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Marco Verratti : Barça schwärmt von einem Italiener in Paris

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Marco Verratti wirbelte Barcelona im Hinspiel in Paris ganz schön durcheinander. Bild: EPA

Trotz des 0:4 glaubt Barcelona ans Weiterkommen in der Champions League. Dafür setzen die Katalanen auf eine neue Taktik. Doch der passende Spieler dafür spielt ausgerechnet bei Gegner Paris.

          Am Anfang war die Raute. Seit der Zeit von Johan Cruyff, der den FC Barcelona acht Jahre lang bis 1996 trainiert hatte, war das Mittelfeld mit vier Spielern der Dreh- und Angelpunkt bei Barça. Bis Luis Enrique 2014 Coach wurde und glaubte, sein Team sei mit einer starren Viererkette stabiler. Doch Enrique hat seine Demission zum Saisonende angekündigt, und er hat sich damit offenbar auch von seinem taktischen Konzept verabschiedet. Denn er ist zur Raute zurückgekehrt – und mit ihr sind auch der sportliche Erfolg und die Begeisterung wieder da. So bläst Barça an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) zur Aufholjagd gegen Paris Saint-Germain im Rückspiel des Achtelfinals. Das Hinspiel hatte der spanische Meister 0:4 verloren – ohne Raute und mit Viererkette.

          Die Rückkehr zum System mit nur drei Verteidigern und vier Mittelfeldspielern verordnete Enrique beim Liga-Spiel gegen Atlético Madrid im Vicente-Calderón-Stadion. Der Versuch glückte, der FC Barcelona gewann 2:1, dank eines Tors von Lionel Messi vier Minuten vor Schluss. Der Argentinier spielt damit nun wieder dort, wo er sich wohlfühlt, im offensiven Mittelfeld. An der Spitze der Raute kann er wieder die Bälle auf die Außenpositionen verteilen oder neben Neymar, Suárez oder Rafinha selbst zum vierten Stürmer werden. Busquets sichert dabei in der Verbindung zur Innenverteidigung den Rückraum ab.

          Mit der Raute im Mittelfeld überfuhren die „Blaugrana“, inzwischen Tabellenführer der spanischen Liga, am Wochenende auch Celta de Vigo 5:0. Messi ist auf diese Weise schon im Mittelfeld anspielbar und kann entweder selbst bis zur Strafraumgrenze ziehen und von dort abschließen, wie etwa beim 1:0 gegen Vigo, sowie auch die Bälle nach außen verteilen, so beim 2:0, als er für Neymar auflegte. Doch zu jedem System muss auch der Kader passen. Mit der neuen Marschroute hat Messi zwar wieder seine Freiheit zurückgewonnen.

          Doch zur perfekten Raute fehlt Barça der perfekte zentrale Mittelfeldspieler, der auch unter Druck die Übersicht nicht verliert, Bälle behaupten und verteilen kann. Das war stets Xavi Hernández. Doch der ist inzwischen 37 Jahre alt und lässt seine Profikarriere in Qatar ausklingen. Nie haben sie in Barcelona ernsthaft nach einem Ersatz für ihn gesucht, wollte Luis Enrique doch lieber Spieler, die schnell in die Spitze vorstoßen. Bis zum Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain glaubte auch niemand daran, dass sie einen zweiten Xavi finden könnten.

          Doch in der französischen Hauptstadt hat Marco Verratti in den Reihen des PSG die Katalanen dermaßen durcheinandergewirbelt, dass sie sich in Barcelona geradezu in ihn verliebt haben. „Geliebter Verratti!“, schrieb „La Vanguardia“ aus Barcelona über den Italiener überschwänglich. Verratti versperrte im Hinspiel die Passwege zu Messi, raubte Bälle, bereitete Tore vor. Der 24-Jährige erinnert die katalanische Presse nicht nur mit seiner Ballsicherheit an Xavi, sondern auch mit seiner Körpergröße von nur 168 Zentimetern. Der Italiener steht in Paris allerdings noch bis 2018 unter Vertrag.

          Dabei würde er vortrefflich zu Barças Mittelfeld passen. Denn auch Iniesta zeigt Abnutzungserscheinungen, war in dieser Saison schon zweimal am rechten Knie verletzt und hat zuletzt über Muskelbeschwerden geklagt. So saß er in den vergangenen beiden Spielen auf der Bank. Dennoch rechnen in Barcelona alle damit, dass Iniesta gegen Paris im linken Mittelfeld aufläuft. Er und Rakitic werden die Aufgabe haben, die Außenbahnen von Paris Saint-Germain stärker zu stören und dem Offensivspiel mehr Impulse zu geben. So soll es auch der ebenfalls in Spanien als besonders stark eingeschätzte Draxler nicht mehr so leicht haben wie im Hinspiel.

          Ob die letzten Erfolge Barças in der Liga tatsächlich der taktischen Ausrichtung oder nicht doch eher dem Glück wie gegen Atlético oder dem äußerst schwachen Gegner wie Celta de Vigo geschuldet sind, wird in Barcelona nur sehr vorsichtig hinterfragt. Man möchte die Hochstimmung nicht gleich wieder im Keim ersticken, die den Verein und das Umfeld vor dem Rückspiel gegen Paris ergriffen hat. „Wenn eine Mannschaft vier oder mehr Tore schießen kann, dann ist das Barça“, hat Verratti warnend gesagt. Inzwischen glauben auch die Fans in Barcelona wieder an ihr Team. Der FC Barcelona kündigt ein ausverkauftes Camp Nou an.

          Der Verein will zudem, dass sich die Spieler von der ersten Sekunde an voll auf das Spiel konzentrieren – statt auf die Politik. Erstmals in dieser Champions-League-Saison wird Barça keine Fahnen der katalanischen Separatisten an die Fans verteilen. Dabei hatte die Uefa im Dezember angekündigt, diese Demonstration zugunsten eines eigenständigen katalanischen Staats bei den Champions-League-Spielen im Camp Nou künftig zuzulassen.

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