https://www.faz.net/-gtm-8do3g

Paris-Torwart Kevin Trapp : Mit den Reflexen eines Andreas Wolff

Hat allen Grund zur Freude: Kevin Trapp zeigt in der Champions League starke Leistungen. Bild: Picture-Alliance

Die Stürmerstars Ibrahimovic und Cavani sorgen im Achtelfinale in der Champions League für einen kleinen Vorsprung von Paris im Duell mit Chelsea. Im Hinspiel beeindruckt aber auch ein Deutscher mächtig.

          3 Min.

          Einmal ging Kevin Trapp doch in die Knie. Als Edinson Cavani in der 78. Minute zum 2:1-Endstand für Paris St. Germain getroffen hatte, sank der Torhüter auf der anderen Seite des Fußballfelds jubelnd auf den Rasen. Dass die Franzosen mit einem kleinen Vorsprung zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in drei Wochen zum FC Chelsea nach London reisen, war auch der Leistung des deutschen Torhüters zu verdanken. Und so standen nicht nur die Torschützen Cavani und Zlatan Ibrahimovic, der mit einem abgefälschten Freistoß zum 1:0 getroffen hatte (39.), sondern auch Trapp im Fokus.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Vor allem zwei Szenen hinterließen mächtig Eindruck. In der 23. Minute kam Chelsea-Torjäger Diego Costa nach einer präzisen Flanke des früheren Augsburgers Abdul Rahman Baba, der eine gute Partie als linker Außenverteidiger zeigte, ganz frei zum Kopfball. Doch Trapps rechte Hand zuckte nach oben und lenkte den Ball so eben noch an die Latte. Manchem deutschen Sportfan kam dabei Handball-Torwart Andreas Wolff in den Sinn, der mit ähnlich spektakulären wie unerwarteten Bewegungen beim Titelgewinn bei der Europameisterschaft zuletzt einige Tore auf diese Art verhindert hatte.

          Die „Parade des Tages“: Trapp hält aus kurzer Distanz gegen Diego Costa. Bilderstrecke

          Auch in der zweiten Halbzeit hatte Trapp einen besonderen Moment. Wieder war es „Maskenmann“ Costa, der nach Pass von Willian am Paris-Torhüter scheiterte (49.). Womöglich fehlte dem Stürmer dabei auch ein wenig der Durchblick. Costa hatte sich im Training das Nasenbein gebrochen und lief kurioserweise wie Mitspieler César Azpilicueta mit einem schwarzen Gesichtsschutz auf. Zu mehr als dem zwischenzeitlichen 1:1 (45.) durch John Obi Mikel, der nach einer Ecke plötzlich frei stand und traf, kamen die Engländer nicht. Trapp war beim Gegentor aus kurzer Entfernung machtlos.

          „Wir haben extrem viele Möglichkeiten gehabt, ein Tor zu schießen. Aber am Ende haben wir ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht und verdient gewonnen“, sagte Trapp beim TV-Sender Sky nach dem Sieg über Chelsea, das im 13. Spiel nach sechs Siegen und sechs Remis erstmals unter dem neuen Trainer Guus Hiddink verlor. Dennoch sprach aus Trapp das neue Pariser Selbstbewusstsein: „Wir können mit jeder Mannschaft mithalten und sind fähig, was ganz Großes zu leisten.“ Ein Sonderlob gab es auch von Trainer Laurent Blanc: „Er hat in vielen Situationen sehr gut gehalten.“

          Nicht allein durch seine starke Leistung gegen Chelsea bewirbt sich der 25 Jahre alte Saarländer Trapp für einen Platz im Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Beim vom Terror überschatteten „Heimspiel“ in Paris im vergangenen November stand er erstmals im DFB-Kader, kam allerdings nicht zum Einsatz. Hinter der klaren Nummer eins Manuel Neuer liefert sich Trapp einen Kampf um die beiden weiteren Plätze mit Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno und Ron-Robert Zieler. Vorteil Trapp: Wie Neuer und ter Stegen kann er sich in der Champions League auf höchstem internationalen Niveau beweisen.

          Erst im vergangenen Sommer war Trapp vom Bundesliga-Mittelklasseklub Eintracht Frankfurt nach Paris gewechselt. In Frankreich hatte sich mancher die Augen gerieben und gefragt: Kevin, wer? Das Fragezeichen ist längst verschwunden. Trapp hat sich einen Namen gemacht im Gastgeberland der diesjährigen Europameisterschaft. Im Starensemble von PSG, das mit vielen Millionen aus Qatar zusammengestellt wurde, hat der Deutsche den bisherigen italienischen Stammkeeper Salvatore Sirigu längst aus dem Kasten des Teams von Blanc verdrängt.

          Die Leistungsdaten sprechen für sich. In den sechs Spielen der Gruppenphase in der Champions League kassierte er Trapp nur einen Treffer – so wenige wie niemand zuvor. Dabei murrten die Kritiker nach eben diesem einen Gegentor heftig. Paris bekam es beim Spiel bei Real Madrid, als sich Trapp böse verschätzte. Für Häme gibt es schon lange keinen Grund mehr. In der französischen Meisterschaft führt die PSG nicht zuletzt dank Trapp die Tabelle praktisch uneinholbar an. In 25 Partien kassierte er 14 Mal kein Tor, insgesamt stehen nur zwölf Treffer des Gegners auf dem Konto. Und so lobte auch die französische Presse nach dem Chelsea-Spiel: „Trapp macht seine Klöpse zu Saisonbeginn vergessen“, schrieb die Zeitung „L'Express“.

          Doch die wahren Prüfungen warten nicht auf nationalem Parkett, sondern in der Königsklasse. In den vergangenen Jahren scheiterte Paris jeweils im Viertelfinale. Nun soll der große Wurf gelingen, nicht zuletzt für das alternde Alphatier Ibrahimovic, der mit nun schon 34 Jahren immer noch dem Titel in der Champions League hinterherläuft. Am 9. März (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) steht die zweite Achtelfinal-Partie bei Chelsea an. Eines ist sicher: Auch in London braucht Paris einen Kevin Trapp mit den Reflexen eines Andreas Wolff, um am Ende das Ticket für die nächste Runde in den Händen halten zu können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Individuelle Mobilität : Ein Lob auf das Auto

          Einst galt das Auto als des Deutschen liebstes Kind, jetzt tut mancher so, als trage es die alleinige Schuld am Weltuntergang. Die überwältigende Mehrheit der Bürger aber will und kann nicht auf das Auto verzichten.
          Kohle-Renaissance in China: Aus den Kühltürmen eines Kohlekraftwerks in Zhangjiakou steigt Wasserdampf auf.

          China, die EU und Amerika : Gegensätzlicher könnte Klimapolitik kaum sein

          Während die Europäer auf Klimaneutralität drängen, erlebt die Kohle in China eine Renaissance. In Amerika macht zumindest eine Entwicklung – etwas – mehr Hoffnung. Unsere Korrespondenten berichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.