https://www.faz.net/-gtm-87x1n

Bayern-Gegner Olympiakos : Nur in Piräus gibt es keine Krise

  • Aktualisiert am

Evangelos Marinakis (links) ist der Grund, warum Olympiakos Piräus genug Geld hat. Bild: Picture-Alliance

Die Krise in Griechenland trifft auch die Fußballklubs schwer. Nur Bayerns Champions-League-Gegner Olympiakos Piräus hat keine finanziellen Sorgen. Viele Fans sind trotzdem unzufrieden.

          2 Min.

          Griechenland steht seit Jahren am Abgrund – und die tiefe Krise hat auch den Sport getroffen. Traditionsreiche Fußballklubs wie AEK Athen und Aris Saloniki sind abgestiegen, andere haben kein Geld mehr und versinken zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Nur ein Verein blieb bislang von der Talfahrt unberührt: Olympiakos Piräus - an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) Auftaktgegner von Bayern München in der Champions League.

          Der Grund für den „Wohlstand“ mitten in der schweren Finanzkrise hat einen Namen: Evangelos Marinakis. Der superreiche Reeder führt den populärsten Verein Griechenlands mit eiserner Hand, und er weiß, wie man mit Geld umgeht. „Er kauft billig und verkauft teuer“, sagen alle, die sich in Piräus’ Fußballkreisen auskennen. Allein in diesem Jahr wurden zwölf Spieler verpflichtet. Der bekannteste ist der 35 Jahre alte Argentinier Esteban Cambiasso.

          Ein echter Hexenkessel: Ins Georgios-Karaiskakis-Stadion passen nur 30.000 Fans.

          Wer jung und dynamisch ist, wird in der Regel aber schnell verkauft. Wie Kyriakos Papadopoulos, der Piräus vor vier Jahren in Richtung Bundesliga verließ. Frühere Olympiakos-Profis sind jetzt Stammspieler bei Benfica Lissabon oder AS Rom – so wie Konstantinos Mitroglou und Andreas Samaris.

          Viele Fans sind deswegen unzufrieden. „Die Mannschaft hat fast jedes Jahr einen völlig neuen Kader und keinen richtigen Kern“, beklagt Dimitris Basiakos, ein 78 Jahre alter Anhänger von Olympiakos. Die Mannschaft hat seit 1997 nur ganze zweimal die Meisterschaft verpasst. Lediglich der Erzrivale Panathinaikos Athen konnte diese starke Serie 2004 und 2010 unterbrechen.

          Öffnen

          Und hier fängt ein Streit an, der den griechischen Fußball seit Jahren begleitet und die Fans aus den Stadien treibt. Das Spitzenspiel zwischen Panathinaikos und Olympiakos gilt international als eines der explosivsten Derbys – auch wegen der fast feindlichen Beziehung zwischen den Besitzern der Traditionsvereine: Marinakis von Olympiakos und Giannis Alafouzos von Panathinaikos.

          Die beiden können sich nicht riechen, wird in der Reederbranche seit Jahren kolportiert. Und sie übertragen ihre Animositäten offensichtlich auf den Fußball. Alafouzos wirft Marinakis vor, den Fußball zu manipulieren, indem er Einfluss auf Schiedsrichter und kleinere Mannschaften nehme. Marinakis kontert, die Besitzer von Panathinaikos seien nicht bereit, in die Mannschaft zu investieren und gute Spieler zu engagieren. Nur deshalb habe Olympiakos fast alle Meisterschaften der vergangenen zwei Jahrzehnte dominiert.

          Olympiakos glänzt in der Champions League vor allem durch seine Heimstärke.

          Die Fehde hat mittlerweile internationale Dimensionen angenommen. Panathinaikos legte Beschwerde beim Internationalen Sportgerichtshof Cas ein. Gegen Olympiakos-Besitzer Marinakis und andere Funktionäre läuft zurzeit ein Verfahren wegen Manipulation von Spielergebnissen. Der Cas erteilte Olympiakos eine provisorische Erlaubnis zur Teilnahme an der Champions League. Weder der griechische Fußball-Verband noch Behörden hätten bislang eine endgültige Entscheidung gegen den Klub getroffen, hieß es zur Begründung.

          Das Ergebnis dieses Streits und andere Rivalitäten haben inzwischen dazu geführt, dass die Stadien in Griechenland fast leer sind – einzige Ausnahme sind internationale Veranstaltungen. So ist die Georgios-Karaiskakis-Arena für das Spiel gegen die Bayern ausverkauft. Die Polizei will scharfe Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. „Angst vor der Übermacht Bayern? Das kennen wir hier in Piräus nicht. Wir sind Seefahrer“, sagt Spyros Maniatis, ein Olympiakos-Fan aus dem Stadtviertel Keratsini von Piräus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Soldat des libanesischen Militärs schaut auf den Ort der Explosion in Beiruts Hafen

          Libanon : Mehr als 70 Tote und 3000 Verletzte bei Explosion in Beirut

          Der Libanon steckt derzeit in einer seiner schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Mitten in diesen politischen Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Verantwortlich gewesen sein könnte eine Lagerhalle mit Ammoniumnitrat sein.
          SPD-Politiker Kevin Kühnert

          SPD-Führung : Kühnert auf dem Weg

          Kevin Kühnerts Ziel, der Bundestag, ist der beste Weg, um die SPD-Führung weiter rutschen zu lassen. In wessen Richtung? Dumme Frage.
          Noch eine reine Idylle, soll sie bald für den nächsten „Mission: Impossible“-Teil von Tom Cruise in die Luft gesprengt werden: Die majestätisch in dreißig Metern Höhe über den Bober schwingende Stahlfachwerkbrücke des Ingenieurs Otto Intze von 1905.

          Cruise bedroht Brücke : Was die Wehrmacht nicht schaffte

          Mission: Unmöglich! Tom Cruise will für seinen neuen Film eines der schönsten Brückenmonumente Polens sprengen. Wenn er damit durchkommt, wäre das ein Skandal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.