https://www.faz.net/-gtm-99po1

Marcelo über Bayern-Ärger : „Es war Hand und es war Elfmeter“

Marcelo hatte nach dem Einzug ins Finale mit Real Madrid gut lachen. Bild: Reuters

Wie schon beim Aus 2017 fühlen sich die Münchner in Madrid vom Schiedsrichter ungerecht behandelt. Es geht um ein Handspiel. Der „Täter“ gibt alles zu. Und ein Bayern-Spieler schimpft richtig wild.

          Vor gut einem Jahr waren die Münchner nach dem Aus im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid kaum zu bremsen. Schiedsrichter Viktor Kassai hatte nicht nur Arturo Vidal mit einer zweifelhaften Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt, sondern auch bei zwei Toren der Spanier eine Abseitsposition nicht erkannt mit seinem Team. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, drückte aus, was viele empfanden beim unglücklichen Verlierer: „Ich muss sagen, ich habe heute zum ersten Mal so etwas wie wahnsinnige Wut in mir, Wut, weil wir beschissen worden sind. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte er.

          Champions League
          ANZEIGE
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Solch drastische Worte nutzte in der Nacht zum Mittwoch niemand in Madrid nach dem abermaligen Ausscheiden gegen die „Königlichen“. Das 2:2 in Madrid reichte nach dem 1:2 im Hinspiel in München nicht. Stattdessen steht Real im Endspiel von Kiew. Doch auch beim spektakulären Remis im Estadio Santiago Bernabéu spielte Schiedsrichter Cüneyt Çakır eine Rolle, die den Münchnern nicht gefiel. Vor allem der nicht gegebene Handelfmeter kurz vor der Halbzeit ließ die Emotionen hochkochen.

          Der Münchner Außenverteidiger Joshua Kimmich schlug eine scharfe Flanke in den Strafraum von Real. Gegenspieler Marcelo sprang hinein und wehrte den Ball mit dem linken Unterarm ab. Weder der Unparteiische noch seine Assistenten an der Seiten- und an der Grundlinie sahen darin einen Grund, um auf Handelfmeter zu entscheiden. Vor allem Kimmich und James Rodriguez bedrängten den Schiedsrichter, auch noch beim folgenden Gang in die Kabine zur Halbzeitpause. Schon in der 17. Minute hatten die Münchner leise protestiert, als Real-Kapitän Sergio Ramos mit seinem ungeschickten Laufweg Robert Lewandowski zu Fall gebracht hatte. Auch danach gab es keinen Strafstoß.

          Vor allem zwei Spieler, die nicht auf dem Rasen standen, ließen ihren Frust über die gefühlte Benachteiligung in den sozialen Netzwerken. Der verletzte deutsche Nationalspieler Jerome Boateng schrieb bei Twitter: „No penalty?!? Come on ...“ – Kein Elfmeter? Ach, komm schon. Verziert wurde sein Tweet mit einem bösen Emoji. Noch deutlicher wurde der ebenfalls ausgefallene Arturo Vidal. der Chilene schimpfte bei Instagram: Auf „Schon wieder“, in Anspielung auf die Vorkommnisse im vergangenen Jahr, folgte ein „penal mierda“, das man mit „kriminelle Scheiße“ oder „Scheiß Elfmeter“ übersetzen kann. Später beschimpfte der emotionale Chilene auch noch den Gegner, indem er Real Madrid als „Diebe“ bezeichnete.

          Andere reagierten nicht so emotional. Niklas Süle sagte: „Wir hätten zwei Elfmeter bekommen müssen.“ Eine zweite Meinung gab es im Lager der Bayern – natürlich – nicht. Trainer Jupp Heynckes wollte sich aber ob der eigenen Fehler und der mangelnden Verwertung der Chancen nicht lange mit der Debatte aufhalten. „Natürlich ist das ein Elfmeter. Aber ich will mich nicht daran hochziehen“, sagte der 72-Jährige nach einem letzten Spiel in der Champions League. „Wir haben Geschenke verteilt, in München und hier auch. Wir müssen da nicht über den Schiedsrichter diskutieren.“ Den humorvollsten Beitrag gab Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuß ab: „Wo ist der Videobeweis, wenn man ihn mal braucht?“

          Nicht nur die Ereignisse vor einem Jahr in Madrid, sondern auch die Erfahrungen mit Çakır hatten den Bayern schon vor dem Spiel ein schlechtes Gefühl gegeben. Zwar gewannen sie unter der Leitung des Türken vier von fünf Partien in der Champions League vor dem 2:2 in Madrid. Doch vor allem der 2:1-Sieg im Halbfinal-Rückspiel 2016 über Atlético Madrid, der das Aus bedeutete, weil das Hinspiel mit 1:0 an die Spanier ging, war nicht vergessen. Seinerzeit hatte Çakır eine Abseitsposition von Antoine Griezmann vor dem entscheidenden Auswärtstor übersehen. Rummenigge sagte danach, er fühle sich „ein bisschen betrogen“. Der Schiedsrichter habe „keine glückliche Figur“ abgegeben.

          Überraschend klar sprach in Madrid auch der „Täter“. Marcelo äußerte Verständnis für die Münchner Proteste: „Der Ball hat meine Hand getroffen und wenn er meine Hand trifft, ist es ein Elfmeter“, sagte der Brasilianer. „Ich wäre ein Lügner, würde ich sagen, dass es kein Handspiel war. Ich spreche nicht über Schiedsrichter. Manchmal treffen sie Entscheidungen zu deinem Vorteil und manchmal zu deinem Nachteil. Was auch immer passiert, du musst weiter Fußball spielen.“ Als Sieger lässt es sich natürlich leichter reden, dennoch war die Offenheit bemerkenswert.

          Nach dem dramatischen Champions-League-Aus wurden die Münchner auch noch aus dem Schlaf gerissen, wenn sie denn überhaupt welchen fanden. Gegen 5.00 Uhr gab es im Mannschaftshotel einen Feueralarm, die Spieler mussten ihre Zimmer räumen. Nach kurzer Zeit war dieser Schrecken zum Glück vorbei. Die Spieler des deutschen Rekordmeisters waren erst spät in die Betten gekommen. Nach dem 2:2 bei Real Madrid und dem Ausscheiden im Halbfinale der Champions League hatte die Mannschaft um Kapitän Thomas Müller noch das nächtliche Bankett mit den Edelfans und Bayern-Mitarbeitern besucht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.
          Umtriebiger Minister: Jens Spahn

          Bundesgesundheitsminister : Jens Spahn demonstriert seine Macht

          Ist das der große Kehraus vor einem möglichen Wechsel ins Verteidigungsministerium? Der Gesundheitsminister bringt am Mittwoch drei Gesetzentwürfe ins Kabinett ein – und will auf die Schnelle noch zwei Behörden fusionieren.

          FAZ Plus Artikel: Merkel in Sachsen : Aus Liebe zum Land

          Merkel besucht Sachsen in schwierigen Zeiten: Laut Prognosen könnte die AfD in vielen Wahlkreisen an den Christdemokraten vorbeiziehen. Für die CDU geht es im Freistaat um ihr politisches Überleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.