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Champions-League-Finale : Guardiola macht immer den gleichen Fehler

Wieder nichts: Pep Guardiola verpasst den Champions-League-Titel mit Manchester City. Bild: EPA

Manchester City galt als beste Mannschaft der Saison. Doch das Finale in der Champions League geht verloren. Das liegt daran, dass Pep Guardiola mal wieder ein Experiment wagt, das komplett misslingt.

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          Da stand er nun und schaute auf den Rasen. Die Stirn leicht in Falten gelegt, den Blick auf den Boden gesenkt, die Arme vor dem Körper verschränkt. Pep Guardiola dachte nach und versuchte das, was er soeben erlebt hatte, zu verarbeiten. Es war die letzte Denksportaufgabe dieses Abends für den Trainer von Manchester City. An der, die er zuvor im Finale um den Titel in der Champions League zu lösen hatte, war er gescheitert. Wieder einmal. ManCity verlor in Porto gegen den englischen Rivalen FC Chelsea 0:1. Und Guardiola trug die Hauptschuld. Womöglich wusste er es. Eingestehen wollte er es aber nicht. Zumindest nicht öffentlich.

          Champions League
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Guardiola ist ein großer Denker des Fußballs. Kaum ein Trainer hat so viele Ideen, so viel Wissen. Das ist seine große Stärke, die ihn zu einem der Bewunderten seiner Zunft macht. Es ist aber zugleich die große Schwäche des Josep Guardiola Sala. Denn eine einfache, erfolgreiche Taktik reicht ihm nicht. Es muss manchmal etwas Besonderes sein. Der ultimative Zug, der den Gegner schachmatt setzt. In den Spielen des Alltags braucht es den zumeist nicht. Manchester City wurde mit Abstand Meister in der englischen Premier League. Doch im großen Endspiel der Königsklasse konnte Guardiola offenbar nicht anders.

          Und so tüftelte er in den Tagen vor dem Finale einen Plan aus, den er seinen Spielern so noch nie mit auf den Weg gegeben hatte. Der Coach verzichtete auf die defensiven Mittelfeldspieler Fernandinho und Rodri. Vor allem der Spanier gilt als Herzstück der Mannschaft. 53 Spiele absolvierte er in dieser Saison und zeigte teils brillante Leistungen. Vor der Abwehr sorgte er mit seiner körperlichen Wucht nicht nur für Ordnung. Mit seiner fußballerischen Klasse fiel er im Ensemble der feinen Füße auch nicht negativ auf. Kurzum: Wer ein Fundament für den Erfolg braucht, sollte einen wie Rodri haben.

          Gündogan wird von Guardiola versetzt

          Doch wie schon im Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain spielte Rodri keine Minute. Damals stellte Guardiola Fernandinho auf dessen Position und begründete das lapidar damit, dass er dem Brasilianer an seinem Geburtstag ein Geschenk machen wollte. Alles ging gut. Fernandinho, obwohl mit damals schon fast 36 Jahren machte ein gutes Spiel, Manchester siegte mit 2:0 und erreichte das Finale. Nun beging am Spieltag niemand seinen Ehrentag – und Guardiola verzichtete zunächst auf beide. Stattdessen sollte der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan den Raum vor der Abwehr besetzen.

          Das ist keine so neue Erfahrung für Gündogan, doch in der Saison glänzte er in offensiverer Position über die halblinke Seite und war dort torgefährlich wie nie in seiner Karriere. Ihn unterstützen sollte Olexandr Zinchenko, der eigentlich linker Außenverteidiger ist. Den freien Platz in der Startelf durch den Verzicht auf Rodri oder Fernandinho bekam mit Raheem Sterling ein Stürmer. Guardiola brachte die Statik seines eigentlich doch so eingespielten wie erfolgreichen Gebildes durcheinander. Die erste Halbzeit war fürchterlich, in der zweiten wurde es kaum besser. Nur Riyad Mahrez schoss auf das Tor von Chelsea, als sein Versuch mit dem schwächeren Fuß in der Nachspielzeit knapp vorbei ging.

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