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Borussia Dortmund : Mit etwas Hoffnung zurück ins Krisengebiet

Neue Sorgen: Sven Bender musste in Istanbul mit einer Armverletzung vom Platz Bild: Reuters

Hinten sicher, vorne effektiv: Dortmund hat beim 4:0 bei Galatasaray leichtes Spiel. Doch neben drei Punkten und der Hoffnung auf die Wende zum Guten bringt die Borussia ein neues Sorgenkind mit aus Istanbul.

          3 Min.

          Jürgen Klopp atmete tief durch, setzte sein breites Lächeln auf und fasste zu später Stunde in Istanbul knapp zusammen: „Alles gut.“ Für den Moment mochte die Gefühlswelt des Dortmunder Trainers dem entsprechen, schließlich hatte er in den vergangenen Wochen andere Zeiten erlebt.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Doch trotz der 4:0-Gala bei Galatasaray ist in der Fußballwelt der Borussia natürlich mit einem souveränen Sieg noch lange nicht wieder „alles gut“. Und so landete auch Klopp schnell wieder im Krisengebiet des BVB. „Wir müssen Hannover am Samstag in der Bundesliga spüren lassen, dass wir Punktebedarf haben“, sagte er.

          In der Champions League ist dieser Bedarf ausgiebig gestillt. Drei Spiele, drei Siege: Mit neun Punkten ist Dortmund Gruppenerster vor Arsenal (sechs) sowie Anderlecht und Galatasaray (jeweils ein Punkt) und kann schon beim Rückspiel gegen die Türken am 4. November (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) den Einzug ins Achtelfinale vorzeitig perfekt machen.

          In der Bundesliga aber füllen gerade sieben von 24 möglichen Punkten das Haben-Konto; das reicht nur für Platz 14. Bei aller Freude über die makellose Bilanz in der Königsklasse war die Zufriedenheit am Mittwochabend in Istanbul nicht uneingeschränkt. Die Krise auf nationaler Ebene beschäftigte nicht nur Klopp auch kurz nach einem beeindruckenden Sieg schon wieder. „Das alles zählt nichts, wenn wir Samstag nicht gegen Hannover gewinnen“, sagte Innenverteidiger Mats Hummels.

          Das Strahlen ist zurück: BVB-Trainer Jürgen Klopp beim Sieg in Istanbul Bilderstrecke

          Trainer Klopp hatte sich personell etwas einfallen lassen und nahm Weltmeister-Coach Joachim Löw zum Vorbild. Weil die Linksverteidiger Marcel Schmelzer und Eric Durm nicht einsatzfähig waren, beorderte er mit Sokratis einen Innenverteidiger in die Außenposition der Viererkette. Der Grieche erledigte den Job sehr souverän.

          „Ich habe Papa (Sokratis' Spitzname) gesagt: Du hast dich festgespielt“, sagte Klopp. Tatsächlich war die defensive Stabilität nach Löwscher Art der wichtigste Baustein auf dem Weg zum Sieg. Auch Roman Weidenfeller, Hummels und Neven Subotic verteidigten anders als noch am vergangenen Samstag beim 1:2 in Köln fehlerfrei.

          Höchster BVB-Sieg in der Champions League

          Dass die Dortmunder nun fünf der letzten sechs Champions-League-Auswärtsspiele gewonnen haben, hing aber auch mit den „Fantastischen Vier“ auf der anderen Seite des Spielfelds zusammen. Marco Reus, Henrich Mchitarjan, Shinji Kagawa und Pierre-Emerick Aubameyang nutzten die großen Räume, die Galatasaray ließ, spielend leicht aus.

          Schon zur Halbzeit führt der BVB mit 3:0 nach Toren von Aubameyang (6. und 18. Minute), der wie oft bei seinem früheren Verein in St. Etienne als vorderste Spitze aufgeboten wurde, und Reus (41.). Später legte der eingewechselte Ramos nach (83.) zum höchsten Dortmunder Sieg in der Geschichte der Champions League.

          Einig waren sich die Borussen in der Nachbetrachtung, dass der türkische Rekordmeister es ihnen mit seiner naiven Spielweise leicht gemacht hatte – wie schon Arsenal und Anderlecht zuvor in der Champions League. Die Gegner in Europa wollen mitspielen und öffnen den flinken Dortmundern die Räume, die sie brauchen, in der Bundesliga aber gegen intelligentere Gegner nicht bekommen.

          Mit der Effektivität von Istanbul schraubt der BVB 09 sein Konto auf 9:0 Tore und neun Punkte. „Das Spiel war anders als in der Bundesliga, wir hatten mehr Räume und waren effektiver“, sagte auch Hummels. „Zwei Chancen, zwei Tore, das ist zuletzt eher unseren Gegnern gelungen.“

          „Ab jetzt auch bereit für dreckige Siege“

          Das ist auch das Ziel im Krisengebiet, in das die Dortmunder nun zurückkehren. Am Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) kommt Hannover 96 nach Dortmund und wird in einem Auswärtsspiel mit Sicherheit nicht sein Heil in der Offensive suchen.

          Die Niedersachsen dürften die Erfolge von Leverkusen, Mainz, Schalke, Hamburg und Köln gegen Dortmund besser analysiert haben als Galatasaray. Gegen defensive Hannoveraner werden kreative Ideen gefragt sein. Eine spielerische Gala aber verlangt auch der Trainer nicht, einzig drei Punkte sind das Ziel. „Ab jetzt sind wir bereit auch für dreckige Siege“, sagte Klopp in Istanbul.

          Neben den drei Punkten und neuer Hoffnung auf die Wende zum Guten bringen die Dortmunder aber auch neue Sorgen mit aus Istanbul. Kagawa und Hummels mussten den Platz vorzeitig und angeschlagen verlassen, wobei der erschöpfte Japaner wohl nur unter einem Krampf im linken Bein litt. Der deutsche Weltmeister beklagte Muskelprobleme.

          Schwerwiegender sieht es wohl beim ewigen Schmerzensmann Sven Bender aus. Dem schon so häufig lädierten Mittelfeldspieler fiel Alex Telles unglücklich auf den Arm. Bender musste mit einer Ellbogenverletzung vom Platz und wurde direkt ins Krankenhaus gebracht. Eine genaue Diagnose soll es allerdings nach Angaben des Vereins erst nach Untersuchungen in Dortmund geben. Eine erste Röntgenuntersuchung in Istanbul brachte ergab kein genaues Bild. Gebrochen ist aber immerhin nichts

          Kleine Zeichen der Besserung

          Sollte Bender am Samstag ausfallen, wird ihn wahrscheinlich Ilkay Gündogan auf der Position vor der Abwehr vertreten. Diesen Wechsel hätte Klopp möglicherweise selbst ohne Benders Verletzung vollzogen. Gündogan, in Köln am Samstag erstmals nach 434 Tagen wieder in der Bundesliga auf dem Rasen, wurde in Istanbul spät eingewechselt, zeigte schnell seine Klasse und bereitete den vierten Treffer mit einem technischen Kunststück vor.

          Es gibt also kleine Zeichen der Besserung beim Patienten BVB. Die gab es aber auch schon nach dem 3:0 in Anderlecht vor drei Wochen. Es folgte ein 0:1 gegen den Hamburger SV. Am Samstag steht kein europäischer Kurztrip in der Champions League auf dem Programm, sondern nationales Tagesgeschäft. Und in der Bundesliga reicht ein Sieg nicht, damit Klopp mit einem breiten Lachen sagen kann: „Alles gut.“

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