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Gladbachs Trainer Rose : Ein Fläschchen Wein mit Pep Guardiola

  • -Aktualisiert am

Anerkennung unter Taktik-Tüftlern: Pep Guardiola (links) und Marco Rose nach dem Champions-League-Duell Bild: dpa

Nach dem Champions-League-Duell lobt Pep Guardiola den Gladbacher Trainer Marco Rose und lädt zum Gedankenaustausch nach dem Rückspiel. Der künftige BVB-Coach hat den großen Meister beeindruckt.

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          Etliche Trainer können kleine Anekdoten von ihren Begegnungen mit dem Großmeister ihres Berufsstands erzählen. Berühmt geworden ist das legendäre Treffen Pep Guardiolas mit Thomas Tuchel in der Münchner Bar Schumanns, wo mit Salz- und Pfefferstreuern visionäre Rasenschlachten simuliert wurden.

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          Seit dem späten Mittwochabend hat nun auch Marco Rose eine Verabredung mit Guardiola, „nach dem Rückspiel in Manchester wollen wir ein Glas ... eine Flasche Wein zusammen trinken“, sagte der spanische Fußballtüftler, der Manchester City zur derzeit vielleicht besten Mannschaft der Welt geformt hat. Mit 2:0 gewannen die Engländer ihr Achtelfinal-Hinspiel bei Borussia Mönchengladbach, das aufgrund der pandemischen Wirren in Budapest ausgetragen wurde.

          „Wir haben gegen einen herausragenden Gegner gespielt“, sagte Kapitän Lars Stindl, aber einen kleinen Triumph konnten sie trotzdem feiern in der lauen Nacht von Budapest. Denn die Gladbacher sind nicht einfach nur Mitglied im Kreis der 16 besten Mannschaften des Kontinents, sie haben dort mit diesem Hinspiel nun auch Eindruck hinterlassen. „Seine Mannschaft spielt wirklich gut“, sagte Guardiola nach der Partie über Rose, und das war eindeutig keine seiner üblichen „Top-Top-Top“-Floskeln, mit denen er so viele Leute umschmeichelt.

          Rose hatte das Spiel zu einem Trainerduell gemacht, das auch für Guardiola interessant gewesen war. Trotz der erdrückenden Pressingqualitäten und obwohl allerlei Experten viele lange Bälle empfohlen hatten, hatte Rose angeordnet, mit Mut und kurzen Pässen durch die eigene Spielhälfte nach vorne zu kombinieren. Das ging mitunter schief, und normalerweise sind Ballverluste 30 Meter vor dem eigenen Tor ja so etwas wie eine Katastrophe im modernen Fußball. Aber die Gladbacher hatten diesen Fall durch eine kluge Raumaufteilung abgesichert.

          Rose hatte mit diesem Ansatz tatsächlich etwas Besonderes geschaffen in dem Baukasten Fußballstrategien, wo fast alles schon einmal dagewesen ist. Sein Team habe „in der Spieleröffnung sehr mutig und auch oft ordentlich“ agiert, erklärte der Trainer, weniger gut war jedoch, dass „zu selten der Übertrag Richtung gegnerischem Tor“ gelungen sei.

          Die Spieler auf dem Platz waren einfach nicht stark genug, die anspruchsvolle Idee umzusetzen. Rose mache „einen unglaublich guten Job und hat sich deshalb für den BVB empfohlen“, sagte Guardiola, der weiß, dass es dort Profis geben könnte, die vielleicht das an diesem Abend fehlende Stück besser sind als die Gladbacher, die nur gegen den Ball besonders stark waren.

          Gefährliche Gladbacher Giftmischung

          Die schnellen City-Außenbahnspieler Raheem Sterling und Phil Foden fanden keinen Raum zur Entfaltung ihres Tempos, der zuletzt so brillante Ilkay Gündogan blieb unauffällig. Aber Guardiolas Team verkörpert den State oft the Art des Gegenwartsfußballs, weil es zu jeder noch so ausgetüftelten Strategie seiner Konkurrenten umgehend einen passenden Gegenentwurf findet. Die Treffer fielen jeweils nach kunstvollen Flanken von Joao Cancelo aus dem Halbfeld an den langen Pfosten, wo Bernardo Silva einmal per Kopf selbst traf (29.) und einmal quer auf Gabriel Jesus legte, der das 2:0 schoss (65.).

          Ansonsten hatte die Borussia nur vier Schüsse aufs eigene Tor zugelassen, Christoph Kramer erklärte: „Wir haben heute gesehen, dass wir nicht chancenlos sind“. Aber die kleinen besonderen Momente mit dem Potential für Großchancen seien aufgrund von Unsauberkeiten oder falschen Entscheidungen „verpufft“. Am Ende fehlten Form und individuelle Qualität. Spötter könnten sagen: Der Trainer war der beste Mann, aber das wäre ungerecht gegenüber einer Mannschaft, die einfach an ihre Grenzen gestoßen ist.

          Und doch hat Rose an diesem Abend noch als Mitarbeiter von Borussia Mönchengladbach einen Vorstoß auf jenes Terrain unternommen, wo er ab dem Sommer mit Borussia Dortmund heimisch werden möchte. Er freue sich auf den Wein mit Pep, sagte er, „wir beide und alle anderen, die auf diesem Niveau arbeiten, schätzen sich sehr. Pep hat das angeboten und ich gehe davon aus, dass er ein gutes Fläschchen bereitstellt.“ Ob der Gladbacher Trainer dann auch noch so entspannt und zuversichtlich ist wie jetzt, hängt aber von den kommenden Herausforderungen ab.

          Das emotionale Befinden bei der Borussia ist labil, seit Rose in der vergangenen Woche bekannt gemacht hat, dass er in der kommenden Saison für den BVB arbeiten wird. Auf dem Programm stehen jetzt Duelle in Leipzig, gegen Dortmund im DFB-Pokal und gegen Leverkusen in der Bundesliga; es besteht die Gefahr, dass Sportliches und Atmosphärisches eine gefährliche Giftmischung ergeben.

          „Ich glaube, dass wir das andere Thema intern sowieso schon abgehakt haben und dass wir darüber auch nicht mehr reden wollen und reden müssen“, sagte Rose in Anspielung auf seinen bevorstehenden Abschied. Aber an diesem Abend war zu sehen, wie groß sein Hunger nach der Welt des ganz großen Fußballs ist, in der Borussia Mönchengladbach derzeit eher die Rolle eines ehrfürchtigen Besuchers zufällt.

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