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Manchester United will Erfolge : Neuer Schwung im Old Trafford

Die Mannschaft und „ihr“ Stadion: Manchester United hofft im Old Trafford auf Erfolge. Bild: Reuters

Unter Ole Gunnar Solskjaer ging es für das vormals kriselnde Manchester United wieder bergauf. In der Champions League hoffen die „roten Teufel“ gegen Barça nun auf eine magische Nacht im Theater der Träume.

  • -Aktualisiert am

          Es sieht aus wie ein gigantisches, auf Hochglanz poliertes Ufo, das mitten in einer Wohnsiedlung im Norden Londons gelandet ist: Das neue Tottenham Hotspur Stadium war in den vergangenen Tagen das bestimmende Thema im englischen Fußball – und die damit verbundenen Ambitionen der Spurs, zu den größten Fußballklubs der Welt zu gehören. Die hochmoderne Arena lässt so manches Stadion der Konkurrenz im Wortsinne alt aussehen. Und man kommt nicht umhin, dabei vor allem an Manchester United zu denken, deren altehrwürdiges Old Trafford neben dem Tottenham Hotspur Stadium aussieht wie ein 1982er Volvo 760 Diesel neben einem Tesla.

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          Fußballfans jedoch mögen es, wenn ein Stadion Charakter hat. Und davon hat das Old Trafford, das „Theater der Träume“, mehr als die meisten anderen Stadien in England. Charakter kann man nicht einfach neu bauen. Trotzdem funktionieren die beiden Stadien als Metaphern für die Verfassung, in der sich ihre jeweiligen Hausherren befinden. „Lasst uns nicht zu kritisch sein bei all der Geschichte des Old Trafford, seiner Größe und seiner Berühmtheit, die es immer zu einem der größten Monumente des Fußballs machen werden“, schrieb zuletzt der „Guardian“ über das Stadion von Manchester United, über das vor einigen Jahren bekannt wurde, dass sich in seinem Inneren Mäuse eingerichtet hatten. „Es geht um die Art, wie mit diesem Ort in diesen Tagen umgegangen wird, um das Ausbleiben von Modernisierungen – und was das über die Leute an der Spitze dieses Klubs aussagt.“

          Getrübter Glanz bei der globalen Marke

          Der Name Manchester United ist noch immer prominent, eine globale Marke, mit der sich von San Francisco bis Tokio Trikots verkaufen lassen. Aber der Glanz des englischen Rekordmeisters hat sich eingetrübt, seit der Kult-Trainer Sir Alex Ferguson vor sechs Jahren in den Ruhestand ging. Seine Nachfolger David Moyes, Louis van Gaal und José Mourinho konnten die ehemalige Dominanz nicht aufrecht erhalten. Was jedoch nicht allein ihre Schuld war, sondern auch daran lag, wie planlos der Klub seither geführt wurde. Nachdem Manchester das Hinspiel im diesjährigen Champions-League-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain verloren hatte, schrieb die „BBC“: „Dass United in eine solche Baufälligkeit abrutschen konnte, liegt an mangelhaften Trainerentscheidungen, Instabilität und einer schlecht strukturierten Transferpolitik unter der Aufsicht des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Ed Woodward.“ United sei zwar noch immer ein großer Klub, aber nicht mehr da, wo es darauf ankomme – auf dem Platz.

          Allerdings: Im Rückspiel in Paris drehte die Mannschaft das 0:2 aus dem Hinspiel und zog völlig unerwartet doch noch ins Viertelfinale der Champions League ein – zum ersten Mal seit 2014. An diesem Mittwochabend ist der FC Barcelona im Hinspiel zu Gast im Old Trafford. Dass United es überhaupt so weit geschafft hat, ist primär das Verdienst von Ole Gunnar Solskjaer. Der Norweger ist nach der Entlassung von Mourinho im Dezember eigentlich nur als Übergangslösung bis zum Ende der Saison geholt worden, war aber auf Anhieb so erfolgreich, dass Woodward kaum eine andere Wahl hatte, als ihn zum Cheftrainer mit einem Vertrag über drei Jahre zu befördern. Spieler wie Paul Pogba, Marcus Rashford oder Luke Shaw rufen unter Solskjaer regelmäßig wieder ihr volles Potential ab. In der Premier League spielt United um einen Platz in den „Top Four“ mit. Davon hatte man im Dezember nicht unbedingt ausgehen können.

          „Theater der Träume“: Das Old Trafford, Stadion des englischen Fußballklubs Manchester United (Archivfoto)

          Bei der langfristigen Steuerung des Klubs soll dem als Trainer noch recht unerfahrenen Solskjaer zur kommenden Saison erstmals ein Sportdirektor zur Seite gestellt werden. Es heißt, eine ganze Reihe von Spielern solle den Klub verlassen und durch andere ersetzt werden; darunter Alexis Sánchez, der bei United nie der Spieler geworden ist, der er beim FC Arsenal war. Es ist der Beginn eines Neuanfangs. Doch trotz des neuen Schwungs seit dem Trainerwechsel ist im Viertelfinale der FC Barcelona der Favorit.

          Als eine der wenigen Schwächen von Barça gilt ihre Anfälligkeit bei Kontern. Das konnte man beim 4:4 gegen Villarreal Anfang April beobachten. Außerdem musste Barcelona am Wochenende gegen seinen ärgsten Verfolger Atlético Madrid spielen (2:0), während Manchester United spielfrei war. Hinzu kommt eine fast schon bizarre Auswärtsschwäche der Katalanen in der K.o.-Phase der Champions League: Seit sechs Spielen hat Barcelona in fremden Stadien nicht mehr gewonnen, teilweise setzte es heftige Niederlagen wie beim 0:4 in Paris vor zwei Jahren. In dieser Saison kamen sie im Achtelfinale in Lyon nicht über ein 0:0 hinaus. Darin liegt die vielleicht größte Chance für Manchester United. Das Old Trafford mag alt sein. Aber für Nächte wie diese wurde es gebaut.

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