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Manchester City ausgeschieden : Der Champions-League-Fluch des Pep Guardiola

Vercoacht: Pep Guardiola. Bild: AP

Beim Viertelfinal-Aus gegen Olympique Lyon wird Manchesters Raheem Sterling kurz vor Schluss zur tragischen Hauptfigur. Der größte Verlierer bei City sitzt jedoch auf der Trainerbank.

          3 Min.

          In der 86. Minute schimmerte nochmal leise Hoffnung am himmelblauen Firmament für Manchester City. Nach einer scharfen Hereingabe von Gabriel Jesus musste Raheem Sterling nur noch den Fuß in den Ball halten. Es wäre der Ausgleich zum 2:2 gegen Olympique Lyon gewesen, mit dem sich City mit ziemlicher Sicherheit zumindest in die Verlängerung des Viertelfinales der Champions League gerettet hätte. – Hätte.

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          Simon Hüsgen
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Denn anstatt den Ball über die Linie zu drücken, schoss Manchesters bester Torschütze dieser Saison den Ball in den Nachthimmel von Lissabon. Fassungslos saß Sterling nach dieser verpassten Chance neben dem Tor, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Sogar Lyons Torhüter Anthony Lopes tätschelte dem Angreifer aufmunternd, beinahe mitleidig die Seite. Beide schienen zu ahnen, was Sterlings Fehlschuss zu bedeuten hatte.

          Exakt 60 Sekunden später wurde aus dieser Ahnung Gewissheit: Die Champions-League-Saison endet für Manchester City im Viertelfinale – wieder einmal. Einen Schuss von Houssem Aouar ließ Ederson im Tor der Citizens nach vorne abprallen, wo Moussa Dembélé lauerte und die Unsicherheit des brasilianischen Schlussmanns mit dem Treffer zum 3:1-Endstand eiskalt bestrafte (87.). Schon knapp zehn Minuten zuvor hatte der Franzose, zu diesem Zeitpunkt erst vier Minuten im Spiel, das Duell mit Citys Nummer eins für sich entschieden, als er nach einem starken Pass Aouars frei vor Ederson auftauchte, der Dembélés Abschluss zwar noch touchierte, den Einschlag jedoch nicht mehr verhindern konnte (79.).

          Dabei schien sich Manchester nach einer schwachen Vorstellung im ersten Durchgang mit Wiederanpfiff einigermaßen gefangen zu haben. Die Lyoner Führung durch Maxwell Cornet (24.) egalisierte Kevin De Bruyne in der 69. Spielminute, nachdem er bei einem Freistoß zuvor noch ein wenig zu hoch gezielt hatte.

          Der muss drinsein: Sterling verpasst freistehend den Ausgleich
          Der muss drinsein: Sterling verpasst freistehend den Ausgleich : Bild: AP

          Nach dem Ausgleich, so schien es, wollte der Premier-League-Zweite sich die kräftezehrende Extrazeit lieber für das Halbfinale gegen den FC Bayern aufsparen und die Partie gegen die Franzosen in der regulären Spielzeit entscheiden. „In der zweiten Halbzeit haben wir ein gutes Spiel gemacht, aber dann geben wir zwei Geschenke an Lyon“, ärgerte sich De Bruyne nach Abpfiff über die folgenreichen Nachlässigkeiten.

          Der größte Verlierer des Abends war jedoch weder Sterling noch Ederson, sondern Citys Trainer Pep Guardiola, der nach Dembélés 3:1 in seinem Trainerstuhl zu versinken schien. „In diesem Wettbewerb muss man perfekt spielen“, befand der Katalane nach Abpfiff und lächelte schon fast entschuldigend in die Kamera. Für den vermeintlich perfekten Auftritt hatte sich Guardiola etwas Besonderes einfallen lassen und seine Mannschaft mit einer Dreierkette aufs Feld geschickt. Doch mit den beiden Verteidigern Kyle Walker und Joao Cancelo auf den Außenbahnen fehlte den Citizens in der ersten Hälfte die offensive Durchschlagskraft. Zwar hielt Manchester wie gewohnt den Ball lange in den eigenen Reihen, so richtig gefährlich tauchten Sterling, Jesus und Co. allerdings nur selten im Strafraum der Franzosen auf.

          Eher stille Freude bei Lyons Matchwinner: Moussa Dembélé
          Eher stille Freude bei Lyons Matchwinner: Moussa Dembélé : Bild: AFP

          Das schien auch Guardiola erkannt zu haben, denn zehn Minuten nach dem Seitenwechsel brachte er mit Riyad Mahrez (56.) eine Offensivkraft für Innenverteidiger Fernandinho, womit City wieder zur gewohnte Viererkette zurückwechselte. „Der Coach hatte einen Plan, aber wir haben nicht so viele Optionen gefunden“, sagte De Bruyne im Anschluss. Übersetzt heißt das: vercoacht.

          ‚Schon wieder‘ möchte man hinterherschieben, denn dass Guardiola in der K.o-Phase der Champions League taktisch daneben liegt, ist keine Premiere. Im Vorjahr ließ der Katalane beim Viertelfinal-Aus gegen Tottenham Hotspur mit De Bruyne das kreative Herzstück der Mannschaft auf der Bank, 2017 ging es der Katalane im Achtelfinale gegen die AS Monaco zu offensiv an und verspielte ein 5:3 aus dem Hinspiel. Für City bleibt damit das Viertelfinale das höchste aller Champions-League-Gefühle. „Es ist ein anderes Jahr, aber dieselbe Geschichte“, brachte De Bruyne die unselige Bilanz in der Königsklasse auf den Punkt.

          Dabei hätte das Halbfinale für Guardiola gerade in diesem Jahr einen doppelten Reiz gehabt – denn dort wartet niemand geringeres als der FC Bayern. Damit wäre der Katalane nicht nur auf seinen früheren Arbeitgeber getroffen, mit einem Sieg gegen die Münchner hätte er auch seinen Herzensverein, den FC Barcelona, nach der schmachvollen Niederlage gegen den deutschen Meister ein wenig rächen können. Hätte. Wäre. Konjunktiv.

          Der Indikativ jedoch lautet: Der kommende Gegner der Bayern heißt Olympique Lyon. Und obgleich die Mannschaft von Hans-Dieter Flick nach der Gala gegen Barcelona zurecht als Favorit auf den Champions-League-Titel ins Rennen geht, sollten die Münchner gewarnt sein. Dass die Franzosen es durchaus mit vermeintlich stärkeren Gegnern aufnehmen können, haben sie nämlich nicht erst gegen City bewiesen, auch Juventus Turin um Superstar Cristiano Ronaldo kann davon ein Lied singen – im Präteritum.

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