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Lukas Podolski : Ein Weltmeister sucht nach seiner Zukunft

Auswechslung: Arsène Wenger und Lukas Podolski Bild: dpa

Lukas Podolski will mehr sein als nur der Spaßvogel im Team des Weltmeisters. Seine Zeit in der Nationalelf scheint aber ebenso abzulaufen wie die beim FC Arsenal, bei dem er auch in Anderlecht (20.45 Uhr) nur eine Nebenrolle einnehmen wird. Auch Köln bietet keinen Ausweg.

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          Es war kurz vor der Weltmeisterschaft, als Lukas Podolski wieder in der Rolle angekommen schien, in der er zehn Jahre zuvor bei der Nationalmannschaft seine Karriere begann: Podolski verbreitete Hoffnung. Bei der WM-Generalprobe gegen Armenien humpelte Marco Reus gerade vom Platz, und im Mainzer Stadion ahnte man schon, dass für Reus die WM vorbei sein könnte, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Für den Pechvogel kam Poldi - und aus einem 0:0 zur Halbzeit machten die Deutschen einen 6:1-Sieg. Podolski erzielte dabei nicht nur einen Treffer und bereitete weitere vor. Er war eine treibende Kraft, so voller Energie und Tatendrang, wie man ihn nur aus seinen besten, aber schon länger vergangenen Tagen in der Nationalelf kannte. Es schien, als wäre die Zeit stehengeblieben. Aber es war eine Täuschung.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dabei war immer, wenn ein großes Turnier anstand, auf Podolski Verlass gewesen. Da konnten in all den Jahren die Krisen in den Klubs so groß gewesen sein, wie sie wollten - kein anderer Profi blühte bei den Endrunden im DFB-Trikot so verlässlich auf wie Podolski. Und auch in Brasilien schien er nach starken Auftritten wieder ein Spieler für die Startelf zu sein. Gegen Portugal wurde er dann aber doch erst spät eingewechselt, gegen Ghana verzichtete der Bundestrainer vollständig auf ihn. Im letzten Gruppenspiel gegen die Vereinigten Staaten war dann jedoch plötzlich seine große Chance gekommen. Podolski spielte von Beginn an - und enttäuschte von der ersten Minute an. Zur Halbzeit musste er raus. Damit war die WM für ihn beendet. Joachim Löw setzte Podolski in Brasilien keine einzige Minute mehr ein.

          Wenn nicht alles täuscht, hat Lukas Podolski am vergangenen Dienstag eine weitere Zäsur in der Nationalelf erlebt. Die womöglich letzte und entscheidende in seiner herausragenden Karriere. Nachdem der große deutsche Fußball-Liebling beim 0:2 in Polen in der 77. Minute eingewechselt wurde und den Ball gleich mit einem fulminanten Schuss gegen die Latte drosch, durfte er drei Tage später gegen Irland direkt nach der Pause ran. Sein Auftritt im 120. Länderspiel geriet dann aber zu einer einzigen Enttäuschung, genauso wie gegen die Vereinigten Staaten. Nun scheint das Ende seiner Karriere beim DFB nahe, neben dem Dauerverletzten Bastian Schweinsteiger ist er ohnehin das letzte Gesicht des Sommermärchens in der Nationalelf.

          Podolski will nichts vom Ende hören

          Im November, zum Qualifikationsspiel gegen Gibraltar und zum Jahresabschlusstest gegen Spanien, dürfte der 29 Jahre alte Podolski noch einmal zum Aufgebot zählen, nicht zuletzt wegen der großen Personalmisere. Ob er danach allerdings, wenn die vielen verletzten Stammkräfte genesen sein dürften, überhaupt noch einmal im deutschen Trikot mit den vier Sternen zum Einsatz kommt, ist fraglicher denn je.

          Von einem Ende seiner Zeit als Nationalspieler will Podolski allerdings nichts hören. „Ich kann meine Situation ganz gut einschätzen. Und die Situation im Verein muss sich jetzt ändern. Mal schauen, was jetzt passiert, und dann mal schauen, was im Winter passiert. Dass ich damit nicht zufrieden bin, ist ja klar“, sagte er nach dem 1:1 gegen Irland. Sein Ziel ist die Europameisterschaft in Frankreich - und die Nationalelf weiter seine große sportliche Liebe, genauso wie der 1. FC Köln.

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