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Champions League : Manchester und die Mäuseplage

Braucht gegen Wolfsburg bereits einen Sieg: ManU-Trainer van Gaal Bild: AFP

In der Premier League grüßt Manchester United wieder von der Tabellenspitze – auch dank des vielen Geldes. Anders sieht es in der Königsklasse aus. Gegen Wolfsburg steht das Team von Trainer van Gaal unter Druck.

          Louis van Gaal ist wieder ganz oben, und das hört man. Zum ersten Mal seit dem 8. Mai 2010, dem Tag seines Meistertitels mit den Bayern, ist der Holländer mit einem Klubteam wieder Tabellenführer. Weil der Stadtrivale Manchester City beim 1:4 in Tottenham trotz eines Treffers des aus Wolfsburg gekommenen Kevin de Bruyne heftig unter die Räder kam, übernahm Manchester United am Samstag durch ein 3:0 gegen Sunderland die Tabellenführung - zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren, als der Boss noch Sir Alex Ferguson hieß.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Lange hatte „King Louis“ darauf warten müssen. So war er nun in königlicher Laune, als er sich im Old Trafford mit einem Ordner unterhielt. „Du bist jetzt Sicherheitsmann bei dem Klub, der an der Tabellenspitze steht. Das macht einen großen Unterschied“, sagte van Gaal dem Mann, so jedenfalls schilderte er es der „Manchester Evening News“ und schloss zufrieden: „Er ist glücklich, und ich bin es auch.“ Er verriet zudem, dass der Aufschwung des Teams nicht in erster Linie mit den Einkäufen für fast 350 Millionen Euro während seiner bisher 15 Monate in England zu tun habe, sondern viel mehr mit den Verkäufen. Die Trennung von Stars wie Robin van Persie, Radamel Falcao und Angel Di Maria habe „eine bessere Balance“ ins Team gebracht.

          Angst vor dem Stimmungstöter

          Allerdings ist die Spitzenposition und damit die Spitzenstimmung noch fragil. United hat es auf dem Weg zurück an die Spitze der Premier League bisher mit keinem Topteam zu tun bekommen. Das ändert sich nun. Am Sonntag geht es zum Vierten Arsenal, dann zum Fünften Everton, bevor das Derby gegen City, den Zweiten, ansteht.

          Vorher aber kommt an diesem Mittwoch der VfL Wolfsburg (20.45 Uhr / Live im ZDF, auf Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET), und auch das könnte schon als Stimmungstöter taugen. Nach der unerwarteten 1:2-Niederlage bei PSV Eindhoven zum Auftakt der Champions League stehe United „schon unter Druck“, sagt VfL-Manager Klaus Allofs, „das müssen wir uns zunutze machen“. In Europa ist der englische Rekordmeister schließlich noch auf der Suche nach einer neuen Identität. 18 Jahre und damit länger als jeder andere Klub war er ohne Unterbrechung in der Champions League vertreten, gewann sie 1999 und 2008 - ehe im Jahr eins nach Fergusons Rentenantritt mit David Moyes 2014 die Qualifikation erstmals wieder verpasst wurde.

          Unter dessen Nachfolger van Gaal wird mit gigantischem Geldeinsatz der Umbruch im Kader vorangetrieben, der in den späten Ferguson-Jahren verpasst worden war. Die aufsehenerregende Ablöse für den am letzten Transfertag des Sommers geholten 19 Jahre alten französischen Jung-Nationalspieler Anthony Martial, die sich von 50 Millionen Euro durch Boni auf bis zu 80 Millionen erhöhen kann, bezeichnete selbst van Gaal als „irrwitzig“, ja als Beweis für die „verrückte Welt, in der wir leben“. Doch trotz solch teurer Importe sucht United im Duell mit den gegenüber der Premier League taktisch filigraneren, schwerer berechenbaren Klubs vom Kontinent noch die „Balance“, die van Gaal in der heimischen Liga zuletzt lobte.

          Eine wachsende Rolle ist dabei für Bastian Schweinsteiger vorgesehen, mit einer an den FC Bayern gezahlten Ablöse von neun Millionen Euro das Schnäppchen im Team. Vier der letzten sechs Partien spielte der Kapitän der deutschen Nationalelf durch. Als Abschirm- und Aufbauhelfer vor der Abwehr trägt er mit hohen Erfolgsquoten bei Zweikämpfen (60 Prozent) und Zuspielen (88) dazu bei, dass van Gaal einen seiner aus München bekannten Lieblingssätze sagen darf: Sein Team sei bisher in jedem Spiel „das dominante“ gewesen.

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          In Eindhoven führte diese Dominanz zwar zu 17:6 Torschüssen, aber eben nicht zum Ziel. Schwerer noch wog der Verlust des jungen Luke Shaw durch einen fürchterlichen Beinbruch. Im Sommer hatte sich United neben Martial auch noch um Angreifer wie Neymar, Karim Benzema oder Gareth Bale bemüht - alles vergeblich - und steht nun aber nach Shaws Verletzung auch noch ohne echten Linksverteidiger da. Nun wird nach einem Ersatz für die nächste Transferperiode im Januar gefahndet.

          Genug Mäuse hat man jedenfalls im Old Trafford, zu viele gar. Das legendäre Stadion leidet unter einer Mäuseplage, vor allem in den Küchen an der Nord- und Südtribüne. Die Hygienepolizei hat die Vereinsführung wegen Untätigkeit gerügt. Sogar auf dem Spielfeld sollen früher schon freche Nager gesichtet worden sein. Empfohlene Stellenausschreibung für das nächste Transferfenster: kein Torjäger, ein Kammerjäger.

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