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Juventus-Star Paul Pogba : Mysteriöse Zeichen auf dem Trikot

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Tore gegen die Selbstzweifel: Pogba hat im Derby gegen Torino getroffen Bild: dpa

Nach den Abgängen von Andrea Pirlo, Carlos Tevez und Arturo Vidal ist der junge Franzose Paul Pogba der Star bei Gladbachs Champions-League-Gegner Juventus Turin. Zuletzt fiel er aber vor allem durch komische Tricks auf.

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          Paul Pogba ist ein auffälliger junger Mann. Der Franzose ist groß, seine kurzen Haare garniert er gerne mit grellen Strähnen und Sternchen. Auch auf dem Fußballplatz wirkt der erst 22 Jahre alte Mittelfeldspieler von Juventus Turin oft so platzergreifend, dass die Verantwortlichen seines Vereins ihm ohne weiteres zutrauten, die im Umbau befindliche Mannschaft des italienischen Rekordmeisters anzuführen. Vor der Saison waren Schlüsselspieler im Team wie Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Carlos Tevez abgewandert. Pogba bekam das Trikot mit der Nummer 10.

          Was allerdings nach vier in Serie gewonnenen Meistertiteln in Italien und dem Einzug in das Champions-League-Finale 2015 folgte, war eine „Achterbahnfahrt“. So fasst die Turiner Zeitung „La Stampa“ den Gemütszustand bei Juve vor dem Champions-League-Spiel in Mönchengladbach (20.45 Uhr/ live auf Sky und im F.A.Z.-Liveticker) zusammen.

          Extrovertiert und selbstbewusst

          Mitten im Wirbelsturm der Emotionen steht der junge Pogba, der den Umbau fast im Alleingang bewerkstelligen soll, denn seine Nebenmänner lassen zu wünschen übrig. Claudio Marchisio war lange verletzt. Der 21 Jahre alte Argentinier Paolo Dybala wurde vor Saisonbeginn für 40 Millionen Euro von US Palermo verpflichtet, hatte da aber noch keine Minute im Europapokal gespielt. Auf Neuzugang und Weltmeister Sami Khedira ist bisher kein echter Verlass, der Deutsche fällt in der Champions League mal wieder wegen einer Muskelzerrung aus.

          Die Quersumme ergibt sechs: Paul Pogba spielt mit „manipuliertem“ Trikot Bilderstrecke

          Bleibt Pogba, der oft extrovertiert und selbstbewusst auftritt, mit 22 Jahren aber noch eine Portion Unsicherheit mit sich herum tragen dürfte. „Krake Paul“ nennen sie Pogba in Turin. Aber seine langen Greifarme und -beine wirken in diesen Tagen ziemlich verheddert. Symptomatisch war eine Szene beim 2:1-Sieg im Stadtderby gegen den FC Turin am vergangenen Samstag. Ungenau nahm der beidfüßige Pogba den Ball an, aber anstatt das Spielgerät unter Kontrolle zu bringen, zog der Franzose kraftvoll aus 20 Metern ab und erzielte mit einem Schuss in Form einer Bogenlampe die 1:0-Führung. Und das alles mit offenem Schnürband.

          Ungenauigkeit, Kraft, enormes Talent und Intuition sind die Faktoren, mit denen Pogba den Tabellenzehnten der Serie A derzeit beglückt oder eben zur Verzweiflung bringt. Vor einer Woche verlor der wackelige Rekordmeister noch in der Provinz, 0:1 gegen US Sassuolo. Während Pogba nach seinem Tor im Derby gefeiert wurde, galt er als einer der Hauptverantwortlichen für die schmerzhafte Niederlage in der Po-Ebene. In einer Art öffentlicher Anklage erhob Juve-Kapitän Gigi Buffon Anschuldigungen gegen seine Mitspieler. Viele im Team hätten nicht kapiert, was es bedeute, bei Juventus zu spielen, wetterte Buffon. Der Torwart sprach von „Überheblichkeit“ und davon, dass er mit 38 Jahren keine Lust habe, mit seiner Mannschaft wie harmlose „Wallfahrer“ Punkte abzuliefern.

          Gemeint war vor allem Pogba, dessen jugendliche Unzuverlässigkeit Juventus vor einige Probleme stellt. Der Saisonverlauf gleiche der Bewegung eines Jo-Jos, sagte Verteidiger Patrice Evra. „Es fehlen Charisma und Führungsstärke“, diagnostizierte Tuttosport. Die Frage ist, ob die Verantwortlichen, darunter auch der bei den Tifosi nach wie vor unbeliebte Trainer Massimiliano Allegri, den früheren französischen U-20-Weltmeister mit ihren Erwartungen nicht überfordern.

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          Mit 22 hat der 2012 von Manchester United ablösefrei gekommene Pogba soeben sein 100. Spiel in der Serie A bestritten. Bei der WM in Brasilien wurde er zum besten Nachwuchsspieler gewählt. Sein berühmt-berüchtigter Berater Mino Raiola, der auch Zlatan Ibrahimovic betreut, berichtete jüngst von einem 85-Millionen-Euro-Angebot des FC Barcelona für seinen jungen Mandanten. Juve hätte angeblich erst bei 100 Millionen Euro in den Deal eingewilligt. Wenn es stimmt, wären auch diese Ziffern eine der Erklärungen für die Stimmungsschwankungen Pogbas.

          Die Lage ist offenbar so verzwickt, dass der Franzose sich auf Empfehlung seines Mannschaftskollegen Leonardo Bonucci dem italienischen Motivationskünstler Alberto Ferrarini verschrieben hat. Mentalcoach Ferrarini bezeichnet es als sein Ziel, „den Kämpfer in jedem von uns“ zum Vorschein kommen zu lassen und das unter anderem mit Hilfe von Zahlen und Symbologie. Die Experten für Zahlensymbolik im italienischen Fußball erspähten zuletzt mysteriöse Zeichen auf Pogbas Trikot. Neben der Nummer 10 war mit Filzstift „+5“ gekritzelt, was als Quersumme 6 ergebe, also Pogbas alte Rückennummer. Nach den Regeln der Küchenpsychologie soll diese symbolische Rückkehr zur alten Rückennummer befreiend wirken und den Trikotträger von seiner Überverantwortung entlasten.

          Im abergläubischen Italien ist man sich sicher, dass der Trick gegen den FC Turin half. Für die Zuschauer und Symbologisten im Spiel gegen Mönchengladbach könnte der Fall Pogba deshalb eine ganz neue Perspektive auf den Fußball eröffnen. Man muss bei ihm weniger auf Positionen, Bewegungen und Füße gucken, sondern nach Symbolen auf dem Trikot und in der Frisur suchen. Sogar offene Schnürbänder erscheinen so bei Pogba plötzlich in einem ganz neuen Licht.

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