit den Bayern wie sein Vorgänger Jupp Heynckes 2012 das Triple zu schaffen, nicht mehr standhalten muss. Seine Worte nach seinem letzten Champions-League-Spiel in Diensten des FC Bayern klangen schon nach Abschied. „Ich habe mein Leben für diese Spieler und diesen Verein gegeben, wir haben gezeigt, wer wir sind. Wenn du machst, was wir gemacht haben, kannst du gut schlafen.“ Den Bayern prophezeite der Katalane eine „perfekte Zukunft“ unter seinem Nachfolger Carlo Ancelotti. Er selbst aber stellte an einem Abend, an dem ihm niemand einen Vorwurf machen konnte, die Mannschaft falsch auf- oder eingestellt zu haben, fest: „Ich bedaure nichts.“

          Wenn er am Samstag beim Auswärtsspiel in Ingolstadt (15.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) die dritte deutsche Meisterschaft nacheinander mit den Bayern gewinnen sollte, hat er die nationalen Ansprüche an sein Wirken vollkommen erfüllt, zumal er auch noch zum zweiten Mal den DFB-Pokal im Finale gegen Borussia Dortmund erobern kann. Der Makel aber, bei den Bayern anders als zuvor beim FC Barcelona kein Trainer für die größten internationalen Kraftproben gewesen zu sein, bleibt an Pep Guardiola haften. So wie er nach dem unglücklichen Aus gegen Atlético aussah und redete, kann er damit ganz gut leben.

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