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FC Bayern nach Kovac-Aus : „Müller ist einer, der die Mannschaft mitreißt“

Hans-Dieter Flick hat Gefallen gefunden an der neuen Aufgabe beim FC Bayern. Bild: AFP

Nach der Entlassung von Niko Kovac soll Hans-Dieter Flick die Bayern in die Spur bringen. Er kündigt Veränderungen an. Und das Spiel in der Champions League dient als Probebühne für das große Duell danach.

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          Hans-Dieter Flick, genannt Hansi, war dort, wo sich im deutschen Fußball Großes entwickelte, der Mann im Hintergrund. Als Assistent von Joachim Löw trug er mit Rat und Tat und dem Tüfteln an Standards zum WM-Triumph von Rio de Janeiro bei. Nach eher blassen Engagements als Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund und Geschäftsführer der TSG Hoffenheim kehrte er im Sommer in die alte Rolle zurück – weil Uli Hoeneß, der ihn 1985 als jungen Mittelfeldspieler nach München geholt hatte, ihn als Assistent für Trainer Niko Kovac rief. Vier Monate später, nach der Trennung von Kovac, steht der Mann im Hintergrund plötzlich in der ersten Reihe – und betont, dass es ihm auch dort sehr behagt.

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Ich freue mich auf das, was kommt“, sagte Flick am Dienstag bei seinem ersten Auftritt als Bayern-Cheftrainer. „Ich trage die Verantwortung.“ Für mindestens zwei Spiele, in der Champions League an diesem Mittwoch gegen Olympiakos Piräus (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) und am Samstag in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund, wird das so bleiben. Das und die anschließende Länderspielpause gibt den Bayern-Bossen knapp drei Wochen Zeit, sich nach einem neuen Trainer umzuschauen.

          „Ich denke, dass wir bis zum Spiel in Düsseldorf“, also bis zum 23. November, „wissen, wie es in der Trainerfrage weitergeht“, sagte Hoeneß am Montag. Einen Tag später deutete Flick an, dass es bei Bedarf durchaus auch mit ihm weitergehen könnte. „Ich kann mir in meinem Leben viel vorstellen, ich habe in meinem Leben schon viele Positionen bekleidet“, sagte er. „Die Arbeit auf dem Platz tut mir gut, gefällt mir sehr. Die Arbeit mit den Spielern, das hat mir in den letzten Jahren gefehlt.“

          Vom ersten Tag an setzt er auf ein eigenes Profil und kündigt „taktisch andere Schwerpunkte“ gegenüber den letzten, immer schwächeren Darbietungen unter Kovac an. Deutlich wird, dass er die Partie gegen Piräus, in der den Bayern ein Sieg und möglicherweise schon ein Remis zum vorzeitigen Erreichen der K.-o.-Runde der Champions League reichen wird, vor allem als Probebühne für das große Duell mit Dortmund betrachtet. „Ich will eine Mannschaft, die auf das Spiel am Samstag schon eingespielt ist“, erklärte er. „Deshalb werden am Mittwoch Javi Martínez und Thomas Müller spielen.“

          Nach den langwierigen Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernández fällt gegen Dortmund mit dem in der Liga gesperrten Jérôme Boateng der letzte Innenverteidiger neben Benjamin Pavard aus. Zwar dürfte Boateng in der Champions League spielen, doch setzt Flick zwecks Eingewöhnung schon da auf Martínez als Aushilfe im Abwehrzentrum. Müller wiederum dürfte sich nach der Rolle als Bankdrücker unter Kovac über das Vertrauensbekenntnis von dessen Nachfolger besonders freuen. Müller sei „eine wichtige Identifikationsfigur für den FC Bayern“, sagte Flick. „Auf dem Platz sehr intelligent, einer, der die Mannschaft mitreißen kann.“

          Das Mitreißende hat zuletzt gefehlt, Flick will es wiederfinden. In Einzelgesprächen habe er damit begonnen, „jeden Einzelnen darauf hinzuweisen, was in ihm steckt, aber auch, welche Verantwortung er gegenüber dem Verein hat“. Angesichts der Qualität im Kader dürfe es nicht sein, dass, wie zuletzt, „nur Manuel Neuer und Robert Lewandowski Weltklasseleistungen zeigen“. Über die am Montag bekanntgewordenen, eine baldige Operation erforderlich machenden Leistenbeschwerden des Torjägers, mit 19 Toren in 13 Spielen in Bundesliga und Champions League derzeit Europas bester Angreifer, sagte Flick: „Lewy hat Probleme, aber keine Schmerzen. Er wird sich gut überlegen, wann er sich operieren lässt. Den Lauf, den er gerade hat, zu unterbrechen wäre nicht gut.“

          Von der ersten Trainingseinheit unter seiner Leitung, in der man „kurz, aber knackig taktische Dinge“ geübt habe, zeigte Flick sich angetan: „Die Mannschaft hat verstanden, dass sie jetzt in der Verantwortung steht.“ Das bestätigte der jüngste Wortführer im Team, Joshua Kimmich: „Wir müssen uns am Riemen reißen. Es gibt kein Alibi mehr. Die Ausrede Trainer gilt nicht mehr.“ Das letzte Treffen mit dem alten Trainer Niko Kovac, der sich am Dienstagmorgen laut Flick „stilvoll“ von der Mannschaft verabschiedete, wobei viele Spieler „schlucken mussten“, war auch aus Sicht von Kimmich ein „trauriger“ Anlass. Für die Spieler, räumte der Nationalspieler ein, ist eine solche Trennung von einem Trainer mitten in der Saison „auch ein Stück weit Versagen“. Diesen Mittwoch soll die tätige Reue beginnen.

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