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Pep Guardiola und Manchester City erlebten ein Debakel in Liverpool. Bild: Reuters

Manchester City in Liverpool : Die Demütigung des Pep Guardiola

Manchester City wird vom FC Liverpool auseinander genommen. Das 0:3 erinnert an schmerzhafte Niederlagen von Pep Guardiola mit dem FC Bayern. Dazu kommt eine Attacke auf den Bus aus Manchester.

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          Auf den ersten Blick sah alles so klar aus. Manchester City ist souveräner Tabellenführer der Premier League und kann schon an diesem Samstag (18.30 Uhr bei DAZN) mit einem Sieg über Stadtrivale und Verfolger Manchester United vorzeitig Meister werden. Das wäre sechs Spieltage vor Saisonende eine großartige Leistung in der englischen Liga, in der anders als in Deutschland immer einige Mannschaften als Champion in Frage kommen. Der FC Liverpool ist Dritter, hat aber 18 Punkte Rückstand. Nun treffen beide Teams im Viertelfinale der Champions League aufeinander. Dank der nationalen Kräfteverteilung schien die Favoritenrolle eindeutig vergeben.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der furiose 3:0-Sieg Liverpools im Hinspiel am Mittwoch konterkarierte die allgemeine Prognose – und bestätigte doch viele Experten und auch die Protagonisten. Manchester City hatte in der Premier League in dieser Saison bisher ein Spiel verloren – in Liverpool. Dieses 3:4 war auch ein Fußball-Spektakel, und das Ergebnis gab nur unzureichend wieder, wie überlegen die Elf von Jürgen Klopp war. Die Erinnerung des Trainers an das Spiel im Dezember war noch frisch, als er nun sagte: „Wir haben vieles, was Man City nicht mag.“ Oder auch: „Wenn wir es gut machen, werden sie Schwierigkeiten haben, damit zurechtzukommen.“

          Sein Gegenüber, Pep Guardiola, der im Gegensatz zum emotionalen Klopp den Gegner vorher lieber stundenlang taktisch analysiert, kam zum gleichen Ergebnis. „Liverpools Spielweise ist schwierig für uns, weil sie so schnell und so gut sind“, sagte der Spanier. Beide sollten sich nicht täuschen. In der ersten Halbzeit fegten die „Reds“ in einem unglaublichen Tempo über City hinweg und trafen im Zehn-Minuten-Takt durch Mohamed Salah (12. Minute), Alex Oxlade-Chamberlain (21.) und Sadio Mané (31.). Manchesters beste Chance war ein Schüsschen von Leroy Sané, das am Tor vorbeiflog (14.). Dass bei Salahs Führung zuvor eine knappe Abseitsposition vorlag, die das deutsche Gespann um Schiedsrichter Felix Brych nicht erkannte, war ob der Überlegenheit Liverpools nachher kaum der Rede wert. Das Team von Klopp erzeugte durch massives Pressing Druck auf den ballführenden City-Spieler. Der gewohnte Ballbesitz war schneller vorbei als es City lieb war.

          Es war eine Demütigung für Guardiola und seine Elf, die an seine Bayern-Zeit erinnerte, als er mit den Münchnern in der Champions League 2014 im Halbfinale 0:4 gegen Real Madrid verlor oder im Jahr darauf in der gleichen Runde bei seinem ehemaligen Klub FC Barcelona im Hinspiel 0:3 unterging. In Liverpool war Guardiola zufrieden mit dem Beginn seiner Elf. „Aber dann steht es plötzlich 0:2. Das ist hart. Für die Spieler ist das mental sehr schwierig“, sagte der Trainer. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir die schlechtere Mannschaft waren.“ Wenn er sich das Spiel nochmal ansehe, komme er vielleicht zu der Meinung, dass es ein Desaster gewesen sei, aber im Spiel sei dem nicht so gewesen. Am Ende musste aber auch Guardiola einsehen. „Das Ergebnis spricht für sich.“

          In der zweiten Halbzeit ebbte der Sturm, den Liverpool zuvor entfacht hatte, ab. Manchester kontrollierte die meiste Zeit den Ball, kam aber kaum zu Chancen. Die beste leitete der deutsche Nationalspieler Sané ein, als er auf links außen durchbrach und David Silva dessen Hereingabe über die Linie drückte. Mark Borsch, der gleiche Schiedsrichter-Assistent, der in der ersten Halbzeit bei einer knappen Entscheidung vor Liverpools Führung die Fahne unten gelassen hatte, hob sie nun – eine zweifelhafte Entscheidung, wenn man den Grundsatz „Im Zweifel für den Angreifer“ zugrundelegt. So blieb es beim 3:0 und Manchester City reiste ohne Auswärtstor die kurze Strecke zurück in die Heimat.

          War es das also mit den großen Plänen der Citizens, die mit enormem Geldeinsatz und Guardiola endlich die Champions League gewinnen wollten? Sieger Klopp ist sich da nicht so sicher. „Es ist Halbzeit, kein Grund zu feiern. Wir müssen da nochmal durch“, sagte der Deutsche. „Das wird nochmal richtig Energie kosten.“ Was wie die fußballtypische Vorsicht klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn genauso wie Liverpool in der Premier League den Gegner beim 4:3 beherrschte, so führte City die Elf von Klopp im ersten Aufeinandertreffen im eigenen Stadion vor, in dem auch am nächsten Dienstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) das Rückspiel stattfindet.

          Anfang September nahm Manchester die Liverpooler beim 5:0 förmlich auseinander. Begünstigt wurde der Kantersieg damals von einer frühen Roten Karte für Mané. Es trafen Sergio Agüero und je zweimal Kevin de Bruyne und Sané. Nun dürfen die „Reds“ in der kommenden Woche wieder mit elf Spielern starten. Doch Guardiola wird seine Spieler mit Sicherheit daran erinnern, dass ein hoher Sieg, den es braucht, um doch noch ins Halbfinale einzuziehen, nicht völlig unrealistisch ist. Auch der Spott und die Kritik der Medien nach dem Debakel von Anfield dürften Motivation sein. Das Boulevardblatt „Sun“ sah ein „meisterhaftes Beispiel dafür, wie man eine technisch überlegene Mannschaft wie City besiegt, mundtot macht, kastriert und besitzt“.

          Es ehrt die Spieler aus Manchester, dass sie einen Vorfall vor der Partie nicht als Grund anführten für die Niederlage. Auf der Fahrt zum Stadion wurde der Mannschaftsbus bei Krawallen beschädigt. „Wir entschuldigen uns uneingeschränkt bei Pep Guardiola, seinen Spielern, den Mitarbeitern und Offiziellen, die von dem Zwischenfall betroffen waren“, teilte Liverpool später auf der Klub-Website mit. „Das Verhalten einiger Personen war komplett inakzeptabel und der Verein wird vollständig mit den Behörden kooperieren, um die Verantwortlichen zu identifizieren“, heißt es in dem Statement weiter. Medienberichten zufolge soll ein Fenster des Busses zerstört, aber niemand verletzt worden sein. Guardiola erinnerte an den Anschlag auf den Dortmunder Bus vor einem Jahr. „Ich hoffe, dass sowas nicht mehr passiert.“

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