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Schiedsrichter Michael Oliver : Morddrohungen nach Elfmeter und Buffon-Rot

  • Aktualisiert am

Schiedsrichter Michael Oliver wird nicht nur von den Juventus-Spielern kritisiert. Bild: Reuters

Durch einen umstrittenen Strafstoß in letzter Minute schied Juventus Turin bei Real Madrid aus der Champions League aus. Schiedsrichter Michael Oliver wird bedroht. Auch seine Frau erhält Nachrichten auf ihr Handy.

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          Die Europäische Fußball-Union Uefa hat Drohungen gegen den britischen Schiedsrichter Michael Oliver und dessen Ehefrau verurteilt. Nach Informationen des britischen Senders BBC ermittelt nun auch die Polizei. Oliver war nach dem Viertelfinale der Champions League am vergangenen Mittwoch zwischen Juventus Turin und Real Madrid in sozialen Medien beleidigt worden. Auf dem Twitter-Account seiner Frau Lucy, die ebenfalls Schiedsrichterin ist, sollen Morddrohungen eingegangen sein. Zudem soll Lucy Oliver bösartige Textnachrichten auf ihr Handy bekommen haben, nachdem ihre Nummer im Internet veröffentlicht wurde.

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          „Wir haben Kontakt mit ihnen (den Olivers) aufgenommen, um ihnen unsere Unterstützung zuzusichern“, erklärte die Uefa auf Anfrage, „und wir vertrauen den zuständigen Behörden, dass sie Maßnahmen gegen die Individuen einleiten, die sich sowohl in sozialen Medien als auch außerhalb unangemessen verhalten haben.“

          Oliver hatte im Viertelfinal-Rückspiel den Zorn vieler Juventus-Fans auf sich gezogen, als er in der Nachspielzeit beim Stand von 3:0 für Juve auf Strafstoß für Real Madrid entschied. Den Elfer verwandelte Cristiano Ronaldo und sicherte Madrid damit nach dem 3:0-Hinspielsieg den Halbfinal-Einzug. Oliver wurde anschließend auch vom ansonsten für seine Fairness bekannten Juventus-Torwart Gianluigi Buffon verbal attackiert. Buffon sagte, Oliver habe „anstelle des Herzens einen Mülleimer“ und wollte seine Aussage auch später nicht zurücknehmen. Buffon sagte, der Schiedsrichter solle lieber auf der Tribüne Chips essen, als zu pfeifen. Der Zweikampf zwischen Mehdi Benatia und Lucas Vázquez in der Nachspielzeit erhitzte derart die Gemüter, dass einzelne Juve-Profis im Moment der Enttäuschung vollkommen die Kontrolle über sich verloren.

          Kurz danach schoss Ronaldo Titelverteidiger Real in der siebten Minute der Nachspielzeit beim sensationellen Stand von 0:3 und der drohenden Verlängerung mit einem Foul-Elfmeter ins Glück. „Wir müssen daraus die Lehren ziehen. Im Fußball wird dir nichts geschenkt“, sagte Ronaldo kurz danach. Der Portugiese schoss wuchtig und platziert oben ins Eck, sein Elfmeter war unhaltbar für den spät eingewechselten Ersatzkeeper Wojciech Szczesny.

          Die Madrider Sportzeitung „AS“ resümierte das Geschehen mit den Schlagzeilen „93 Minuten Angst“ und „Von der Panik ins Halbfinale“. Das in Barcelona erscheinende Blatt „Sport“ sprach auf Seite eins vom „Diebstahl des Jahrhunderts“. Gemeint war der Elfmeter-Pfiff, bei dem es zweifellos Kontakt gab, aus Sicht der Juve-Profis aber bei weitem nicht genug. „Ein menschliches Wesen kann nicht einfach pfeifen und somit das Ausscheiden einer Mannschaft nach solch einer Partie und einem sehr zweifelhaften Vorfall verfügen“, schimpfte Buffon.

          Real bleibt der Traum vom königlichen Titel-Triple erhalten, bei Juve setzten sie nach dem bitteren Scheitern zum Rundumschlag an.  Präsident Agnelli forderte den Abgang des italienischen Schiedsrichterchefs bei der Uefa, Pierluigi Collina, der voreingenommen entscheide, wie Agnelli meint. In Italien mischte sich in die Wut allerdings auch Stolz auf die unglaubliche Aufholjagd der Turiner, die es fast doch noch ins Halbfinale geschafft hätten. Die Gemüter waren auch Minuten nach dem Abpfiff derart erhitzt, dass sich die Spieler beider Teams nach spanischen Medienberichten im Kabinengang heftig beschimpften und drauf und dran waren, handgreiflich zu werden. Polizisten und der wegen einer Sperre nicht eingesetzte Real-Kapitän Sergio Ramos hätten Schlimmeres verhindert, schrieb die Zeitung „Mundo Deportivo“.

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