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Duell der Nationaltorhüter : Neuer hat Mitleid mit ter Stegen nach 2:8-Debakel

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Marc-André ter Stegen kassierte gegen den FC Bayern acht Tore. Bild: Picture-Alliance

Das Duell der deutschen Nationaltorhüter wurde mit Spannung erwartet. Für Barcelonas Marc-André ter Stegen sind die acht Gegentore eine Schmach. Hinter einer desaströsen Barça-Abwehr ist er hilflos.

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          Nach dem Acht-Tore-Albtraum von Marc André ter Stegen gegen den FC Bayern genoss Manuel Neuer seinen Punktsieg im Champions-League-Duell der deutschen Fußball-Nationaltorhüter ohne Häme. „Es tut mir etwas leid für Marc, dass er so viele Tore kassiert hat“, sagte der Bayern-Kapitän nach dem spektakulären 8:2 (4:1) der Münchner am Freitagabend in Lissabon bei Sky.

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          Für ter Stegen mag dies freilich nur ein schwacher Trost sein. Einen Tag nach dem Debakel gegen die Münchner schrieb der frühere Torhüter von Borussia Mönchengladbach auf Twitter: „Es tut mir wirklich leid, was gestern passiert ist. Ich bin enttäuscht. Ich will nicht nach Ausreden suchen – weil es keine gibt. Wir müssen definitiv etwas ändern.“

          Die Zahlen im Viertelfinale des Finalturniers sprachen eindeutig für den 34 Jahre alten Neuer, der bei seinen beiden Gegentoren machtlos war und seit Jahren die Nummer eins im DFB-Tor ist. Der sechs Jahre jüngere frühere Gladbacher ter Stegen wollte den direkten Vergleich im Estádio da Luz eigentlich dazu nutzen, um gegen Neuer zu punkten. Stattdessen kassierte er in beiden Spielhälften jeweils vier Tore. Er war hilflos hinter einer desaströsen Barça-Abwehr. „Das wünscht man natürlich keinem Teamkollegen in der Nationalmannschaft“, sagte Neuer nach dem Spiel. Erstmals kassierte Barcelona acht Tore in einer Europapokalpartie.

          Bayern-Vorstand Oliver Kahn war derweil erst einmal sprachlos. Erst am Samstag meldete sich der 51-Jährige dann via Twitter zu Wort. „Erst jetzt realisiere ich, was wirklich gestern passiert ist im Estádio da Luz“, schrieb der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter und langjährige Bayern-Kapitän in einem auf Englisch verfassten Tweet. „Was für eine unglaubliche Champions-League-Nacht – wir werden uns noch lange an sie erinnern. Ich bin so stolz auf dieses Team. Danke Jungs für diese atemberaubenden 90 Minuten“, schwärmte Kahn. Der deutsche Double-Gewinner trifft im Halbfinale des Finalturniers am kommenden Mittwoch auf Manchester City oder Olympique Lyon.

          Mit Hansi Flick, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel stehen erstmals drei deutsche Fußballtrainer mit ihren Vereinen im Halbfinale der Champions League. Drei Trainer aus dem gleichen Land unter den letzten vier Teams hat es seit Einführung der Königsklasse 1992/93 noch nie gegeben. „Ich freue mich natürlich für Thomas und auch für Julian. Ich weiß selbst, wie man sich fühlt, wenn man ins Halbfinale kommt. Das sind die besten Vereinsmannschaften, die besten Klubs in Europa. Da ist man sehr happy“, sagte Bayern-Coach Flick, nachdem er durch das historische 8:2 mit dem FC Bayern gegen den FC Barcelona das Trio am Freitagabend komplettiert hatte.

          Nagelsmann trifft im Halbfinale mit RB Leipzig am Dienstag auf Tuchels Paris Saint-Germain. Damit wird nach Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool 2018 und 2019 mindestens wieder ein deutscher Coach auch im Finale vertreten sein. In diesem Jahr war Klopp mit den Reds als Titelverteidiger im Achtelfinale gegen Atlético Madrid ausgeschieden. Vierter Coach im Halbfinale wird der Franzose Rudi Garcia sein, der am Samstagabend mit Olympique Lyon überraschend das Viertelfinale gegen den ehemaligen spanischen Bayern-Coach Pep Guardiola und Manchester City gewann.

          „Das ist schön für den deutschen Fußball. Auch mannschaftsmäßig ist es für den deutschen Fußball wichtig“, beurteilte RB-Coach Nagelsmann das Auftreten beim Blitzturnier in Lissabon. „Wir sollten uns freuen, dass wir ein paar deutsche Vertreter haben in den Top vier in Europa, das ist eine schöne Sache. Schauen wir mal, wie viele es am Ende ins Finale schaffen“, sagte der 33-Jährige noch vor der Bayern-Gala.

          Gleichzeitig führte Nagelsmann an, dass die Diskussionen vor einem Jahr noch ganz anders geführt wurden. Damals hatte kein deutsches Team das Viertelfinale erreicht. „Aber grundsätzlich erinnere ich mich immer wieder an Worte zurück, dass der deutsche Fußball international auf den Deckel gekriegt hat, was auch meistens deutsche Trainer betraf. Und jetzt ist wieder alles gut, so ist es auch nicht. Wir sollten alle nicht in den Extremen leben“, mahnte er.

          Präsident Fritz Keller und Direktor Oliver Bierhoff gratulierten dem FC Bayern und Leipzig wie auch Paris-Trainer Tuchel im Namen des DFB zum Einzug ins Halbfinale. „Sie haben schon jetzt Großartiges geleistet“, sagte Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie im Deutschen Fußball-Bund, in einer Mitteilung am Samstag.

          „Beide Mannschaften sind im Viertelfinale wie Champions aufgetreten“, lobte Keller. „Zwei Teams unter den besten vier Europas – das ist schon jetzt ein toller Erfolg für den deutschen Fußball und eine großartige Leistung der Trainer Julian Nagelsmann und Hansi Flick, der auch beim DFB wertvolle, erfolgreiche und nachhaltige Arbeit geleistet hat“, erklärte der DFB-Präsident und beglückwünschte auch Tuchel zum dramatischen Last-Minute-Sieg mit PSG.

          „Es ist ein wunderbarer, erfolgreicher Moment für den deutschen Fußball. Wir freuen uns sehr darüber, dass nicht nur zwei deutsche Vereine zu den Halbfinalisten zählen, sondern auch drei Trainer aus Deutschland und viele unserer Nationalspieler in der entscheidenden Phase des Wettbewerbs vertreten sind“, sagte Bierhoff.

          Bayern München kann unterdessen beim Finalturnier womöglich wieder auf Benjamin Pavard zurückgreifen. Der deutsche Rekordmeister veröffentlichte am Samstagnachmittag Bilder, die den französischen Weltmeister beim Training zeigen. „Benjamin hat alle Tests zuhause gut überstanden. Wir werden den nächsten Schritt machen und sehen, was nach dem Spiel ist“, hatte Trainer Flick vor dem Viertelfinale am Freitagabend gesagt. Pavard war wegen einer Fußverletzung zunächst zur Reha in München geblieben und erst am Donnerstag nach Portugal nachgereist. Gegen Barcelona wurde er als Rechtsverteidiger durch Joshua Kimmich ersetzt.

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